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Netzwerk

Was ein Trio um Ex-RTL-Moderatorin Janine Steeger mit Futurewoman vorhat

Janine Steeger, Sandra Broschat und Saskia Juretzek

Die Gründerinnen von Futurewoman (v.l.): Janine Steeger, Sandra Broschat und Saskia Juretzek – Foto: Nadine Dilly

Janine Steeger war früher „Explosiv“-Moderatorin bei RTL. Inzwischen verfolgt sie einen anderen Berufsweg: Mit Futurewoman hat sie ein Karriere-Netzwerk für Frauen ins Leben gerufen, die sich mit Nachhaltigkeit befassen. Nun soll eine Kurskorrektur her, damit die Initiative richtig Fahrt aufnimmt.

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Mit der Wut im Bauch ist es ja so eine Sache. Oft verpufft sie einfach nur, nichts passiert. Auch Janine Steeger hat Wut verspürt. Für Aufregung sorgte bei ihr das Abschlussbild einer bekannten Preisverleihung im Nachhaltigkeitsbereich von 2017. Zu sehen waren ausschließlich Männer, obwohl es doch genügend Frauen mit Expertise gab. Bei Steeger brachte das Event das berühmte Fass zum Überlaufen. Nachdem der erste Zorn verraucht war, wollte sie das Problem konstruktiv lösen.

Über das Unternehmen

Start der Seite: 2018

Gründung: im Oktober 2020 als Future Woman UG

Gründerinnen: Janine Steeger, Saskia Juretzek und Sandra Broschat

Ziel: mehr Expertinnen für Nachhaltigkeit auf Bühnen und in den Medien

Frauen im Netzwerk (Auswahl): Louisa Dellert, Meike Gebhard, Esther Heidbüchel und Ines Imdahl

Also rief die ehemalige RTL-Moderatorin 2018 die Seite Futurewoman ins Leben. Das Ziel? Mehr Sichtbarkeit für Frauen aus den verschiedenen Bereichen der Nachhaltigkeit in den Medien und auf Veranstaltungen. Damit eben nicht immer nur Männer auf den Podien dieser Republik sitzen oder zu nachhaltigen Problemen befragt werden. Im Oktober 2020 gründete Steeger gemeinsam mit ihren zwei Mitstreiterinnen Saskia Juretzek und Sandra Broschat die Futurewoman UG. Seitdem ist das Angebot genauso wie das Netzwerk gewachsen , das inzwischen aus rund 200 Expertinnen zu Mobilität, Ernährung oder Finanzen besteht. Doch das Trio sieht sich noch lange nicht am Ziel. Das Netzwerk soll bekannter werden. Professionalisierung ist ein Wort, das im Gespräch mit MEEDIA fällt. „Wir müssen in der Selbstvermarktung besser werden – und tougher“, sagt Steeger.

RTL ade, hallo „Green Janine“

Steeger dürfte für einige ein bekanntes Gesicht sein: Bei RTL moderierte sie viele Jahre das Magazin „Explosiv“, ehe sie ihren Traumjob an den Nagel hängte. Grund dafür war eine „große Sinnkrise“, wie es auf ihrer Homepage heißt. Ihr war die Leidenschaft abhanden gekommen. Parallel dazu hatte sie sich bereits seit 2012 intensiv mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt. Inzwischen ist sie als „Green Janine“ als Journalistin, Moderatorin und Speakerin aktiv. Fragen nach einem nachhaltigeren Leben und der Zukunft des Planeten treiben sie um.

Mit Futurewoman dockte sie 2018 an diesen Schwerpunkt an und verband ihn mit dem Thema Gleichberechtigung, oder „Gleichwertigkeit“, wie Steeger es im Gespräch nennt. „Die Ausrede von Medienschaffenden oder Programmplanern, man habe einfach keine Frauen gefunden, sollte endlich obsolet sein“, sagt Steeger zur Motivation. Die Gründe für die genannte Ausrede seien unterschiedlich: „Es ist schon so, dass Frauen das Selbstmarketing nicht so gut beherrschen, weshalb sie weniger auffallen.“ Da seien Frauen „deutlich schlechter als Männer.“ Da gebe es Steigerungsmöglichkeiten. Aber: „Es handelt sich um langfristige Entwicklungen“, so Steeger, „so etwas ändert sich nicht von jetzt auf gleich“.

Mit der Plattform versuche sie, einen Kreislauf zu durchbrechen. „Als Journalist oder Programmgestalter ist es oft so, dass man beispielsweise aus Zeitgründen nach dem Motto ‚Never change a winning team‘ handelt. Das sieht man auch in TV-Talkshows, wo häufig dieselben Menschen sitzen.“ Das sei, so Steeger, nicht nur blöd, sondern auch „wahnsinnig langweilig, weil redundant“. Ein Problem, das ihr als Journalistin selbst bekannt ist. Aufgrund der schnellen Reaktionszeiten setzen Redaktionen dann doch auf die altbekannten Ansprechpartner. Neue Experten zu finden, noch dazu Frauen, bedeutet mehr Rechercheaufwand. Deshalb die Idee zu Futurewoman, sozusagen als Anlaufstelle für Redaktionen und Events, aber auch als Sprungbrett für Frauen mit Expertise.

