Anzeige

RBB-Krise

RBB-Verwaltungsratschef Wolf versuchte Berichterstattung zu beeinflussen

RBB

Foto: Imago/Schöning

Der ehemalige Vorsitzende des RBB-Verwaltungsrates, Wolf-Dieter Wolf, versuchte 2013 die Berichterstattung zu einem Bauprojekt der Messe Berlin zu vereiteln. Damals war Wolf Mitglied im Aufsichtsrat der Messegesellschaft. Die „Welt“ deckte den Fall auf.

Anzeige

2013 war Wolf-Dieter Wolf sowohl Aufsichtsratsmitglied der Messe Berlin als auch seit zehn Jahren Mitglied im Verwaltungsrat des RBB. Zu dieser Zeit plante die Messe Berlin das alternde und mit Asbest belastete Internationale Congress Centrum (ICC) durch eine neue Veranstaltungsstätte – den „City Cube“ – zu ersetzen. Das Bauprojekt stockte jedoch, seine Vollendung verzögerte sich und die Kosten explodierten. Zunächst versuchte die Messe das Problem aus der Öffentlichkeit zu halten. Doch ein Reporter des RBB von der TV-Nachrichtensendung „Abendschau“ bekam Wind von der Problematik und berichtete erstmals im Oktober 2013: Der Wunsch der Messegesellschaft, den „City Cube“ schon bald in Betrieb zu nehmen, werde „so schnell wohl keine Wirklichkeit“.

Einen Monat später berichtete der Reporter erneut über das drohende Baudrama des Projekts. Dem damaligen Aufsichtsratsmitglied der Messegesellschaft Wolf schien die Berichterstattung zu missfallen. Laut „Welt“ wandte er sich direkt an ein Mitglied der damaligen Geschäftsleitung des RBB. Daraufhin sei der RBB-Reporter zu einem Gespräch mit dem ehemaligen Chefredakteur, Christoph Singelnstein, und Wolf geladen worden, erzählte er der „Welt“. Er habe sich über die Vorladung gewundert, da seine Recherche „wasserdicht“ gewesen sei. Dennoch habe Wolf in dem Gespräch „erkennbar Druck ausgeübt“. Wolf warf demnach ein, die Bauverzögerungen und Kostensteigerungen seien völlig normal und die Berichte des RBB „viel zu zugespitzt“.

„Wolf hat seine Machtposition ausgenutzt“

„Was mich besonders irritiert hat, dass Herr Wolf verlangt hat, dass ich meine Quellen offenlege“, sagte der Reporter gegenüber der „Welt“. Wolf habe wissen wollen, wer ihn über die Probleme beim Bau des „City Cube“ informiert hat. Der Reporter versicherte jedoch, er habe „natürlich nicht nachgegeben“, da es für Journalisten „ein absolutes No-Go“ sei. „Allein schon den Versuch, die Quellen in Erfahrung zu bringen, habe ich als unglaubliche Grenzüberschreitung empfunden“, so der Reporter.

Kritik an der Berichterstattung dürfe laut dem Reporter jederzeit, auch von Unternehmen wie der Messe Berlin, ausgeübt werden. Doch solche Beschwerden würden üblicherweise über die Pressestelle des Unternehmens an die Autor:innen des Beitrags oder an die Redaktion gerichtet. Wolf wandte sich jedoch direkt an die Führungsebene des Senders. „Ich habe es deswegen so empfunden, dass Herr Wolf seine Machtposition als Mitglied des RBB-Verwaltungsrates bewusst ausgenutzt hat“, sagt der Reporter.

Damaliger Chefredakteur widerspricht Wolf

Der damalige Chefredakteur Singelnstein habe sich hingegen laut Reporter in dem Dreiergespräch „absolut einwandfrei“ verhalten: „Er hat Herrn Wolf sehr klar signalisiert, dass er komplett hinter der Recherche steht und dass die Quellen keinesfalls preisgegeben werden.“

Singelnstein sagte auf Anfrage der „Welt“, sich an besagtes Gespräch nicht erinnern zu können. Seiner Ansicht nach, hätten aber auch Mitglieder des Verwaltungs- oder Rundfunkrates das Recht, Berichte des RBB zu kritisieren. Seine Aufgabe als Chefredakteur war es gewesen, unberechtigte Kritik abzuwehren und Mitarbeiter:innen den Rücken zu stärken, was nicht in jedem Fall gelungen sei. „Aber die Unabhängigkeit der Berichterstattung muss gewahrt bleiben“, so Singelnstein.


Wolf war ebenfalls an dem umstrittenen Bonussystem des RBB beteiligt.

Der inzwischen zurückgetretene Verwaltungsratsvorsitzende Wolf steht im Fokus der Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft. Es geht dabei um den Vorwurf, Wolf habe in seiner damaligen Position im Aufsichtsrat der Messe Berlin nach zweifelhaften Praktiken Berateraufträge vergeben. Mutmaßlicher Profiteur sei Gerhard Spörl, einstiger „Spiegel“-Journalist und Ehemann von Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger.

ll

Anzeige