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Kriegsberichterstattung Ukraine

Deutscher Fernsehpreis: Kritik an Nicht-Nominierung von Paul Ronzheimer

Paul Ronzheimer unter Beschuss bei der Berichterstattung aus dem Krieg in der Ukraine. Für den Deutschen Fernsehpreis ist der "Bild"-Vize nicht nominiert.

Paul Ronzheimer unter Beschuss im Krieg in der Ukraine. Für den Deutschen Fernsehpreis ist der "Bild"-Vize nicht nominiert, dafür drei Kolleg:innen für ihre Kriegsberichterstattung. Bild: Screenshot "Bild"

Beim Deutschen Fernsehpreis wurden drei Journalist:innen für ihre Ukraineberichterstattung nominiert, ausgenommen „Bild“-Vize Paul Ronzheimer. Auf Twitter sorgte das vielfach für Unverständnis, unter anderem von Karl Lauterbach. Was sagt man bei „Bild“ und beim Fernsehpreis zu der Kritik? MEEDIA hat nachgefragt.

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„Herausragende Produktionen sowie journalistische und künstlerische Einzelleistungen der Programmsaison 2021/22“ werden mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, so heißt in der offiziellen Pressemitteilung. Am 30. August wurde bekannt, welche Formate, welche Journalist:innen von der Jury in Betracht gezogen wurden – insgesamt sind in 28 von 30 Kategorien Nominierungen ausgesprochen worden. Neben den Bereichen Fiktion, Unterhaltung und Sport, die im Zeitraum vom 1. Juli 2021 bis zum 30. Juni 2022 zu sehen waren, geht es auch um Programme aus der Rubrik Information. In diesem Jahr erfolgten drei Nominierungen in der Unterrubrik „Beste persönliche Leistung Information“, die allesamt dem Bereich Kriegsberichterstattung aus der Ukraine zuzuordnen sind. Der Jury-Vorsitzende Wolf Bauer erklärt dazu: „Die Information wurde stark von den aktuellen Ereignissen seit dem Beginn des Ukrainekrieges geprägt.“ Besonders erfreulich zu sehen sei, „dass es zunehmend Frauen sind, die uns die Welt erklären.“

Neben Katrin Eigendorf (ZDF) und Kavita Sharma (RTL/n-tv) wurde auch Steffen Schwarzkopf vom Axel-Springer-Titel „Welt“ nominiert. Wer bei den Nominierungen zum Deutschen Fernsehpreis, der seit 1999 „von ARD, RTL, Sat.1 und ZDF zur Würdigung hervorragender Leistungen für das Fernsehen vergeben“ wird, nicht bedacht wurde, ist Paul Ronzheimer. Eine Entscheidung, die jetzt für Kritik sorgte. Auf Twitter äußerten sich Prominente aus Politik und Medien dazu. Es gab aber auch Verständnis dafür, dass der „Bild“-Vize nicht bedacht wurde.

Twitterreaktionen von Ronzheimer über Lauterbach bis Katrin Eigendorf

Paul Ronzheimer selbst äußerte sich auf dem sozialen Netzwerk mit Glückwünschen an die Kolleg:innen und mit einem Bedauern, über das Fehlen von „Bild“ und damit auch der eigenen Person bei der Nominierung:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zitierte den Tweet und äußerte sich in dem Netzwerk positiv über die Berichterstattung von Paul Ronzheimer aus Ukraine, die er als „wertvoll“ einstuft und die „erhebliche persönliche Risiken“ voraussetze:

Alexander Lambsdorf (FDP) führt ins Feld, dass Ronzheimer als einer der ersten deutschen Journalistinnen und Journalisten nach dem russischen Überfall aus der Ukraine berichtete. Die Öffentlichen Rechtlichen Sender standen zu Beginn des Konflikts tatsächliche stark in der Kritik, weil sie keine eigenen Korrespondent:innen direkt im Krisengebiet hatten.

Der Meinung ist auch Paul Ziemiak (CDU). „Paul Ronzheimer leistet seit Jahren grandiose Berichterstattung aus Kriegsgebieten. Er öffnet uns die Augen & zeigt Leid der Menschen. Früher & intensiver als andere! Wenn jemand den Fernsehpreis verdient, dann er.“ Ziemiak fordert außerdem, die „Jury sollte ÖFFENTLICH begründen, wieso sie ihn nicht nominiert!“.

„Bild“-Chefredakteur Johannes Boies schreibt auf Twitter: „Kein deutscher TV-Journalist war so früh in der Ukraine, keiner blieb so lange. Keiner war eher in Butscha. Er alleine hatte Selenskyi gleich mehrfach im Interview. Der Umgang mit ⁦Ronzheimer⁩ beim Fernsehpreis sagt sehr viel über diesen ‚Preis‘ aus.“
Moderator und Autor Micky Beisenherz zeigt ebenfalls sein Unverständnis für die fehlende Nominierung für die Kriegsberichterstattung von Ronzheimer:

Unterstützung gibt es ebenfalls von CNN-Kollegen Fritz Pleitgen, der selbst regelmäßig aus der Ukraine berichtet:

Auch Fernsehpreis-Nominierte Katrin Eigendorf meldet sich auf den Tweet von Paul Ronzheimer zu Wort:

Felix Zimmermann von der „Taz“ findet dagegen, dass eine Nominierung Ronzheimers wegen seiner Tätigkeit für „Bild“ nicht infrage käme.

Axel Springer: „In der Jury wurde über die TV-Beiträge von Paul Ronzheimer diskutiert“

Bei „Bild“ haben wir nachgefragt, ob man selbst die Möglichkeit genutzt habe, Paul Ronzheimer zu nominieren. Zum Hintergrund: Jeder Sender bzw jeder Programmanbieter „mit Sitz in Deutschland, der Fernsehproduktionen selbst herstellt oder herstellen lässt und der mit seinem Programm bundesweit zu empfangen ist“, hat laut Statut (IV.2  Vorschlagsrecht) des Deutschen Fernsehpreises das Vorschlagsrecht für die Auszeichnungen. Von „Bild“-Seite erhält MEEDIA die Antwort, „dass eine Einreichung zum Deutschen Fernsehpreis keine Voraussetzung für eine Nominierung“ sei. Wie ein Sprecher mitteilt, war bei Axel Springer aber „bekannt, dass in der Jury über die TV-Beiträge von Paul Ronzheimer diskutiert wurde. Insofern bestand Kenntnis seiner Arbeit und es ist schlicht unerheblich, ob es eine explizite Einreichung gab.“

Deutscher Fernsehrat: Keine Kommentierung der Entscheidung

Vom Deutschen Fersehpreis erhielt MEEDIA die Mitteilung, dass die Entscheidungen über die Nominierungen gefallen seien und diese weder kommentiert werden würden noch Details aus dem Entscheidungsprozess bekannt gegeben werden. Ein Passus, der auch im Statut des Fernsehpreises nachzulesen ist. Punkt IV.1 Jury 7 sagt „Die Sitzungen der Jury sind nicht öffentlich. Gäste sind nicht zugelassen. Die Mitglieder der Jury sind zum Stillschweigen über die Beschlüsse und den Inhalt der Beratungen verpflichtet.“

Auch lesenswert: Im März, kurz nach Kriegsbeginn, forderte MEEDIA-Chefredakteur Stefan Winterbauer eine Auszeichnung für die journalistische Arbeit von Paul Ronzheimer aus dem Krisengebiet:

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