Selbstvermarktung der Marke

Seit einigen Jahren sind Saskia Juretzek und Sandra Broschat an Steegers Seite. Zusammen bilden sie das Führungs-Trio des Unternehmens. Beide bringen viel Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit mit: Juretzek ist seit 2022 für alle Nachhaltigkeitsaktivitäten der Tengelmann-Gruppe verantwortlich, zuvor kümmerte sie sich für die Allianz um diesen Bereich. Broschat leitet seit Oktober 2020 den Nachhaltigkeitsbereich der Firma Mast-Jägermeister zusammen mit einer Kollegin in einem Job-Sharing-Modell. Gemeinsam haben sie das Angebot von Futurewoman auf- und ausgebaut. Neben der Plattform gehören die Academy und Talks dazu; mit letzteren verdient das Unternehmen auch hauptsächlich sein Geld. Damit möchten die drei dazu beitragen, dass mehr Frauen in die Führungsetagen der Unternehmen gelangen.

Bei den Talks veranstaltet Futurewoman gemeinsam mit Unternehmen ein Panel zu einem bestimmten Thema, wobei Expertinnen aus dem Netzwerk eine Bühne bekommen. Mitte November etwa findet eines gemeinsam mit der Management- und Technologieberatung Detecon statt. Thema: „Frau kann Nachhaltigkeit – All Female Hands On Deck“. Es geht um die verschiedenen Wege einer nachhaltigen Karriere. Die Teilnahme ist kostenlos, das Geld kommt von den Unternehmen, die den Talk veranstalten. In der Vergangenheit gab es schon welche mit Henkel und Tchibo. Dabei werden die Diskussionsrunden in Absprache mit den Unternehmen gerne komplett weiblich besetzt. „Das machen wir aber nicht, weil wir die Welt umkehren wollen“, so Steeger. „Wir nutzen jedoch die Chance, diesen ewigen Kreislauf aufzubrechen und so viele Frauen wie möglich zu platzieren.“ In Zukunft, so das Ziel, soll es flächendeckend mehr gemischte Runden geben.

Steeger gibt im Gespräch auch zu, dass das mit dem „Kreislauf-Aufbrechen“ etwas länger dauert als womöglich geplant. Denn sie und ihre Mitstreiterinnen wuppen das Unterfangen nebenher: „Das ist schwierig, weil die Plattform dann nie groß genug wird. Deshalb vergrößern wir das Team weiter“, sagt sie. Eine freie Mitarbeiterin für die Organisation gibt es schon, die PR übernimmt eine Freiberuflerin, die zum Beispiel die Social-Media-Kanäle und den Relaunch der Website betreut. Künftig soll noch jemand für die Medientrainings engagiert werden, die Steeger zeitlich nicht mehr gestemmt bekommt.

Seit einigen Wochen überarbeitet das Team den kommunikativen und strategischen Kurs. „Die Professionalisierung der Marke steht im Fokus. Wir müssen in der Selbstvermarktung besser werden – und tougher“, sagt Steeger. Es müsse den Leuten auch außerhalb der Nachhaltigkeits-Szene klar sein, dass es bei Futurewoman weibliche Expertise gibt. Wie groß soll das Projekt werden? In Zahlen sei das schwer auszudrücken: „Unser Ziel ist es, unter den Programmmachenden und Medienschaffenden die erste Anlaufstelle für Expertinnen im Nachhaltigkeitsbereich zu sein“, so die Mitgründerin. Die Plattform soll bald ausschließlich ein Angebot für Medien- und Programmmacher sein, Netzwerk und Academy wiederum laufen separat weiter.

Fridays for Future geben Rückenwind

Initiativen für die Gleichberechtigung von Frauen gibt es schon länger, im Medienbereich, etwa den Verein ProQuote. Dort setzen sich die Macherinnen dafür ein, dass die Hälfte aller Führungspositionen in Medien auf allen Hierarchiestufen von Frauen besetzt wird. Hinzu kommen mehr und mehr Business-Netzwerke wie die Mission Female. Im konkreten Fall von Steeger, Juretzek und Broschat erhält deren Engagement zusätzlichen Resonanzraum durch gesellschaftliche Bewegungen wie die ebenfalls 2018 gestartete Fridays for Future. Die immer deutlicher spür- und sichtbaren Folgen des Klimawandels dürften ein weiterer Antreiber sein.

„Manche Veranstaltungen sind auch 2022 völlig selbstverständlich nur mit Männern besetzt.“

Janine Steeger

Trotz aller Vorwärtsschritte, gibt es Luft nach oben. Steeger sieht bei der Nachhaltigkeit zwar viele Lösungen, aber sie skalieren noch immer nicht schnell genug: „In der Umsetzung muss die Gesellschaft viel schneller werden.“ Auch deshalb seien die Perspektiven und Fähigkeiten der Frauen wichtig. Sie bringen mehr Tempo in den Wandel, ist Steeger überzeugt; und sie seien sicher kein Nice-to-have für die Gesellschaft. Das Thema Gleichwertigkeit und Weiblichkeit sei ebenfalls vorangekommen, aber manchmal weiter ein Problem: „Manche Veranstaltungen sind auch 2022 völlig selbstverständlich nur mit Männern besetzt.“

Dass die Gesellschaft in beiden Bereichen weiter ist als 2018, bejaht Steeger ohne Zögern: „Aber es reicht noch nicht.“ Mit der Futurewoman will sie daran arbeiten, konstruktiv in der Sache und tough im Marketing.

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