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Vor möglicher Vermarktungs-Fusion

Vermarktungschef Burkhard Graßmann verlässt Burda

Burkhard Graßmann kehrt Burda den Rücken – Foto: BCN / Christian Schoppe

Burda-Vermarktungschef Burkhard Graßmann verlässt das Münchener Magazinhaus Hubert Burda Media nach zwölf Jahren überraschend auf eigenen Wunsch. Hat Graßmanns Abschied mit der geplanten Vermarktungsfusion von Burda mit Funke zu tun? Oder gibt es noch andere Gründe?

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In der Vermarktung zweier Großverlage dreht sich das Personalkarussell. Erst vor wenigen Tagen gab Funke-Vermarktungschef Dirk Wiedenmann überraschend bekannt, dass er das Essener Zeitungshaus („WAZ“, „Hamburger Abendblatt“) auf eigenen Wunsch verlassen will, um sich neuen Projekten außerhalb des Unternehmens zu widmen (MEEDIA berichtete).

Jetzt der zweite große Abgang. Überraschend verlässt Vermarktungschef Burkhard Graßmann den Münchener Verlag Hubert Burda Media („Focus“, „Bunte“) nach zwölf Jahren „auf eigenen Wunsch und im freundschaftlichen Einvernehmen, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen.“ Graßmann werde seine Mandate für verschiedene Gesellschaften der Gruppe bis zum 1. September an Burda-Vorstand Philipp Welte übergeben – darunter für die TEC, die Beteiligungsholding im BurdaVerlag. Beim Vermarktungsarm BCN sowie b.famous und AdTech Factory werde er seine Arbeit auf Bitten des Vorstands noch bis Ende des Jahres fortsetzen, heißt es.

Indiz für baldige Vermarktungs-Fusion?

Graßmann und auch Wiedenmanns Rückzug kommen allerdings für Branchenkenner nicht ganz überraschend. Denn Burda und die Funke Mediengruppe haben vor wenigen Tagen einen erneuten Anlauf gestartet, große Teile ihrer Vermarktung zusammen zu legen. Sie sollen beim Bonner Bundeskartellamt prüfen lassen, ob sie jetzt eine Chance für eine Verschmelzung haben. Bislang haben beide Unternehmen ihr Vorhaben bei der Wettbewerbsbehörde zwar offiziell noch nicht angemeldet, die auf der Webseite des Kartellamts veröffentlicht würde. Doch der Rückzug von Graßmann ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Kartellbehörde für die Fusion wohl grünes Licht gibt. 

Die hält Burda für dringend notwendig, um sich gegen die wachsende Marktmacht der US-Techriesen wie Google zu wappnen. „Gerade angesichts der weiter gewachsenen Dominanz US-amerikanischer Technologieplattformen auf dem Werbemarkt in Deutschland sehen wir als Verlagsbranche die zwingende Notwendigkeit, uns durch kooperative Strategien und in gemeinschaftlichen Strukturen zu stabilisieren. Nur wenn es uns gelingt, unsere Kräfte im Rahmen der kartellrechtlichen Grenzen zu konzentrieren, haben wir eine Chance, unsere wichtige journalistische Aufgabe in Politik und Gesellschaft auch zu erfüllen“, teilte Burda kürzlich mit. Zu dem laufenden Verfahren wolle man sich aber nicht äußern.  

Konjunkturelle Lage durch Ukraine-Krieg sorgt für Sorgen

Eine Verschmelzung der Vermarktungsarme käme den Großverlagen sehr gelegen. Denn nicht nur der Wettbewerb aus den USA bereitet den beiden Unternehmen Probleme. Auch die konjunkturelle Lage in Deutschland hat sich mit dem Ukraine-Krieg massiv verschlechtert. Dies hat bei den Verbrauchern eine Konsumflaute ausgelöst, die bei den Unternehmen durchschlägt. Die halten ihre Werbebudgets zurück. Das wirkt sich wiederum negativ auf die Vermarkter aus, die verstärkt unter Druck geraten. Ein gemeinsamer Vermarkter könnte den Verlagen zumindest zeitweise aus der Patsche helfen. Sie können durch schlankere Strukturen ihre Kosten senken, um so gegen die drohenden rückläufigen Vermarktungsumsätze gegen zu steuern.

Fraglich ist aber, wer die Führung des neuen Vermarktungs-Joint-Ventures von Burda und Funke übernimmt, wenn das Kartellamt hierfür das Go gibt. Das könnte sich aber wohl demnächst zeigen. Burda-Vorstand Philipp Welte zumindest lässt Graßmann offenbar ungerne ziehen. Wie zu hören ist, hätte er an ihn gerne als neuen Chef für das geplante Joint-Ventures gesehen. Branchengerüchten zufolge galt Grassmann für diesen Job sogar bereits als gesetzt. Noch vor den Mitarbeitern lobt Welte vir wenigen Minuten die Verdienste des langjährigen Burda-Managers in höchsten Tönen, heißt es. Auch öffentlich gibt er ihm zum Abschied viele warme Worte mit auf dem Weg. „Ich bedauere Burkhard Graßmanns Entscheidung, seine Karriere außerhalb des Unternehmens fortzuführen. Seine Strategie für Innovation und Wachstum hat dem Burda-Verlag in der letzten Dekade geprägt und großen Anteil an dessen wirtschaftlichen Erfolg.“ Graßmann habe laut Welte das BCN auf einen Weg in die Zukunft gebracht: „Ich bin froh, dass er uns noch bis Jahresende auf diesem Weg unterstützen wird. Ich danke ihm für seinen großen Einsatz und die langjährige exzellente Arbeit.“ 

Jetzt allerdings die Kehrtwende, die viele Fragen aufwirft. Warum hat es Welte nicht geschafft, Grassmann weiter an das Unternehmen zu binden? Oder hat Grassmann ein so gutes neues Jobangebot, das Burda nicht übertrumpfen könnte? Oder gibt es noch andere Gründe, die im neuen Burda-Management liegen könnten.

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