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New Work

Agenturen verpennen Artificial Intelligence

David Eicher – Illustration: Bertil Brahm

Der Ruf nach längeren Arbeitszeiten führt zu nichts. Im Gegenteil, meint David Eicher. Statt dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, würde ihn das befeuern. Sein Rezept: den technischen Fortschritt nutzen und intern mehr ausbilden.

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Die Klagen über den Fachkräftemangel hört man derzeit besonders laut. Arbeitszeiterhöhung als Lösung? Irrwitzig! Zumindest für die Kommunikationsbranche. Denn das Problem lässt sich teilweise auch anders lösen. Wie wäre es damit, den technischen Fortschritt zu nutzen? 

Fragen Sie einen Kommunikationsprofi in Leitungsfunktion, was er davon hält, die 42 Stunden Woche einzuführen. „Wie soll ich mein Pensum mit zehn Stunden weniger die Woche schaffen?“ wird er wahrscheinlich antworten. Ok, jetzt habe ich wieder das Klischee des Nacht- und Wochenendschichten schrubbenden Werbers bemüht. Es geht natürlich auch ganz anders. Aber: Der Spagat in der öffentlichen Diskussion zwischen der Vier-Tage-Woche und der 42-Stunden-Woche zeigt deutlich das Dilemma, in dem wir uns befinden.  

Mitarbeitermangel in Deutschland: Auch unsere Branche ist da keine Ausnahme. Überraschend ist für mich die Einfallslosigkeit, mit der wir auf diese Krise reagieren. Politik und Verbände zünden hauptsächlich Nebelkerzen und diskutieren über längere Arbeitszeiten. Absolut absurd! Denn eine Aufstockung der Arbeitsstunden löst das Problem des Fachkräftemangels nicht. Umgekehrt: Es würde zu mehr Frust und weniger Flexibilität führen – und in der Konsequenz zu noch mehr Kündigungen. 

Agenturen verpennen Artificial Intelligence 

Die Great Resignation hat viele Agenturen getroffen, wie ein Faustschlag von Mike Tyson. Wie wäre es damit, mal smart statt hart zu arbeiten? Wer einen Schritt weitergeht, testet heute schon mit KI. Nicht um die Mitarbeitenden zu ersetzen, sondern um sie von den redundanten Aufgaben des Alltags zu entlasten. So können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: Kreativität, Strategie oder Ideenfindung. Alles reines Wunschdenken? Nein. Das Unternehmen Jellysmack betreibt erfolgreiche Kanäle auf Social Media. Daneben nutzt es eine eigene KI-Technologie, um erfolgreiche Creator aufzuspüren und ihre Performance mithilfe von Daten zu verbessern. KI spielt eine zentrale Rolle bei der Trenderkennung, der Videobearbeitung, bei der Programmierung, Zielgruppenansprache, Umsatzprognose und vielem mehr. Beim US-Unternehmen Quantcast ermittelt eine KI die optimalen Umfelder für eine zielgruppengenaue Aussteuerung der digitalen Werbung. Wie viel Budget muss man investieren, um den Absatz um einen bestimmten Prozentsatz zu steigern? – Dies kann Mediaplus mit dem hauseigenen „Brand Investor“ mittels KI einfach beantworten. 

„Agenturen sollten ihr Mensch-Maschine-Verhältnis überdenken und sich dem technischen Fortschritt öffnen.“

David Eicher

Natürlich braucht es gerade Kreative für besondere Aufgaben. Doch: Agenturen sollten ihr Mensch-Maschine-Verhältnis überdenken und sich dem technischen Fortschritt öffnen. Weil man viele der oben aufgeführten Fähigkeiten selten an der Uni lernen kann, brauchen Agenturen Quereinsteiger, die sie selbst ausbilden. Mehr Investitionen in eine gute unternehmensinterne Ausbildung sind wohl der größte Hebel gegen den Fachkräftemangel. Liebe Agenturen, es ist höchste Zeit, in eigener Sache kreativ zu werden. 


David Eicher gründete 2000 die Social-Media- und Digitalagentur Webguerillas. Nach seinem Ausstieg startete er mit der Business-Beratung Müllers Garage durch. Seit 2021 ist er außerdem Gesellschafter der Conteam-Gruppe. Seine MEEDIA-Kolumnen finden Sie hier.

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