Anzeige

Aktivistin Malca Goldstein-Wolf

Replik auf Gaedes „Spiegel“-Kritik: „In Kassel stinkt es“

Malca Goldstein-Wolf

Die deutsch-jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf – Foto: privat

Der frühere „Geo“-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede kritisierte den „Spiegel“ bei MEEDIA hart für dessen Haltung zu antisemitischen Karikaturen bei der Documenta in Kassel. Ihm widerspricht die deutsch-jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf.

Anzeige

Peter-Matthias Gaede kritisiert in einem bei MEEDIA veröffentlichten Brief an Alexander Neubacher, den Leiter Meinung & Debatte beim „Spiegel“, dessen Haltung zu antisemitischen Karikaturen auf der Documenta 15 in Kassel als überzogen. Gaede schreibt u.a.: „Wie aber auch Sie und weitere Kolleg*innen vom ‚Spiegel‘, ebenso wie manche von der ‚SZ‘, derart hyperventilieren, einen derartigen Furor gegenüber der gesamten Documenta 15 entwickeln, halte ich für eine Form von Erregungsjournalismus, die fassungslos machen kann.“ Dass Gaede in seinem Brief die Berichterstattung von „Bild“ und „Welt“ in einem Atemzug mit der AfD nennt, sorgte auf Social Media wiederum für Kritik. Unsere Redaktion erreichte ein Leserbrief der deutsch-jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf, den wir hier im Zuge der Debatte mit Einverständnis der Autorin ebenfalls veröffentlichen. Goldstein-Wolf versucht nach eigenen Angaben, „Menschen für Judenhass zu sensibilisieren“, sie organisiert Demonstrationen, schreibt in den sozialen Netzwerken und äußert sich in Medien zum Thema Antisemitismus.

Hier ihre Replik auf Peter-Matthias Gaede:

Wir leben in verrückten Zeiten. Da wird ein ehemaliger „Geo“-Chefredakteur zum Antisemitismus-Experten und rügt öffentlich ausgerechnet das Medium, „Der Spiegel“, den man ( höflich ausgedrückt ) wahrlich weder als israel-, noch als judenfreundlich bezeichnen kann.

Wie schlimm der plakative Judenhass auf der Documenta sein muss, erkennt man auch daran, dass sich sogar „Der Spiegel“ gezwungen sieht, sich zu positionieren. Wer den Antisemitismus in den jüngsten Karikaturen nicht zu sehen vermag, ist entweder blind, dumm oder er will nicht sehen. Von Dummheit mag ich bei Herrn Gaede, den ich während eines Wellness-Urlaubs am Tegernsee, persönlich kennengelernt habe, nicht ausgehen.

Ich wünschte mir, er hätte nun geschwiegen. Es gibt hierzulande immer noch zu viele Nichtjuden, die sich berufen fühlen, uns zu erklären, was wir zu tun und zu lassen haben, was gut oder was schlecht für uns ist. Der Umgang mit toten Juden, die sich nicht wehren können, ist natürlich deutlich bequemer, „nie wieder“ gebetsmühlenartig zu predigen, sieht gut aus und kostet nichts.

Wehrhafte Juden hingegen machen sich unbeliebt und diejenigen, die sie unterstützen, allen voran der Springer-Verlag, werden ebenfalls gejagt und diffamiert.

Herr Gaede, ich weiß nicht, wessen Geistes Kind Sie sind, mit Ihrem Offenen Brief haben Sie sich keinen Gefallen getan. Der sagt mehr über Sie aus, als über den „Spiegel“, der sich diesmal tatsächlich auf der richtigen Seite positioniert.

Die Documenta ist eine Schande und seien Sie sich sicher, als deutsch-jüdische Aktivistin gegen Judenhass, kann ich Antisemitismus meilenweit riechen. In Kassel stinkt es.

Shalom,

Malca Goldstein-Wolf

Anzeige