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Auf zu neuen Ufern

Nach zwei Jahren Übergangsphase: Joachim Bosse verlässt Dojo

Joachim Bosse – Foto: Dojo

Joachim Bosse gehörte zu Dojo wie die Herbertstraße zu Hamburg. Jetzt verlässt er die von ihm mitgegründete Agentur, um sich, wie er sagt, neuen Projekten zu widmen.

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Es war das Jahr 2006, als die beiden Studenten Joachim Bosse und Dominic Czaja beschlossen, ihre Kreativität nicht länger in Projekte im Rahmen ihres Studiums zu investieren, sondern auf eigene Rechnung zu arbeiten. Ein Berliner Kebab-Laden hielt damals als Erster Einzug in die Kundenliste. Über die Jahre sollten viele weitere folgen. Bosse und Czala machten Dojo groß und trotzdem nicht so, wie man es von einer klassischen Agentur erwarten würde. Es wurden soziale Projekte gestartet. Die Kunden finden auf ihren Rechnungen einen Posten, der direkt an Dojo Cares, den Social Part der Agentur, weitergeleitet wird und ohne Abzug in Projekte wie „One Warm Winter“ fließt. Es gibt mit Muschi Kreuzberg einen Hype-Accelerator, der, nach eigenem Bekunden – nicht nur in den Bereichen Fashion und Events mitmischt, sondern sich grundsätzlich die Freiheit herausnimmt, für große Stories zu sorgen und dabei nicht nur anzuecken, sondern die Ecken wegzutreten. Und es gibt noch so viel mehr.

Nun soll Schluss sein, mit dem Duo Bosse/Czaja. Für Letzteren kommt diese Entscheidung nicht überraschend. Joachim Bosse hatte sich bereits im Sommer 2020 seine Funktion als Geschäftsführer Kreation abgegeben. Den Schritt, nun auch als Gesellschafter auszuscheiden, sieht er als logische Konsequenz. In der Zwischenzeit hatten er und Czaja gemeinsam alle Vorkehrungen getroffen, um einen fließenden Übergang in allen operativen Prozessen zu gewährleisten. Positiv einzahlen werden darauf auch der Lead-Etatgewinn von Spotify und dem Social-Highlight-Retainer von Aldi Süd. Außerdem haben kollaborative Neugründungen in den Bereichen Musik, Creator Economy und Entertainment das Selbstverständnis der Agentur verändert sowie das Leistungsportfolio der Unternehmensgruppe erweitert. Heute versteht sich Dojo als „Popculture Powerhouse“ und One-Stop-Shop für zeitgeistige Markenkommunikation. Dafür wird Czaja in Zukunft allein verantwortlich zeichnen.

In seinem Instagram-Post-Account bedankt soch Joachim Bosse bei seinen Wegbegleitern der vergangenen Jahre.

Doch warum ist Joachim Bosse ausgestiegen? An einem Punkt, an dem die Agentur so erfolgreich ist? „Wenn ich eines in den letzten 16 Jahren gelernt habe: Respektiere deine Neugier. Und vertrau ihr. Sie ist das wichtigste Gut, das du hast. Sie führt dich an die Orte, die dich begeistern, lässt dich wachsen und entdecken. So haben wir immer gearbeitet, das war unser kleines Erfolgsgeheimnis“, sagt er. Dojo sei jetzt erwachsen und für ihn an der Zeit, auch selbst weiter zu wachsen. Nicht nur für andere Grenzen zu verschieben, sondern auch die eigenen.

Wie das aussehen soll und was er künftig machen wird, scheint er selbst noch nicht so ganz genau zu wissen. Nur eines ist klar, er will in erster Linie neugierig bleiben. „In ein paar Monaten weiß ich wieder, was ich noch nicht weiß. Ich bin gespannt, welche Fragen sich mir stellen. Und welche Antworten ich mit meinen Freunden der Gesellschaft in diesen herausfordernden Zeiten geben kann“, sagt er. „Wir alle haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Sogar – oder vielleicht gerade – Kreative. Sie haben eine Kraft, Menschen zu begeistern, die sie gut nutzen sollten. Pathetisch nach dem Motto: Wenn du ein bisschen zaubern kannst, was willst du damit verändern? Was kannst du damit verändern? Was ist dein Auftrag?“, ist Bosse überzeugt. Herausragende Kreative erkenne man seiner Überzeugung nach daran, dass sie wachsen und immer mehr zu ihren eigenen Auftraggebern werden.

Ist das ein Hinweis darauf, was er in Zukunft machen will? Wer Joachim Bosse kennt, weiß, dass er auch in Zukunft wieder etwas Spannendes auf die Beine stellen wird. Etwas, das vielleicht auch ein bisschen ugly – wie er sonst so gern über Dojo und insbesondere Muschi Kreuzberg gesagt hat – ist. Für schräge Kunst interessiert er sich schließlich seit langem. Oder wird es wieder die Werbung sein? Wohl kaum, wenn man seine Meinung über den aktuellen Status der Branche kennt. Er meint, die Zeit der großen Verführer scheine zu ende zu gehen. „Wo früher TV-Spots als Königsdisziplin dominierten und Kreation, die bemüht war durch Witz, Originalität und Einzigartigkeit herauszustechen, steht immer mehr schnelllebiger Content im Fokus“, so seine Beobachtung. Es ginge heute immer weniger darum, Leute zu verführen und einzuladen, sondern immer mehr darum, sie zu bedienen. Formate, Plattformen, schnelllebigere Trends und gesetzte Erwartungen. Quantitativ wie qualitativ“, so Bosse. Und an die jungen Kreativen gerichtet: „Lasst euch nie von den 90 Prozent Wahrscheinlichkeit aufhalten, dass etwas nicht passieren könnte. In den 10 Prozent, dass es doch passieren kann, steckt die Magie und Essenz des Großen. So haben wir es immer gehalten, so werde ich es persönlich auch immer halten.“ Man kann also gespannt sein.

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