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Durch Institut für Zeitgeschichte

Medienkonzern Bertelsmann lässt Geschichte des „Stern“ aufarbeiten

Henri Nannen im Jahr 1983 – Foto: Imago

Bertelsmann lässt die Geschichte des „Stern“ wissenschaftlich durch das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) aus München aufarbeiten. Grund ist die immer wieder aufflammende Kritik an der NS-Vergangenheit des Magazin-Gründers Henri Nannen.

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Dabei soll das Institut die Jahre ab Gründung des „Stern“ durch Henri Nannen 1948 bis zu dessen Ausscheiden 1983 unter die Lupe nehmen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehe dabei die Frage nach politischen, personellen und inhaltlichen Verflechtungen und Verbindungen zur Zeit des Nationalsozialismus. 

Damit reagiert Bertelsmann auf die neu entflammte Kritik an Magazingründer Henri Nannen. Der NDR hatte im Funk-Format „STRG_F“ berichtet, dass der Journalist in der NS-Zeit für antisemitische und rassistische Flugblätter verantwortlich zeichnete, um die Kampfmoral amerikanischer Truppen während des Zwieten Weltkriegs zu schädigen. „Stern“-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz kündigte daraufhin an, dass die „Stern“-Redaktion prüfen will, ob der Nannen Preis weiterhin den Namen behalten soll. Zwischenzeitlich hatte RTL den Nannen-Preis einmalig in „Stern“-Preis umbenannt, um die kürzlich stattgefundene Verleihung des Preises durch die Debatte um den Magazingründer nicht zu überschatten.

Entscheidung über Preis und Schule erfolgt früher

Ungeachtet der jetzigen wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte um Henri Nannen will Gruner + Jahr weiterhin im Herbst entscheiden, wie der Henri Nannen-Preis und die Henri Nannen Journalistenschule künftig heißen sollen. Dies erklärte ein RTL-Sprecher MEEDIA auf Anfrage. In der Branche wurde bereits spekuliert, dass der Henri Nannen-Preis künftig RTL-Preis heißen könnte. Doch dies dementiert ein RTL-Sprecher und verweist darauf, dass man sich über den Namen noch keine Gedanken gemacht hätte. Auch Gerüchte über eine Verschmelzung der Henri Nannen Journalistenschule mit der RTL Journalistenschule wies er zurück, da die Ausbildung bei Bewegtbild und gedruckten  Medien sehr unterschiedlich sei. 

Mit der Aufarbeitung der „Stern“-Geschichte durch das Institut für Zeitgeschichte will Bertelsmann nach eigenen Angaben „einen objektivierenden, wissenschaftlichen und nachhaltigen Beitrag zur jüngst wieder aufgekommenen Diskussion um die Person des langjährigen ‚Stern‘-Chefredakteurs Henri Nannen (1913-1996) leisten.“ Ziel sei es, eine sachliche Grundlage für die öffentliche Debatte zu schaffen, bereits bestehende Forschungen zu ergänzen und damit den aktuellen Kenntnisstand zur Geschichte des deutschen Journalismus nach 1945 um eine fundierte Analyse zu erweitern. Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, hierzu: „Mit der Analyse der ‚Stern‘- Geschichte wollen wir einen Beitrag zur Mediengeschichte der jungen Bundesrepublik ermöglichen. Wir freuen uns sehr, das Institut für Zeitgeschichte hierfür als unabhängigen Partner gewonnen zu haben, den wir in seiner Arbeit vorbehaltlos unterstützen werden.“

In dem auf mehrere Jahre angelegten Projekt strebe man jetzt einen offenen Austausch mit der Forschungs-Community sowie Transparenz im Umgang mit den zu erwartenden Forschungsergebnissen an. Angedacht sei unter anderem eine wissenschaftliche Tagung, auf der eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen werden könnte. Alle für den historischen Forschungsprozess relevanten Quellen würden dem Institut für Zeitgeschichte zur Verfügung gestellt, heißt es.

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