Anzeige

Brief an CEO und "Bild"-Chef

Ralf Schuler verlässt die „Bild“, weil Springer zu queerfreundlich sei

Ralf Schuler

Ralf Schuler verlässt die "Bild" -

Nach Judith Sevinç Basad geht mit Ralf Schuler ein weiterer namhafter „Bild“-Mitarbeiter, weil der Kurs von Axel Springer zu woke sei. So liest sich jedenfalls Schulers Begründung in einem Brief an den Springer- und „Bild“-Chef, den „Cicero“ veröffentlicht hat.

Anzeige

Ralf Schuler ist aktuell noch Leiter der Parlamentsredaktion von „Bild“, jahrelang war er für die Berichterstattung über die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zuständig. Nun hat er gekündigt, weil er, wie er in einer Mail an Springer-CEO Mathias Döpfner und „Bild“-Chefredakteur Johannes Boie schreibt, nicht bereit sei „für eine politische Bewegung und unter ihrer Flagge zu arbeiten“. Damit meint Schuler die LGBTQ+-Bewegung.

Im Hause Springer wird das Verhältnis zur so genannten queeren Community heftig diskutiert, seit eine Reihe von Wissenschaftlern in der „Welt“ einen Gastbeitrag veröffentlicht hat, der die Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien über Transsexualität als wissenschaftsfremd und propagandistisch kritisierte. CEO Döpfner selbst verfasste einen Beitrag, in dem er den Text in der „Welt“ scharf kritisierte und sich auf die Seite der LGBTQ+-Bewegung schlug. Die queere Jobmesse Sticks & Stones lud Springer im Zuge der Debatte von ihren Events aus.

Streit um „Welt“-Beitrag

Die Redakteurin und Bestseller-Autorin Judith Sevinç Basad hatte bei der „Bild“ hingeschmissen, weil sie im Nachgang zur Diskussion um den „Welt“-Beitrag angeblich einen Artikel bei „Bild“ nicht veröffentlichen durfte, weil darin der Kinderpsychiater Alexander Korte, einer der Autoren des „Welt“-Gastbeitrags, zu Wort kommen sollte (MEEDIA berichtete). Dass der Beitrag aus ideologischen Gründen verhindert worden sei, wurde von „Bild“-Chef Boie bestritten, er machte für das Nicht-Erscheinen handwerkliche Mängel verantwortlich.

Schuler schreibt nun seinerseits, wie von „Cicero“ veröffentlicht:

„Im Geiste Axel Springers treten wir selbstverständlich im besten freiheitlich-bürgerlichen Sinne für die Rechte des Einzelnen ein, diskriminierungsfrei zu leben, solange er niemandes Freiheit beschneidet. Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass wir „fest an der Seite der LGBTQ-Community im eisenharten Kampf für Menschenrechte und gegen Diskriminierung“ stehen, wie es ein stellvertretender BILD-Chefredakteur im täglichen Briefing dieser Tage schrieb. Vom stalinistischen Schwulst der Formulierung einmal abgesehen, stehe ich keiner politischen Bewegung ‚fest zur Seite‘ und halte dies auch ganz grundsätzlich NICHT für die Aufgabe von Journalisten.“

„Cicero“ zitiert Schuler noch mit den Worten: „Ich bin nicht bereit, für eine politische Bewegung, welcher Art auch immer, und unter ihrer Flagge zu arbeiten.“ Judith Sevinç Basad hat mittlerweile bei dem Medienprojekt „Achtung Reichelt!“, des entlassenen „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt angeheuert.

Anzeige