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Wochenrückblick

Wie ARD-Chef Tom Buhrow ZDF-Intendant Norbert Himmler in die Suppe spuckte

Am Tag vor einem lange angekündigten Pressetermin von ZDF-Intendant Norbert Himmler, räsonierte ARD-Chef Tom Buhrow „privat“ über eine Fusion der beiden Sende-Anstalten. Twitter kennt fast nur noch das Thema Twitter. Und WDR-Mitarbeiter beschweren sich beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Was ist denn bei den Öffis los? Am Donnerstag lud das ZDF zu einem Pressegespräch mit dem noch frischen Intendanten Norbert Himmler nach Berlin in die Fabrik23 (Raum LaCucina). Himmler wollte eine Standortbestimmung seiner Intendanz geben, nachdem er nun rund ein halbes Jahr im Amt ist. Just am Vorabend hielt der amtierende ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow eine Rede vor dem Hamburger Überseeclub als „Privatmann“, wie er sagte, und stellte dabei mal eben die Existenz von zwei öffentlich-rechtlichen Groß-Sendeanstalten zur Disposition. Buhrows Rede wurde tags darauf in leicht veränderter Form auch noch als Beitrag in der „FAZ“ veröffentlicht. Blöd für Himmler, dass Kollege Buhrow ihm damit so ziemlich die Show stahl. Buhrow wörtlich:

„Die erste Frage – glaube ich –, die wir uns stellen müssen, ist: Will Deutschland im 21. Jahrhundert weiter parallel zwei bundesweite, lineare Fernsehsender? Wenn nicht: Was heißt das? Soll einer ganz verschwinden und der andere bleiben? Oder sollen sie fusionieren, und das Beste von beiden bleibt erhalten?“

Tom Buhrow, der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant, stellt hier also ganz „privat“ eine Fusion von ARD und ZDF in den Raum. Dazu musste sich ZDF-Boss Himmler tags darauf natürlich „verhalten“, wie er das ausdrückte. Er begann mit dem Hinweis, dass das hier jetzt zwar kein „Übersee-Club“ sei, er aber dafür auch nicht als „Privatmann“ spreche, sondern als ZDF-Intendant. Wenn man wollte konnte man da schon eine gewisse Säuerlichkeit reininterpretieren. Und als ZDF-Intendant sagte er natürlich:

„Zur Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks insgesamt gehört bisher auch der publizistische Wettbewerb zwischen ZDF und ARD.“

Klar, der ZDF-Intendant plädiert qua Amtes nicht für seine Abschaffung. Genau darum hat Buhrow ja auch „privat“ gesprochen. Nun würde es einen doch schon interessieren, was Norbert Himmler denn „privat“ von einer Zusammenlegung von ARD und ZDF hält. Vermutlich: nichts.

Aber: Dass Buhrow das Notwendige in Sachen ÖRR-Reform überhaupt mal ausgesprochen hat, ist ihm hoch anzurechnen und ein Anfang.

Dass das ZDF sich Aussagen des Intendanten bei einem Pressegespräch autorisieren lässt, zeugt nicht gerade von einem übergroßen Vertrauen in die Medien, die über den ÖRR berichten.

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Twitter kennt in diesen Tagen fast nur noch ein Thema: Twitter. Bzw. Elon Musk, den neuen, bösen Twitter-Imperator. Die Plattform ist voll von Besserwissern, die ganz genau erklären können, dass Musk scheitern muss, weil er halt so ein Trottel ist. Stattdessen wird dazu aufgerufen, zu dem dezentral organisierten Dienst Mastodon zu wechseln, wo sich manche Twitter-Größe dann wundert, dass man dort „null follis“ hat und die „Drukos“ nicht eingeschränkt werden können.

Ich bin so wenig im Game, dass ich nachschauen musste, was „Drukos“ sind: „Drunter Kommentare“. Marketing-Prof. Scott Galloway versuchte die Twitter-Meute sogar dazu anzustacheln, Teslas zu verkaufen und den Hashtag #sellyourtesla zu etablieren. Mit überschaubarem Erfolg.

Man muss Musk nicht zum Universalgenie verklären, aber immerhin hat er aus Tesla eine profitable E-Autofirma gemacht, die vielleicht einen größeren Beitrag zu Bekämpfung der Klimakrise leistet als unsere Freunde von der Sekundenkleber-Fraktion. Und er lässt Raketen bauen, die Satelliten in den Weltraum schießen, die u.a. der Ukraine bei ihrem Kampf gegen Russland tatsächlich helfen. Ganz konkret. Wenn jeder, der bei Twitter die Klappe bis zum Anschlag aufreißt, auch nur die Hälfte gebacken bekommen würde, wären wir vermutlich ein paar Schritte weiter.

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Nochmal zu diesem Streit um die Berichterstattung von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Correctiv über einen Rechtsstreit zwischen dem WDR und einem Mitarbeiter: Der WDR hatte dem „Stadt-Anzeiger“ und Correctiv in der Sache ja tendenziöse Berichterstattung vorgeworfen. Es geht dabei kurz gesagt, um einen fest angestellten Mitarbeiter, der den Sender wegen „faktischer Nichtbeschäftigung“ verklagt. Der „Stadt-Anzeiger“ schrieb dabei sogar von „mafia-ähnlichen Strukturen“ beim WDR. Ob das wirklich die richtige Wortwahl war? In einem Leserbrief wandten sich dann über 100 WDR-Mitarbeiter an „Stadt-Anzeiger“ und Correctiv und widersprachen der Berichterstattung. Der Artikel zeichne ein falsches Bild der Arbeitsatmosphäre. Man erwarte eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik. Klingt nach einer sinnvollen Forderung.

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Gut, dass sie ARD und ZDF doch noch nicht zusammengelegt haben. Sonst hätte uns das ZDF gar nicht daran erinnern können, dass am 19. November wieder „Wetten dass..?“ kommt.

Moderiert von Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker. Von wem sonst? Gast ist u.a. Robbie Williams. Wer sonst? Phil Collins kann ja nicht mehr. Das ist gerade so, als habe man das Fernsehen von 1995 wieder aufgetaut. Und in der ersten Reihe sitzt am 19. November dann gewiss Intendant Norbert Himmler. Allein darum wird er wollen, dass das ZDF auf ewig bestehen bleibt.

Schönes Wochenende!

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