Daten-Spion: „Auftrag kam von ganz oben“

Neue, brisante Enthüllungen im Skandal um ausgespähte Telefonverbindungen zwischen Telekom-Aufsichtsräten und Journalisten. Im „Handelsblatt“ äußert sich erstmals der Datenspion Ralph Kühn, der mit seiner Firma die Telefonverbindungen von Telekom-Aufsichtsräten durchforstete. Er sagt, der Auftrag sei „von ganz oben“ gekommen. Damit kann er nur das Umfeld des damaligen Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke und des damaligen Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel meinen.

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Ricke und Zumwinkel werden auch noch aus anderer Richtung schwer belastet. Der ehemalige Personalvorstand Heinz Klinkhammer sagte dem „Handelsblatt“: „Der Mitarbeiter der Konzernsicherheit, der diesen Auftrag bekommen hat, hat mir versichert, dass Ricke und Zumwinkel ihm in der Angelegenheit einen Maulkorb erteilt haben.“ Sowohl Ricke als auch Zumwinkel bestreiten die Vorwürfe. Ricke ließ mitteilen, die Vorwürfe seien „unwahr und haltlos“. Das Dementi des Zumwinkel-Sprechers klingt weicher: „Herr Zumwinkel hat keinen persönlichen Auftrag erteilt.“

Datenspion Kühn enthüllte weitere Details der Spitzel-Affäre. Die erste Aktion ging 2005 über die Bühne und erhielt bei der Telekom den Decknamen „Operation Rheingold“. Das Gruner&Jahr-Magazin „Capital“ hatte die mittelfristige Strategie der Telekom detailliert aufgeschrieben und dabei aus geheimen Papieren zitiert, die nur dem Vorstand und dem Aufsichtsrat zugänglich waren. Ricke soll sehr sauer gewesen sein. Der Verdacht, die Infos weitergegeben zu haben, fiel auf die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Der Datenspion wurde von der Telekom mit den Verbindungsdaten versorgt und konnte nachweisen, dass der damalige Aufsichtsrat und Betriebsratschef Wilhelm Wegner mit einem Reporter von „Capital“ telefoniert hatte. Trotzdem gab es keine offenen Sanktionen gegen Wegner. Kühn vermutet, es habe damals einen Deal zwischen ihm und der Telekom-Spitze gegeben.
Kühns Firma network.deutschland befasst sich laut Handelsregister-Eintrag mit der „Verhütung, Aufdeckung und Untersuchung von Betrug in Wirtschaftsunternehmen, Beratung in Fragen der Kommunikationssicherheit und des Schutzes geistigen Eigentums, das Aufspüren von Vermögenswerten, die Entwicklung von Computersoftware zur Betrugsermittlung, Schulungen bezüglich der vorgenannten Aktivitäten sowie ähnlicher Aktivitäten und/oder andere Leistungen der Unternehmensberatung, die damit im Zusammenhang stehen.“
Anfang 2006 erteilte die Telekom dann erneut einen Auftrag an den Datenspion Kühn wegen unliebsamer Veröffentlichungen in der Presse. Deckname diesmal: „Operation Clipper“. Wieder wurde Kühn mit Verbindungsdaten versorgt, wieder konnte er Verbindungen zwischen dem Aufsichtsrat und Journalisten nachweisen. Seit René Obermann Ende 2006 die Telekom leitet, habe es keine weiteren Aufträge mehr gegeben, so Kühn. Aus der Zeit Rickes habe er aber noch Rechnungen in Höhe von 400.000 Euro offen. Dieses Geld verlangte er via Fax von der Telekom, das Fax landete beim „Spiegel“ und die Telekom hat nun ein ziemliches Problem.

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