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Umfrage des BVDW

Metaverse in Deutschland? Von wegen.

Metaverse Imago Westend61

Im Blindflug ins Metaverse? Deutsche Manager haben noch keine Vorstellung davon, was da auf sie zukommt – Foto: Imago / Westend 61

Acht von zehn deutschen Marketern bereiten sich noch nicht auf das Metaverse vor. Das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Umfrage des BVDW. Beim Bundesverband ist man der Auffassung, dass das Metaverse die zukünftige Kommunikation „nachhaltig prägen wird“.

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„Das Metaverse ist die nächste Generation von Kommunikation. Es bringt die Kultur zurück.“ Das sagte André Price, Kreativdirektor und Co-Geschäftsführer bei Jung von Matt Nerd, auf der Eurobike. Sein Publikum war nicht ein erlauchter Kreis von CMOs sondern eine Handvoll neugieriger Marketer aus der einer der analogsten Branchen schlechthin: der Fahrrad-Industrie.

„Wir haben dieses Jahr unheimlich viel Web3-Content in Köln.“ Dieses Zitat kommt von Dominik Matyka, dem Macher hinter der DMexco. Der Messe, die sich im Vergleich zu einigen Wettbewerbern, immer betont stark als Business-Veranstaltung positioniert und nicht als Plattform für kreativen Nerd-Content.

Und was sagen die deutschen Agenturchefs, Verlagsleiter und Werbungtreibende? Der Bundesverband Digitale Wirtschaft befragte 110 Entscheider aus Wirtschaft und Gesellschaft. Und satte 91 davon (82 Prozent) gaben zu Protokoll: „Hierzulande sind wir auf das neue digitale Ökosystem grundsätzlich nicht vorbereitet.“ Und das, obwohl die Mehrheit der Befragten sich ziemlich sicher ist, dass das Metaverse relevant oder sehr relevant wird. Die Entscheider aus dem Bereich Kultur sind sich mit 60 Prozent schon recht einig, die Entscheider aus der Gesellschaft und Wirtschaft sind mit etwas über 50 Prozent noch ambivalent.

Das neue BVDW-Ressort: Metaverse

Mark Wächter bringt das fast in Rage. Der frühere Manager von Unilever und der Deutschen Telekom und ausgewiesener Asien-Experte mahnt: „In Asien investieren Metropolen wie Shanghai und Länder wie Südkorea bereits dreistellige Millionenbeträge in die Metaverse-Wirtschaftsförderung. Deutschland darf hier nicht zurückfallen.“

Wächter formuliert auch gleich, was es dazu braucht, um nicht zurückzufallen: Infrastruktur und Experten. Damit formuliert er zugleich eine Forderung an den eigenen Verband, hier noch mehr in Sachen Aus- und Weiterbildung zu tun. Immerhin: Das Diskussionsforum für das Thema hat der BVDW schon eingerichtet. Wächter leitet das Ressort Metaverse beim BVDW. Wohlgemerkt Ressort, nicht Fokusgruppe.

Das deutsche Dilemma wird so richtig deutlich, wenn man tiefer in die Umfrage blickt. Da äußern sich nämlich die meisten Befragten positiv über die Chancen, die mit dem Metaverse verbunden sind. Mehr als Dreiviertel der Entscheider sehen enormes Potential im Bereich E-Commerce. Zwei Drittel der Experten sehen, dass es auf diesem Weg – der stark vom Online-Gaming geprägt ist – erweiterte Möglichkeiten geben wird, Mitarbeiter zu rekrutieren. Und wiederum zwei Drittel vermuten, dass das Metaverse ein Wachstumsmotor für die gesamte Wirtschaft sein kann.

Angst vor Fehlinvestitionen

Wovor die Deutschen Angst haben, ist das Investitionsrisiko. Sechs von zehn Befragten Teilnehmern an der Umfrage ist sich darüber nicht im Klaren, in was man wieviel investieren soll. Und entgegen der optimistischen Prognose der Gesamtwirkung sagen 56 Prozent der Befragten, dass es sein kann, dass das Metaverse nur ein kurzfristiger, vorübergehender Hype ist. Das würde natürlich bedeuten, dass entsprechende Investitionen alles andere als nachhaltig sind.

Immerhin 37 Prozent der befragten Entscheider nehmen klar und eindeutig Stellung: Auf mein Leben wird das Metaverse keinen Einfluss haben.



Die Umfrage des BVDW lässt vor allem eines klar erkennen: Man hat kein einheitliches Bild von dem, was da auf die Digitalbranche zukommt. Auch wenn es Use Cases zuhauf gibt, wie beispielsweise NFTs als Kundenbindungsinstrument eingesetzt werden können oder wie Entertainment in virtuellen Welten funktioniert, sind die deutschen Entscheider unsicher. Und die gewünschte Sicherheit werden sie auch mittelfristig nicht erlangen.

 “Die endgültige Bedeutung des Metaverse kann realistisch heute keiner genau abschätzen. Sicher ist nur: Es wird eine treibende Kraft, die gleichermaßen Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Politik in den kommenden Jahren maßgeblich prägen wird”, meint Stefanie Scognamiglio von Xandr. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Ressorts Metaverse im BVDW.

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