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Wochenrückblick

Wenn der Springer-CEO vom Metaverse redet, muss man Angst haben

Elon Musk hat nicht ausgeschlossen, dass Twitter pleite gehen könnte. Was nicht erstaunlich ist, immerhin ist Twitter eine Firma. Jan Böhmermann hat auf Spotify Tom Buhrow lang gemacht. Und bei Axel Springer ist die Euphorie für Bild TV abgekühlt. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Es stimmt schon. Elon Musk wirkt ziemlich irre und er gilt als egomanisch. Wahrscheinlich ist es nicht sehr gemütlich, für ihn zu arbeiten. Außerdem hasst er Home Office. Aber: Vieles von dem, was Musk in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit Twitter aktuell vorgeworfen wird, halte ich für unfair. Dass er die Hälfe der Belegschaft gefeuert hat, ist für die Betroffenen natürlich schlimm, aber Twitter war schon vor der Übernahme durch Musk ein schwieriges Unternehmen, um das Mindeste zu sagen. Vermutlich hätte das alte Management ebenfalls Massenentlassungen durchführen müssen. Auch der Facebook-Konzern Meta hat diese Woche 11.000 Entlassungen verkündet. Dass Musk nun gesagt haben soll, dass die wirtschaftliche Lage schwierig ist und Twitter pleite gehen kann, wenn es weiter Geld verliert, ist nichts anderes als das Aussprechen von Realitäten. Jede Firma kann pleite gehen.

„The Verge“ hat eine Q&A-Session von Musk mit Twitter-Angestellten dokumentiert, die wirklich lesenswert ist. Der Musk, der sich dort zeigt, wirkt ganz anders als der Musk auf Twitter. Vieles von dem, was er sagt ergibt Sinn und (fast) gar nichts wirkt wahnsinnig.

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In seinem Spotify-Podcast zusammen mit Olli Schulz ist Jan Böhmermann vergangenen Sonntag ganz schön über ARD-Chef Tom Buhrow und seine Reform-Rede hergezogen. In vielem hat Böhmermann recht. Buhrow war/ist als WDR-Intendant keiner, der prägende Programm-Innovationen hervorgebracht hätte. Sein Agieren in kritischen Situationen, wie der Oma-Umweltsau-Affäre, war halbherzig bis windelweich. Und dass er seine Reform-Ideen am Tag vor dem ersten Presseauftritt des neuen ZDF-Intendanten Norbert Himmler als „Privatmann“ vortrug, kann man wahlweise als fies oder ungeschickt werten. Die berechtigte Kritik an Stil und Ton ändert aber nichts daran, dass Buhrow im Kern recht hat, mit dem was er sagte. Die Verschmelzung von ARD und ZDF zu einem einzigen öffentlich-rechtlichen Sender ist langfristig (!) das einzig sinnvolle Reformziel. Das Argument, dass sich ARD und ZDF publizistisch Konkurrenz machen müssen, ist Unfug. Das können die Privaten schon auch ganz gut.

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Bei Axel Springer scheint eine gewisse Bild-TV-Ernüchterung einzutreten. Der „Spiegel“ berichtete diese Woche, dass die werktägliche Sendung „Bild Live“ bis Jahresende eingestampft werden soll. Festhalten will man aber an den Talkformaten „Viertel nach Acht“ und „Die richtigen Fragen“, die lassen sich nämlich viel billiger produzieren. Ersetzt werden soll „Bild Live“ u.a. durch noch mehr Dokus. Nach meiner persönlichen Untersuchung mit n=1, läuft bei Bild TV IMMER eine Doku, wenn ich mal abends reinschalte. Mega enttäuschend! Da kann ich mich nicht mal über Nena Schink und ihre seltsamen Gäste aufregen. Mit dem geschassten Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt ging offensichtlich auch die Begeisterung für Bild TV bei Springer von Bord. Reichelts Nachfolger Johannes Boie versprüht jedenfalls deutlich weniger TV-Lust. Dabei war Bild TV aber doch die Wachstumsstory für den journalistischen Zweig des Springer-Konzerns. Doch wo soll sonst herkommen, das Wachstum? In einem internen Podcast nahm CEO Döpfner wohl die Worte Blockchain und Metaverse in den Mund. Das macht einem natürlich Angst, wenn man da arbeitet. Für die Blockchain hat sich bisher beim besten Willen noch kein Ansatz gefunden, wie sie für Medien wirklich nützlich sein könnte. Und wie sich ein Fokus auf das Thema Metaverse auswirkt, kann man aktuell bei der Firma Meta besichtigen, wo der Firmenwert pulverisiert und 11.000 Beschäftigte entlassen werden.

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Zum Schluss nochmal kurz zu Musk/Twitter. Man kann wirklich so ziemlich alles über, für oder gegen Elon Musk oder Twitter sagen, aber eins kann man nun wirklich nicht behaupten: dass es langweilig ist.

Bitte nicht pleite gehen, sonst bleibt uns nur noch die Kuschelhölle von LinkedIn!

Schönes Wochenende!

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