Anzeige

Road to DMEXCO: Außenwerbung

DOOH-Screens warnen vor Sturmflut

Ströer Fischmarkt

Allein in Hamburg sind 500 Displays von Ströer an die Warnsysteme angeschlossen. Sie zeigen im Falle eines Falles Warnmeldungen und geben Tipps zum richtigen Verhalten. Im offiziellen Sprachduktus gelten sie als Warnmultiplikatoren. Foto: Ströer

Den bundesweiten Warntag am 8. September nutzte Ströer, um auf die Bedeutung der digitalen Displays im Stadtraum hinzuweisen, wenn es um Bürgerinformation geht. Für die Kölner ist es ein willkommener Anlass, um der Debatte um das Nachtwerbeverbot einen neuen Spin zu geben.

Anzeige

Haben Sie am letzten Donnerstag um 11 Uhr auch die Sirenen gehört? In diesen Tagen schwingt beim Ertönen der Warnsignale immer eine komische Stimmung mit. Handelt es sich um einen Test oder gibt es eventuell doch ernsthafte Vorfälle, auf die man reagieren sollte. Von Starkregen, über Chemie-Unfall bis Waldbrand. Bei manchen, vor allem älteren Mitbürgern lösen die Sirenen Kriegsangst aus. Keine Sorge, es war ein Test. Ein bundesweiter. Der Warntag.

Haben Sie die Sirenen nicht gehört? Dann wohnen Sie eventuell in einem Gebiet, wo die Sirenen abgebaut wurden. 1993 wurde das bundesweite Zivilschutz-Sirenennetz aufgegeben und 40.000 Anlagen außer Dienst gestellt. Der Katastrophenschutz wurde vollständig den Ländern übertragen und die handhabten das kostspielige Thema äußerst unterschiedlich. Bundesländer wie Hamburg, die regelmäßig Naturkatastrophen, insbesondere Sturmfluten ausgesetzt sind, hielten ihre Infrastruktur weitgehend aufrecht. Binnenstädte wie Köln sahen darin wenig Notwendigkeit.


Foto: Imago / Panthermedia

Sie brauchen noch viel mehr DMEXCO-Content?

Vier Wochen lang bereiten wir Sie auf das Jahres-Highlight in Köln vor.

Begleiten Sie uns auf der Road to DMEXCO


Die emotionale Gemengelage hat sich geändert. Spätestens seit der Flut an Erft und Ahr im Juli 2021 ist den meisten Bundesbürgern und ihren Abgeordneten und Stadtvätern klar geworden, dass Wetterereignisse mit katastrophalen Ausmaßen über nahezu jede Region hereinbrechen können. Es braucht also ein lokales Warnsystem. Die NINA-App des Bundes reicht hierfür nicht. Auch über das Radio ist immer nur ein Teil der Bevölkerung erreichbar.

DOOH-Stelen als Warnsystem

Hier kommen die digitalen Displays von Wall, Ströer oder von StartUps wie Hygh ins Spiel. Bei Ströer sind eigenen Angaben zufolge 4600 Bildschirme in 260 Städten und Gemeinden. Allein in Hamburg sind 500 Displays an die Warnsysteme angeschlossen. Sie zeigen im Falle eines Falles Warnmeldungen und geben Tipps zum richtigen Verhalten. Im offiziellen Sprachduktus gelten sie als Warnmultiplikatoren.

„Im Gegensatz zur Hansestadt Hamburg haben viele andere Städte diese – zum Beispiel in Bezug auf die Sirenen – nach dem Kalten Krieg längst abgebaut. Diese Lücke wird nun durch Warnmultiplikatoren wie u.a. Ströer geschlossen“, sagt Alexander Stotz, CEO Ströer Media Deutschland GmbH. Mehrere Dutzend Warnmeldungen habe man auf diesem Weg dieses Jahr bereits abgesetzt.


Mehr zur Diskussion um die Umweltverträglichkeit digitaler Außenwerbung finden Sie hier:


Und aktuell arbeitet man an der weiteren Aufrüstung des Systems. Die Displays können in Kooperation mit den Gemeinden auch mit akustischen Systemen ausgestattet werden, so dass die Kommunikation nicht nur visuell stattfindet. Dabei geht es nicht nur um Warntöne durch Sirenen, sondern auch um Sprachausgabe. Diese können – dank der Vorzüge von Digital out of Home – auch so gesteuert werden, dass einzelne Straßenzüge unterschiedliche Meldungen erhalten.

Wie unverzichtbar ist DOOH?

Der Warntag kam für die Stadtmöblierer zur richtigen Zeit. Schon den ganzen Sommer über steht DOOH unter Beschuss. Zahlreiche Bürgerinitiativen machen sich stark für werbefreie Innenstädte und haben DOOH zum Feindbild auserkoren. Die Displays sorgen für Lichtverschmutzung, verbrauchen unnötig Energie und verursachen zusätzlichen CO2-Austoß – so die Kampflinie. Auch potentielle Gesundheitsrisiken durch zu helle nächtliche Beleuchtung für die Anwohner bestimmter Straßen und Plätze wurde bereits thematisiert. Spätestens nach Inkrafttreten der Energiesparverordnung am ersten September ist das Thema in der Öffentlichkeit angekommen.

Für Branchenriesen wie Ströer ist das ein Riesenproblem. Auf den Displays prangt der eigene Markenname. Jedes Foto, das ein Aktivist von einer DOOH-Stele macht, transportiert gleich auch den Namen des vermeintlichen „Schädlings“. Bei Wall oder Hygh ist das nicht anders. Zwar ist man sich bei den Anbietern sicher, gute Argumente im Köcher zu haben, sei es die Klimaschutzmaßnahmen, die man in der Vergangenheit bereits ergriffen hat oder eben die Bedeutung der Displays als lokales Informationssystem. Nur sind sich Marketing und PR bei den DOOH-Anbietern unsicher, inwieweit eine differenzierte Argumentation überhaupt verfängt oder von der Öffentlichkeit und Politik als „Rückzugsgefecht“ und „Pfründesicherung“ interpretiert wird.

Man hält sich bedeckt in den Kommunikationsabteilungen der Außenwerber. Auch Anfragen zur Teilnahme am Roundtable „Responsible Meedia“, denn die Redaktion auf der DMEXCO organisiert (Do. 22.9., 13.50, Media-Stage), wurde abschlägig beschieden.

Da kommt der Warntag gerade recht. Er gibt der DOOH-Szene die Gelegenheit, ein differenzierteres Bild von der Bedeutung der digitalen Displays im Stadtraum zu zeichnen. Freilich hätte man diese Differenzierung auch schon früher klarer kommunizieren können, dann wäre die Diskussion jetzt möglicherweise eine andere.

Tatsächlich sollte die aktuelle Situation den anderen Werbeträgern eine Lehre sein, sich rechtzeitig um die Themen Nachhaltigkeit, CO2-Ersparnis und Energieeffizienz zu bemühen und dieses Bemühen auch robust zu kommunizieren.  Und auch die Außenerwerber sollten wohl nicht auf den nächsten Warntag warten. Der ist übrigens der 8. Dezember. Also nicht wundern, wenn die Sirenen heulen. Um 11 Uhr.

Anzeige