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Madsack Mediengruppe

„Ostsee-Zeitung“ stellt Anzeigenblatt ein und will Druckstandort verlegen

Blick auf das Verlagsgebäude der "Ostsee-Zeitung" in Rostock – Foto: Imago

Die Geschäftsführung der „Ostsee-Zeitung“ („OZ“) stellt den „Ostsee-Anzeiger“ zum Jahresende ein. Das zu Madsack gehörende Medium will in diesem Zuge zudem den Druckstandort verlegen. Gewerkschaften kritisieren die Sparpläne deutlich.

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Bei der „OZ“ stehen große Veränderungen an: Das Anzeigenblatt „Ostsee-Anzeiger“ soll zum Jahresende eingestellt werden. Deshalb und wegen der sinkenden Printauflage der Tageszeitung soll der eigene Druckstandort von Rostock nach Neubrandenburg verlegt werden. Der Druck der „OZ“ soll demnach künftig beim „Nordkurier“ erfolgen. Betroffen von der Schließung sind laut Verdi ebenfalls der Anzeigensatz und die Bildbearbeitung.

Die 1952 gegründete Zeitung ist laut Madsack-Homepage, zu deren Verbund die „OZ“ gehört, die „auflagenstärkste Tageszeitung in Mecklenburg-Vorpommern“. Laut IVW lag die verkaufte Auflage im 3. Quartal 2022 bei rund 102.600 Exemplaren, ein Rückgang zum 3. Quartal 2014 um rund 44.400 Exemplare. Mit der fürs erste Quartal 2023 geplanten Umstellung würde die „OZ“ künftig in einem kleineren Format, dem sogenannten Berliner Format, erscheinen.

Die „OZ“ verweist auf MEEDIA-Anfrage lediglich auf einen Beitrag in eigener Sache, in denen die Sparpläne verkündet werden.

Kritik an den Plänen der „OZ“

Deutliche Worte gibt es seitens der Gewerkschaften Verdi Nord und DGB Nord. Die Einsparpläne bei der „OZ“ seien „überzogen und falsch“. Beide Organisationen verurteilen die „überraschend bekannt gegebenen“ Schritte, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Geschäftsleitung hatte laut Verdi und DGB dem Betriebsrat am vergangenen Mittwochnachmittag die Pläne für das Anzeigenblatt mitgeteilt. Eine Stunde später erfuhren es die Betroffenen.

Conny Töpfer, stellvertretende Landesleiterin von Verdi Nord, sagt dazu: „Die Überrumpelungstaktik, mit der die Unternehmensführung die geplanten Maßnahmen kommuniziert hat, ist zeitlich wie inhaltlich unakzeptabel und wird von uns so nicht hingenommen.“ Und weiter sagt sie: „Hier sollen Dutzende Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren, die über viele Jahre durch Einkommensverzicht dem Unternehmen wirtschaftliche Spielräume eröffnet haben. Es ist unerträglich, dass ein Unternehmen, das nachweislich Millionenüberschüsse erwirtschaftet, den Strukturwandel in den Medien einseitig zu Lasten der Beschäftigten bewältigen will! Das wird einen massiven Protest hervorrufen!“ Die „OZ“ hatte zuletzt ein Jahresergebnis von knapp neun Millionen Euro erzielt.

SPD nun in besonderer Verantwortung?

„Vor allem empört uns, dass hier ein tarifgebundener Betrieb geschlossen und Aufträge an tariflose Firmen vergeben werden sollen“, kritisiert Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord. „Wir fordern die Verlagsleitung auf, auch die Härtefallhilfen des Bundes und des Landes aktiv zu nutzen, um den Arbeitsplatzabbau bei der ‚OZ‘ abzuwenden.“

Beide Gewerkschaften sehen die SPD in einer besonderen Verantwortung, für die Beschäftigten der „OZ“ ebenso wie für die Medienvielfalt im Land. Die Partei müsse nun über ihre Medienholding DDVG gegen die Pläne aktiv werden. Das Unternehmen ist an verschiedenen Medienhäusern in Deutschland beteiligt, bei Madsack sind es rund 23,1 Prozent. Die SPD ist mit der Holding der größte Gesellschafter des „OZ“-Mutterkonzerns.

Auf MEEDIA-Anfrage teilt die DDVG mit, dass man Aktivitäten lokaler Geschäftsführungen der Madsack Mediengruppe nicht kommentiert. Grundsätzlich gelte aber, dass man in Fällen des Arbeitsplatzverlustes stets auf ein Höchstmaß an sozialen Ausgleich Wert lege: „Madsack hat bisher immer in diesem Sinne gehandelt.“

Die „OZ“ wiederum benennt in dem Beitrag in eigener Sache den Fahrplan kurz und knapp: „Für die von einer Verlagerung des Drucks betroffenen Mitarbeiter wird bereits zusammen mit den Arbeitnehmervertretungen nach sozial verträglichen Lösungen gesucht.“

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