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Knapp neun Jahre nach der Gründung

Feminismus-Plattform „Edition F“ ist pleite

"Edition F"-Geschäftsführerin Lana Wittig – Foto: Ana Torres

Die feminis­tische Plattform „Edition F“ meldet vorläufige Insolvenz an. Dies hat das Team um Geschäftsführerin Lana Wittig am Dienstag bekanntgegeben. Die wirtschaftlichen Entwicklungen hätten keine andere Wahl gelassen. Wie es nach fast neun Jahren mit dem Medien-Startup weitergeht, ist unklar.

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„Die Corona-Jahre haben uns immer wieder vor Herausforderungen gestellt, die wir mit großem Teamspirit, ungeheurer Widerstandskraft und Hartnäckigkeit gemeistert haben. Bis jetzt“, heißt es in einem Artikel, den Lana Wittig bei „Edition F“ am Dienstag veröffentlicht hat. Sie ist Geschäftsführerin des Medien-Startups. Weiter schreibt sie, dass „die immens gestiegenen Kosten für unsere Events“, vor allem den Female Future Force Day (FFF Day), aber auch kleinere Budgets langjähriger Partner „nach zwei erschöpfenden Jahren und einer neuen wirtschaftlich angespannten Lage keine Wahl“ lassen. Die feministische Plattform hat Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit angemeldet, auch der für Anfang September geplante FFF Day ist abgesagt. Trotz aller Versuche, so Wittig, sei die Insolvenz unvermeidbar gewesen. Content werde vorerst zwar weiter produziert, auf den Social-Media-Kanälen, im Newsletter und im Online-Magazin. Wie die Geschichte von „Edition F“ weitergeht, ist jedoch fraglich.

Die beiden Gründerinnen Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert sind 2014 mit der Idee angetreten, Frauen ein digitales Zuhause zu schaffen. Themen fernab der vermeintlich „weiblichen Klassiker“. Und mit dem Ziel, diversen Menschen eine Bühne zu geben. Das Gründerinnen-Duo wollte so auch den Blick auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik weiten. Bis 2020 führten sie „Edition F“, im Januar 2021 übernahm Wittig, Hoffmann und Wohlert begleiteten den Weg als Gesellschafterinnen.

Wie sich „Edition F“ in den vergangenen Jahren entwickelt hat

Nach der Gründung wuchs die Community der Plattform schnell an. Schon Ende 2015 sollen es auf dem Portal 350.000 Unique User pro Monat gewesen sein; mit den Jahren ging die Zahl laut Unternehmensangaben auf etwa 500.000 hoch. Auch ein „Edition F“-Award wurde ins Leben gerufen. Geld kam unter anderem aus Finanzierungsrunden und Crowdfunding, etwa für die E-Learning-Plattform „Female Future Force Academy“. Die musste allerdings 2019 eingestellt werden. Hinzu kamen weitere Maßnahmen wie das im März 2020 eingeführte Paid-Content-Modell. Oder auch die Geschäftserweiterung im Frühjahr dieses Jahres: Seit April bietet „Edition“ Beratungen mit Fokus Diversität und Female Empowerment an (MEEDIA berichtete).


Interview mit der „Edition F“-CEO Lana Wittig von April 2021

Als wichtiges wirtschaftliches Standbein sollte sich das Community-Event „FFF Day“ entpuppen, das 2018 seine Premiere feierte. Wittig schreibt dazu bei LinkedIn: „Der ‚FFF Day‘ war in den Jahren 2018 und 2019 ein sehr erfolgreiches Format und hat bis zur Hälfte unserer Jahreseinnahmen ausgemacht. In ähnlichem Umfang haben wir auch für dieses Jahr kalkuliert und wollten nach der langen Corona-Zeit an alte Erfolge anknüpfen.“ Leider, so Wittig weiter, sei die gesamtwirtschaftliche Lage nicht mehr vergleichbar mit 2019: „Unsere Community ist momentan nicht bereit, langfristig zu planen und die Inflation trägt natürlich dazu bei, dass an Luxusausgaben wie Konferenztickets eher gespart wird. Auf der Sponsorenseite kriegen wir mit, dass Marketingbudgets immens eingekürzt werden. Auch da gehören die Themen Female Empowerment und Diversity leider zu den ersten Ausgaben, die gestrichen werden.“

Die Kombination daraus führt nach erschöpfenden zweieinhalb Jahren zur vorläufigen Insolvenz, nach fast neun Jahren „Achterbahnfahrt“, so Wittig. „Wir werden gemeinsam mit unserer Insolvenzverwaltung und unseren Gesellschafter*innen mit Hochdruck daran arbeiten, die beste Lösung für alle Beteiligten zu finden“, schließt die CEO ihren Beitrag.

So äußern sich die beiden Gründerinnen zur Situation

In dem Beitrag auf der „Edition F“-Homepage werden auch die beiden Gründerinnen zitiert, die sowohl dem Team als auch der Geschäftsführerin Wittig ihren Dank aussprechen. Hoffmann sagt: „Eine Insolvenz wirkt heute noch immer wie eine Niederlage. Dabei sollten wir den Erfolg nicht am Schlusspunkt messen, sondern uns bewusst machen, welchen positiven Impact, welche Lernerfahrung, welche Kraft ein Unternehmen und ein Team auf dem Weg bis zu diesem Tag entfalten konnten.“

Die Marke habe es mit viel Skepsis aus der Medienbranche geschafft, sich als unabhängiges Medium zu etablieren, neue, andere Themen anzusprechen, eine Community aufzubauen und auf Augenhöhe miteinander und voneinander zu lernen. „‚Edition F hat viel bewegt und ich persönlich bereue keine Sekunde dieser Gründung – auch wenn ich gehofft habe, das die Marke noch lange diesen Impact leisten darf“, so Hoffmann.

Co-Gründerin Wohlert schließt ihr Statement mit folgenden Worten: „Ich will mich bedanken für neun Jahre voller Leidenschaft, Begegnungen und Lernen. Und so bin ich auch heute sicher, dass mit diesem Ende viele neue Türen aufgehen.“ Wer die Geschichte von „Edition F“ kennt, dürfte dem eigentlich nur zustimmen.


Weitere Lesetipp: Die Geschichte von „Edition F“ – zwei Gründerinnen haben eine Vision

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