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Verhandlungen auf Eis

Das Grosso-System steht vor der Zerreißprobe

Foto: Imago

Presse-Großhändler und Verlage stehen sich in Verhandlungen um Spannen aktuell unversöhnlich gegenüber. Das bewährte, diskriminierungsfreie Grosso-System steht vor der Zerreißprobe, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

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Seit Jahrzehnten streiten sich die Zeitschriftenhäuser mit den Pressegroßhändlern über die Handelsspannen, die die Grossisten für den Vertrieb ihrer Magazine erhalten. Dabei wird hart gerungen. Öffentlichkeitswirksam nutzte Bauer-Publishing-Chef Ingo Klinge als einer der Vertreter der Verlags-Allianz die Bühne des Distribution Summit beim Zeitschriftenverband MVFP und verkündigte, dass die Gespräche der Verlage mit den Pressegroßhändlern über eine neue Branchenvereinigung auf Eis lägen.

Die Verhandlungen zwischen dem Grosso und den Verlagen werden sehr schwierig, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Die Schuld gibt er den Grossisten. Diese seien nicht bereit, die Strukturen im Pressevertrieb grundlegend zu erneuern. Zum Forderungskatalog der Verlage zählt, dass die Grossisten nicht-logistische Bereiche stärker zentralisieren, die Zahl ihrer Einheiten verringern und Quersubventionierungen grossovertriebsfremder Aktivitäten stoppen sollten. 

Doch das scheint vorgeschoben. Vielmehr geht es den Verlagen darum, dass die Grossisten ihre Bücher offenlegen. Sie wollen Einblick in deren Unternehmensbilanzen nehmen, um zu sehen, wo die Grossisten noch mehr sparen könnten. Die Forderung ist aus Sicht der Verlage verständlich – die Branche steht wirtschaftlich vor schwierigen Zeiten. Steigende Papierpreise und Energiekosten sowie eine Konsumflaute bereiten den Verlagen Probleme. Da ist klar, dass sie das Grosso so schlank wie möglich aufstellen wollen.

Aber die verlagsunabhängigen Grossisten werden sich darauf kaum einlassen. Kein Großhändler wird seine internen Kostenrechnungen mit dem Verhandlungspartner teilen. Damit gäben sie den Verlagen das Werkzeug in die Hand, den Druck auf die Gewinnspannen der Grossisten weiter zu erhöhen. Weitere Fusionen im Presse-Grosso wären wohl die Folge.

Das werden die verbliebenen Grossisten mit allen Mitteln verhindern wollen. Wenn sich die Verhandlungspartner nicht einigen, droht ein „Grosso-Krieg“, bei dem verlagseigene Vertriebsorganisationen die Aufgaben der verlagsunabhängigen Grossisten in einigen Räumen übernehmen. Damit stünde dann der diskriminierungsfreie Vertrieb von Zeitschriften auf der Kippe, der bislang vom Grosso-System gewährleistet wird.

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