Deutsches Facebook startet schwach

Das Soziale Netzwerk Facebook enttäuscht mit dem Start seiner deutschen Version. Im ersten Quartal 2008 nutzten nur 26 Prozent mehr User als im Vorjahreszeitraum Facebook. Der Zuwachs fällt damit deutlich geringer aus als in Ländern wie den USA oder Großbritannien, wo regelmäßig dreistellige Wachstumsraten erreicht werden. Der befürchtete Gegenwind für StudiVZ und Xing bleibt vorerst ein laues Lüftchen.

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Rund 1,2 Millionen Besucher zählte Facebook im ersten Quartal dieses Jahres laut Marktforschungsinstitut Nielsen Online. Enttäuschende Zahlen, auch vor dem Hintergrund, dass das Soziale Netzwerk erst Anfang März eine deutschsprachige Version seines Angebots gelauncht und somit erst spät für Deutschland nachgerüstet hat. Konkrete Zahlen für den März gibt das Marktforschungsunternehmen nicht heraus, da die Userzahlen für eine statistisch saubere Hochrechnung zu gering sind.

Auf dem deutschen Netzwerk-Markt hinkt Facebook weiterhin den Marktführern StudiVZ (6,0 Millionen User), MySpace ( 4,7 Millionen User) und SchülerVZ (3,9 Millionen User) hinterher. Auch Xing rangiert mit 1,8 Millionen Nutzern vor dem US-Rivalen, der auf ein unüberschaubares Funktions-Angebot mit rund 23.000 Anwendungen und technische Überlegenheit setzt. Features, die den eher zweckorientierten deutschen User bislang überwiegend kalt lassen oder auf die er noch gar nicht hingewiesen worden ist – eine klassische Werbekampagne hat es nie gegeben. Still und leise war die deutschsprachige Erweiterung im März online gegangen, für Schlagzeilen sorgten dagegen die offensichtlichen Fehler beim späteren Versuch, das Netzwerk ungefragt mit den Namen bekannter Blogger via Google Ads bekannt zu machen.

Erschwerend für die Etablierung von Facebook in Deutschland kommt hinzu , dass der Markt langsam Anzeichen für eine allgemeine Sättigung an Netzwerk-Portalen zeigt, denn kaum ein Soziales Netzwerk konnte in den vergangenen 12 Monaten die Reichweitensprünge des vergangenen Jahres wiederholen.

So lag die Veränderung zum ersten Quartal 2007 bei StudiVZ bei moderaten plus 18,9 Prozent, Xing konnte noch um 15,8 Prozent zulegen und rangiert vor den Lokalisten mit 13,1 Prozent Wachstum, während MySpace sogar knapp 9 Prozent verlor. Die Userzahlen des Ende Februar gestarteten meinVZ liegen noch weit unter der Nielsen-Ausweisungsgrenze, auch will das Unternehmen bislang keine Mitgliederzahlen nennen. Ausnahme und großer Gewinner unter den Netzwerken ist das Allround-Network Wer-kennt-wen mit 83,5 Prozent Besucherzuwachs, an dem seit kurzem der Kölner Fernsehsender RTL mit 49 Prozent beteiligt ist.

Im Januar waren die Samwer-Brüder als Investoren bei Facebook eingestiegen, um die europäische Expansion des US-Portals zu begleiten und das Netzwerk langfristig auch in Deutschland so stark zu machen, dass heutige User von Plattformen wie StudiVZ oder Xing zu Facebook wechseln. Es sieht es nicht danach aus, als würde dies in nächster Zeit geschehen.

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