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US-Verlage

Bertelsmann bestätigt: Simon & Schuster-Übernahme ist geplatzt

Das Verlagsgebäude von Simon & Schuster - Foto: Imago / UIG

Bertelsmann bestätigt das endgültige Aus für die Übernahme des US-Publikumsverlags Simon & Schuster (S&S) durch Penguin Random House (PRH). Bertelsmann/PRH und Simon & Schuster werden wohl nicht gemeinsam Berufung gegen das Urteil eines US-Bezirksgerichts, das die Übernahme Anfang November blockiert hatte, einlegen.

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Das hatte zunächst die Nachrichtenagentur Reuters vermeldet. Nach Gesprächen mit dem S&S-Gesellschafter Paramount werde man diesen ursprünglichen Plan nicht weiterverfolgen, bestätigt Bertelsmann jetzt in einer offiziellen Mitteilung.

PRH soll auch ohne Simon & Schuster weiter wachsen

Der Kurs der weltgrößten Publikumsbuchverlagsgruppe PRH stehe auch ohne die Übernahme von Simon & Schuster weiter auf Wachstum, beeilt man sich in Gütersloh zu versichern: „Penguin Random House ist Teil der Global-Content-Strategie, einer unserer fünf strategischen Prioritäten. Bertelsmann plant in diesem Bereich ein jährliches Wachstum von 5 bis 10 Prozent – organisch, aber auch durch Akquisitionen. Insgesamt investiert Bertelsmann in den kommenden Jahren im Zuge seines Boost-Plans zwischen 5 und 7 Milliarden Euro in das Wachstum seiner Geschäfte. Auch Penguin Random House werden erhebliche Investitionsmittel zur Verfügung stehen“, sagt Bertelsmann-CEO Thomas Rabe.

PRH hatte im Geschäftsjahr 2021 einen Rekordumsatz von 4 Mrd Euro (Buchreport berichtete) erwirtschaftet. Für Simon & Schuster, der in den USA die ganze Bandbreite eines klassischen Publikumsverlags spielt, wollte PRH/Bertelsmann 2,2 Mrd US-Dollar auf den Tisch legen. Mit dem Scheitern des Deals steht S&S-Inhaber Paramount jetzt eine Entschädigung von etwa 200 Mio US-Dollar zu. 

Penguin Random House meldete sich in einem separaten Statement zu Wort:

„Penguin Random House ist nach wie vor davon überzeugt, dass es das beste Zuhause für die Mitarbeiter und Autoren von Simon & Schuster ist, und gemeinsam mit Bertelsmann haben wir alles getan, um die Übernahme abzuschließen. Wir sind der Meinung, dass die Entscheidung des Richters falsch ist, und hatten vor, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen, da wir zuversichtlich waren, ein überzeugendes Argument vorbringen zu können, um die Entscheidung des unteren Gerichts in der Berufung aufzuheben. Wir müssen jedoch die Entscheidung von Paramount akzeptieren, nicht vorzugehen. Wir möchten unseren Mitarbeitern von Penguin Random House und den Teams von Simon & Schuster für ihre Unterstützung danken. Wir wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute und freuen uns darauf, mit den Büchern, die wir für Leser auf der ganzen Welt veröffentlichen dürfen, weiterhin einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu haben.”

Simon & Schuster: Wie reagieren die früheren Interessenten?

Wie es für Simon & Schuster weitergeht, ist ungewiss. Simon & Schuster-CEO Jonathan Karp wandte sich in einer Mitteilung an die Mitarbeitenden: „Diese Nachricht ist noch frisch, und zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch keine konkreten Informationen darüber geben, was in den kommenden Monaten geschehen wird.” Gleichzeitig verwies er darauf, dass der Verlag wirtschaftlich gut dasteht: „In den letzten drei Jahren haben wir neue Höhen erreicht. Simon & Schuster war noch nie so profitabel und wertvoll wie heute.” Auch das laufende Jahr soll eins der besten in der Geschichte des Verlags werden. In den ersten neun Monaten des Jahres 2022 stieg der Umsatz um 19% auf 863 Mio US-Dollar und der Gewinn um 29% auf 223 Mio US-Dollar. Zuletzt machten sich aber auch die steigenden Kosten bemerkbar.

Dass sie selbst Interesse hätten, Simon & Schuster zu kaufen, bestätigten sowohl Hachette-Chef Michael Pietsch als auch HarperCollins-CEO Brian Murray bei ihren Aussagen im Rahmen des Kartellverfahrens gegen PRH/Bertelsmann im Sommer (Buchreport berichtete). Ob diese jedoch weiterhin Interesse an einem Kauf haben und ob sie bereit wären, einen ähnlich hohen Betrag zu zahlen, ist jedoch ungewiss. Murray sagte im August, er sei „schockiert“ ob der von PRH offerierten 2,2 Mrd US-Dollar gewesen. Diese hohe Kaufsumme läge weit außerhalb des üblichen Rahmens.

Hinzu kommt: Bei ihrer Blockade des S&S-PRH-Deals äußerte Richterin Florence Pan Bedenken, dass durch die Übernahme ein dominierender Verlag entstehen und die „Big 5”-Verlage auf die „Big 4” reduziert würden. Und zu den „Big 5”, den 5 größten Publikumsbuchverlagen der USA, gehören neben PRH und Simon & Schuster auch Hachette und HarperCollins sowie Macmillan. Sollte einer von ihnen (weiter) Interesse an Simon & Schuster hegen, müsste er überzeugt werden, dass eine Kaufofferte Chancen auf Genehmigung hätte.


Dieser Text wurde zuerst beim Buchreport veröffentlicht, der wie MEEDIA bei Busch Glatz Germany erscheint.

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