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Diskussion um ADC-Präsidentin Dörte Spengler-Ahrens

Liebe ADC-Mitglieder, öffnet euch endlich für den Nachwuchs!

Bei der ADC-Hauptversammlung trafen sich die Mitglieder bei leckeren Schnittchen in vertrauter Atmosphäre – Foto: ADC

Der ADC hat sein Präsidium neu – oder besser – wiedergewählt. Alles also beim Alten, oder? Nein! Denn vieles soll sich ändern. Es sind aber Zweifel erlaubt, ob das überhaupt klappt.

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Nach zwei Jahren Dörte Spengler-Ahrens scheint eines mal klar zu sein: das Vorhaben mit dem Female Empowerment beim ADC hat nicht wirklich geklappt. ADC-Präsidentin Spengler-Ahrens hat bestimmt ihr Bestes getan, konnte aber gegen die nach wie vor herrschende Männerdominanz im Verein nicht viel ausrichten. Immerhin, die Frauenquote im Präsidium beträgt 50 Prozent. Aber dass selbst Spengler-Ahrens nun nicht mehr von Female Empowerment, sondern von der gesamten Buntheit der diversen Gesellschaft spricht, klingt wie ein Eingeständnis des Scheiterns ihrer vor zwei Jahren ausgerufenen Agenda. Ihres eigenen Scheiterns.

Wenn der ADC weiter in der eigenen Blase wurstelt und sich nicht für den Nachwuchs öffnet, wird daraus wirklich ein „Alt-Männer-Verein“, meint MEEDIA-Redakteurin Claudia Bayer – Illustration: Bertil Brahm

Und Matthias Harbeck ruft als neuer Leiter der Sektion München mal wieder nach dem Nachwuchs. Da wird er lange rufen können. Die Zeiten, in denen eine Mitgliedschaft im ADC als Ritterschlag für einen Kreativen galt, sind längst vorbei. Zu verstaubt, zu altbacken ist das Image rund um die „alten Herren“.

Die Jungen an die Macht

Was helfen könnte? Lasst die Jungen endlich an die Macht! Sie sind es, die die sehenswerten Kampagnen auf die Straße bringen – auch wenn die ADCler in den Credits stehen. Sie sind es, die wissen, wie die Konsumenten von heute und vor allem morgen ticken. Sie sind es, die die Technik beherrschen, die auch vor Corona mit ihren Freunden schon digital kommuniziert haben, für die das Metaverse nicht nur Spielwiese, sondern tägliche Realität ist. Doch das nur nebenbei.

Fakt ist, dass der ADC nicht so weitermachen kann wie bisher. Klar, ein großes Festival und eine fette Party – vielleicht sogar wieder auf Kampnagel in Hamburg – können schon mal ein Anfang sein, die jungen Menschen anzuziehen. Aber wer soll das organisieren? Die alten weißen Männer in den Schlüsselfunktionen? Die wissen doch wohl kaum, wie die Gen Z feiert, oder?!

Der Umbau des Clubs wird wohl nur gelingen können, wenn die Eintrittshürden massiv runtergesetzt werden. Bislang müssen sich die „Neuen“ mit ihren Kreativarbeiten, den Bewertungskriterien des ADC Exzellenz stellen: Originalität, Klarheit, Überzeugungskraft, Machart, Freude. Guter Ansatz. Aber wer beurteilt das? Die, die in der ADC-Jury sitzen und Jahr für Jahr dieselben Agenturen für eigentlich immer dieselben Arbeiten auszeichnen?

Deutsche Werbung hat an Strahlkraft verloren

Diejenigen, die bislang mit „ihrem“ Club und der Arbeit zufrieden waren, mussten Dörte Spengler-Ahrens bei der Präsidiumswahl (sie bekam nicht einmal 73 Prozent der Stimmen) quasi abstrafen. Denn hätte sie die volle Unterstützung bekommen, würden sich die Mitglieder selbst infrage stellen. Also besser alles so lassen wie es ist, als sich auf Neues wirklich einzulassen. Ist bequemer. Und auch schwer, den eigenen Sockel zu verlassen. Liebe ADCler, seht doch einfach mal dem ins Auge, was man als Realität bezeichnen kann: Die guten alten Zeiten sind vorbei. Die deutsche Werbung ist längst nicht mehr das, was sie vor Jahren aus internationaler Sicht mal war. Zu sehen ist das jedes Mal wieder in den Award-Listen der internationalen Kreativwettbewerbe.

Aber das wollen diejenigen, die jetzt gegen Spengler-Ahrens gestimmt oder sich der Stimme enthalten haben, anscheinend nicht wahrhaben. Dann doch lieber den Unmut über die längst überfällige Modernisierung des ADC an die Präsidentin richten. Ist ja auch einfacher, weil geheim. Und wenn dadurch alles so bleibt wie es ist, wird’s vielleicht ja wieder gut. Nein, meine Herren, wird es nicht! Es wird schlimmer.

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