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Bilanz 1. Halbjahr

RTL Group hat keinen Plan B zur Senderfusion in Frankreich

Thomas Rabe ist CEO der RTL Group

Thomas Rabe, CEO der RTL Group – Foto: RTL Group (Montage: MEEDIA)

Das drohende Aus der Mega-Fusion der Sender M6 und TF1 in Frankreich überschattet die Wachstumszahlen der RTL Group im 1. Halbjahr. Der TV-Konzern konnte den Umsatz zwar steigern, doch die Werbemärkte sind rückläufig, vor allem in Deutschland.

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RTL Group-Chef Thomas Rabe wirbt weiter für die Mega-Fusion zwischen den Sendern M6 und TF1 in Frankreich. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass eine Marktkonsolidierung notwendig ist, um mit den globalen Technologieplattformen konkurrieren zu können“, sagte der gebürtige Luxemburger bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen und ergänzte: „Wir haben keinen Plan B, nur einen Plan A“. Rabe akzeptiere deshalb auch keine Auflagen der Kartellbehörden, die die Wirtschaftlichkeit von M6 beeinträchtigen könnten. Ob die RTL Group die Fusionspläne zurückzieht, falls die Wettbewerbshüter den Deal ablehnen, wollte er nicht sagen.  

Rabe bemüht sich seit mehr als einem Jahr darum, M6 mit dem Konkurrenten TF1 zu verschmelzen. Er will hierdurch in Frankreich einen nationalen Medienchampion schaffen, der über einen Zuschauermarktanteil von mehr als 40 Prozent und rund 75 Prozent auf dem TV-Werbemarkt verfügt. Die französischen Wettbewerbshüter haben starke Bedenken gegen die angestrebte Verschmelzung. Ihnen bereitet vor allem die Marktkonzentration der beiden Fernsehriesen auf dem TV-Werbemarkt große Sorgen. RTL und der französische TF1-Eigentümer Bouygues halten an dem Vorhaben fest und wollen bis Mitte August auf den Bericht der Wettbewerbshüter reagieren. Am 5. und 6. September will die Behörde die Unternehmen hierzu anhören. Eine Entscheidung der Behörde erwartet Rabe im Oktober, sagte er jetzt.

Für Rabe ist die Senderfusion strategisch sehr wichtig. Der Bertelsmann- und RTL Group-Chef will sich durch größere Unternehmenseinheiten gegen die wachsende Macht der US-Tech-Giganten Google, Meta & Co. behaupten, die immer mehr Werbemillionen verdienen und etablierten Medienunternehmen das Wasser abgraben. Mehrfach hatte Rabe deshalb auch eine Verschmelzung von RTL Deutschland mit dem Unterföhringer Konkurrenten ProSiebenSat.1 ins Gespräch gebracht.  

Werbemärkte rückläufig

Im 1. Halbjahr konnte die RTL Group den Konzernumsatz um 8,7 Prozent auf 3,276 Milliarden Euro steigern. Verantwortlich machte der CEO hierfür vor allem die starke Entwicklung von RTL Nederland, höhere Streaming-Umsätze, Scope-Effekte bei RTL Deutschland (aus den Akquisitionen von Gruner + Jahr und Super RTL) und Fremantle sowie positive Wechselkurseffekte. Das bereinigte Ebita stieg um 3,7 Prozent auf 501 Millionen Euro (H1/2021: 483 Millionen Euro) trotz höherer Streaming-Anlaufverluste, getrieben durch deutlich höhere Ergebnisbeiträge von RTL Nederland, heißt es. Dennoch spürt Rabe die Bremsspuren durch das wirtschaftliche Umfeld, insbesondere bei den TV-Werbemärkten. Er erwartet nun ein bereinigtes Ebita fürs Gesamtjahr zwischen 1,05 und 1,15 Mrd. Euro. Zuvor hatte die Prognose bei 1,15 Milliarden Euro gelegen (mehr Details zu den Zahlen hier).

Mehr Abonnenten bei Streaming-Angeboten

Im Streaming-Geschäft legte RTL zu. Die Zahl der zahlenden Abonnenten kletterte auf 4,5 Millionen. Davon entfallen auf RTL+ Ende Juli 3,4 Millionen. Weiterhin unklar ist, wann RTL seine Preisstrategie für das Bezahlangebot RTL+ nennt. Laut Rabe werde sich das Management-Team hierzu in Kürze äußern. „Das preisliche Angebot wird attraktiv sein“, so Rabe. Hier soll es einen deutlichen Preisnachlass zu den bisherigen Medienangeboten geben, heißt es. 

Der TV-Riese will hier die größte digitale Entertainment-Plattform schaffen. Sie soll neben Filmen und Serien auch Musik und Podcast bieten. Teil des „One App, All Media“-Angebots sind auch Zeitschriften des Hamburger Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr, das die RTL Group Anfang des Jahres erworben hat. Einen Preis für das RTL+-Angebot festzulegen, wird nicht leicht sein. Denn die drohenden Wirtschaftskrise führt dazu, dass die Lebenshaltungskosten steigen. Verbraucher achten deshalb genau auf ihre Ausgaben und könnten ihr Budget für Medien kappen. Gleichzeitig muss der Konzern darauf achten, dass das Gesamt-Paket die Einzel-Abos der Titel nicht zu stark kannibalisiert.

Konzernergebnis geht deutlich zurück

Die RTL Group erhöhte im 1. Halbjahr das bereinigte Ebita um 3,7 Prozent auf 501 Millionen Euro (H1/2021: 483 Millionen Euro) – trotz höherer Streaming-Anlaufverluste, getrieben aber durch deutlich höhere Ergebnisbeiträge von RTL Nederland. Das Konzernergebnis brach hingegen in den ersten sechs Monaten auf 304 Millionen Euro ein. Im 1. Halbjahr 2021 waren es noch 929 Millionen Euro. Damals wurden das Ergebnis getrieben um 745 Millionen Euro, die man durch den Verkauf von SpotX erlöste.

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