TNS droht eine feindliche Übernahme

Die britische WPP Group, zweitgrößte Werbe-Holding der Welt, hatte 950 Millionen Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro) für das britische Marktforschungsinstitut Taylor Nelson Sofres (TNS) geboten. Doch TNS lehnte ab – die Aktionäre schätzten die Summe für deutlich zu gering ein, das Unternehmen sei unterbewertet. WPP erwägt jetzt eine feindliche Übernahme. Sollte dies gelingen, wäre die geplante Fusion zwischen TNS und der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hinfällig.

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WPP-Chef Martin Sorrell zeigte sich „überrascht und enttäuscht“, dass TNS sein Angebot zurückgewiesen hat, schreibt die „Times Online“. Der Werberiese bereitet sich nun darauf vor, direkt an die Aktionäre  heranzutreten. Führende Aktionäre meinen jedoch, Sorrell müsse sein Angebot deutlich erhöhen: von derzeit 230 auf mindestens 300 Pence pro Aktie.

Die Gespräche sollen beginnen, sobald WPP eine klare Vorstellung davon hat, welche finanziellen Folgen eine Verschmelzung zwischen TNS und GfK tatsächlich hätte und wie hoch die fusionierte Gruppe zu bewerten sei. Expertenschätzungen zufolge liegen die möglichen Einsparungen zwischen 30 und 80 Millionen Pfund.

Ob das Vorgehen von WPP eine Fusion zwischen dem deutschen und dem britischen Marktforschungsinstitut tatsächlich gefährdet, bleibt abzuwarten. Bisher gibt sich die GfK gelassen. Dass die geplante Zusammenlegung das Interesse der Wettbewerber wecke, sei keine Überraschung, sagt Bernhard Wolf, Leiter der GfK-Unternehmenskommunikation.

Die Nürnberger gehen weiterhin davon aus, dass die von ihnen vorgeschlagene Fusion den größeren Wert bietet. „Wir haben wenige Überschneidungen, vielmehr ergänzen wir uns“, sagt Wolf. So sei TNS etwa in Asien gut aufgestellt – ein Bereich, in dem die GfK unterrepräsentiert sei. Im Gegenzug sei TNS deutlich schlechter im langfristigen Geschäft positioniert. Hier kann die GfK punkten, die zum Beispiel in der Fernsehforschung Aufträge für die kommenden sieben Jahre hat. Zudem arbeiten die Marktforscher in einigen Bereichen bereits erfolgreich zusammen, etwa im Consumer Tracking. „Mit dem Euro Panel können die GfK und TNS Kundenwünsche in ganz Europa bedienen“, so Wolf. „Zusammen wären wir sehr gut für die Zukunft aufgestellt, das wissen auch die Aktionäre.“ Es wäre eine „merge of equals“, eine Fusion unter Gleichen.

TNS ist derzeit international die Nummer drei der Marktforscher, die GfK steht an Platz fünf. Bei einer Verschmelzung würde das neu gegründete Unternehmen auf Platz zwei rücken und Kantar, das Marktforschungsinstitut von WPP, bliebe der vierte Rang.
 
Bisher hat WPP noch keine neue Offerte vorgelegt. Wenn sie dann kommt, müssten erst die Aktionäre davon überzeugt werden, dass dieses Angebot tatsächlich das bessere ist. „Noch hat Sorrell aber nicht begründen können, warum aus der Zusammenführung von Kantar und TNS ein größerer Mehrwert entstehen sollte als aus der von TNS und der GfK “, sagt GfK-Sprecher Wolf.

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