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Wegen familiärer Verbindung

WDR verschärft Abläufe bei „Hart aber fair“

WDR_Programmdirektor Jörg Schönenborn - Foto: Imago/Future Image

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn legte eine familiäre Bindung zu einem leitenden Mitarbeiter bei der Produktionsfirma von „Hart aber fair“ offen. Der Sender zieht darum eine weitere Entscheidungsinstanz bei allen Prozessen rund um die ARD-Talkshow ein.

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Der öffentlich-rechtliche Westdeutsche Rundfunk teilte mit: „Um den hohen Anforderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerecht zu werden und jeglichen Anschein zu vermeiden, dass private und dienstliche Angelegenheiten sich berühren, hat der Intendant auf Vorschlag von Jörg Schönenborn gleichwohl entschieden, dass in diesen konkreten Fällen auch die andere Programmdirektorin, Andrea Schafarczyk, als zusätzliche – nicht weisungsgebundene – Entscheidungsinstanz in den Prozessen ergänzt wird.“

Die Polit-Talkshow mit Frank Plasberg, der einer der Geschäftsführer der Produktionsfirma ist, fällt innerhalb der ARD in den Verantwortungsbereich des WDR. Die Talkshow ist montagabends im Gemeinschaftsprogramm Das Erste zu sehen.

WDR wollte wohl der Berichterstattung zuvorkommen

Der Sender bestätigte, dass der Neffe von Schönenborns Ehefrau seit 20 Jahren in der Produktionsfirma von „Hart aber fair“ arbeitet, zunächst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter, Redakteur und aktuell als einer der beiden Redaktionsleiter. Die Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann teilte mit, dass die Faktenlage bekannt gewesen sei. Vom WDR hieß es ebenfalls, dass man im redaktionellen Umfeld der Sendung innerhalb des WDR das gewusst habe.

Der ARD-Sender bestätigte auch, dass Schönenborn alle Programmmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in einer E-Mail informiert habe. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ hatte am Donnerstag über Twitter davon berichtet. Die Zeitung „Die Welt“ hatte zudem im Netz bekanntgemacht, dass sie zeitlich vor dem Brief Schönenborns eine Presseanfrage an den WDR geschickt hatte. Am Freitag erschien ein Bericht der Zeitung. Nach WDR-Angaben soll neben der „Welt“ ein weiteres Medium im Vorfeld recherchiert haben.

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