Nach Angriff auf "OTZ"-Journalisten

Bürgermeister von Bad Lobenstein vorläufig des Dienstes enthoben

Der Bürgermeister von Bad Lobenstein Thomas Weigelt greift nach der Kamera des Journalisten - Foto: Screenshot Twitter / Peter Cissek

Mitte August soll der Bürgermeister von Bad Lobenstein, Thomas Weigelt, bei einem lokalen Fest einen Journalisten der „Ostthüringer Zeitung“ angegriffen haben. Die Funke-Verlegerin Julia Becker forderte daraufhin seinen Rücktritt. Nun wird der Bürgermeister vorläufig aus dem Dienst enthoben, berichtete die „FAZ“. Auch andere Vorwürfe sollen eine Rolle gespielt haben.

Das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises teilte mit, dass Weigelt vorläufig aus seinem Dienst als Bürgermeister von Bad Lobenstein enthoben wird. Dabei wurden sechs erhebliche Dienstpflichtverletzungen angeführt. Es soll sich unter anderem um Diffamierung von Verfassungsorganen, finanzielle Schädigung der Stadt Bad Lobenstein und körperlichen Angriff handeln. Aufgrund der Art und Weise sowie der Summe und Schwere der Vorwürfe werde Weigelt voraussichtlich der Beamtenstatus entzogen, weshalb er durch die Rechtsaufsichtsbehörde bereits vor Abschluss des Verfahrens des Dienstes enthoben werden könne, hieß es weiter.

Mitte August war es zwischen dem Bürgermeister und dem Journalisten der zur Funke Mediengruppe gehörenden „Ostthüringer Zeitung“ auf einem lokalen Fest zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der der Journalist stürzte. Eine Videosequenz auf Twitter zeigt Weigelt mit ausgestreckter Hand auf die Kamera des Journalisten zugehen und, wie er nach ihr greift. Dann verwackelt das Bild und filmt den Boden. Dabei stürzte der Reporter und verletzte sich nach Angaben der „OTZ“ am Ellenbogen, berichtete die „FAZ„.

Laut „FAZ“ sei dem Vorfall auf dem Marktfest nach Angaben der „OTZ“ die Recherche des Journalisten zu einem Empfang des Bürgermeister am selben Tag vorausgegangen, zu der ein zur sogenannten Reichsbürgerszene gehörender Mann eingeladen gewesen sein soll.

Rücktritt war „unumgänglich“

Weigelt kritisierte nach dem Vorfall das Vorgehen des Journalisten und warf ihm unprofessionelles Verhalten vor: „Er versucht immer wieder mich zu provozieren“, sagte er in einem Statement. Die Funke-Verlegerin Julia Beckert forderte nach dem Zwischenfall „klare Konsequenzen“ und nannte den Rücktritt des Bürgermeisters „unumgänglich“.


MEEDIA berichtete über den Vorfall.

Bisher hatte der Bürgermeister Rücktrittsforderungen abgelehnt. Bundesweit erregte der Vorfall viel Aufsehen und wurde als Angriff auf die Pressefreiheit bezeichnet.

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