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Sexismus in der Werbebranche

Ad Girls Club: „Safe-Space herrscht in Agenturen definitiv nicht“

Isabel Gabor und Lisa Eppel

Isabel Gabor und Lisa Eppel (v.l.) vom Ad Girls Club – Foto: Valerie Schmidt

„Die Branche hat sich verbessert, aber nicht genug“ – so lautet das Fazit des Ad Girls Club aufgrund einer Befragung zu Sexismus in der Werbebranche. Fast alle Werte haben sich im Vergleich zur 2020er Umfrage verbessert. Gut seien sie aber nicht.

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81 Prozent finden, dass die Branche ein Seximus-Problem hat (2020: 96 Prozent), und 46 Prozent, dass Sexismus ein Grund wäre, die Branche zu verlassen, meldet der Club. “Ein fatales Zeichen in Hinblick auf den Fachkräftemangel in Agenturen”, sagen die Club-Gründerinnen Isabel Gabor und Lisa Eppel zu den Ergebnissen. “Wir sprechen immer davon, unsere Branche für den Nachwuchs attraktiver zu machen. Der erste Schritt muss aber sein, Mitarbeitende zu halten. Und das geht nur mit klar definierten Maßnahmen zum Beispiel für mehr Gleichstellung und Gleichberechtigung.”

Außerdem denkt die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmenden, dass Frauen weniger verdienen (76 Prozent), weniger Chancen auf Karriere haben (43 Prozent) und weniger ernst genommen werden als Männer (61 Prozent). Die Angst, dass Kind und Karriere in der Branche nicht vereinbar sind, bleibt ebenfalls bestehen: 76 Prozent aller Frauen glauben, dass ein Kind einen negativen Einfluss auf die Karriere hat oder haben wird. Auffällig ist: Im Vergleich zwischen den unterschiedlichen Geschlechtern empfinden Männer die Branche fairer und sehen weniger Sexismus.

Club-Forderungen bleiben relevant

Der Ad Girls Club hat seine Forderungen in einem Manifest im Oktober 2021 öffentlich gemacht (MEEDIA berichtete). Betrachtet man die Umfrageergebnisse, zeigt sich die Relevanz dieser Forderungen. So kämpft der Ad Girls Club für die Einführung einer 50 Prozent-Frauenquote ab Director Level. Die Teilnehmenden stimmen zu: 66 Prozent sind pro Frauenquote – laut der Diversity Study des Branchenverbands GWA planen aber nur sieben Prozent der befragten Agenturen eine Quote einführen, heißt es vom Club. Eine weitere Forderung sind vertrauensvolle Ansprechpersonen. Nur 48 Prozent der Frauen haben laut Umfrage eine vertrauensvolle Ansprechperson und 61 Prozent habe das Gefühl, Sexismus in ihrer Agentur offen ansprechen zu können. „Ein Safe-Space herrscht in Agenturen also definitiv nicht“, so die Ad Girls

Agenturen, die das Club-Manifest unterzeichnet haben, schneiden besser ab: „Deutlich weniger Sexismus und mehr Gleichstellung“ erleben laut Umfrage Teilnehmende, die in einer Agentur arbeiten, die das Club-Manifest unterzeichnet hat.

Laut Umfrage haben 72 Prozent aller Manifest-Agenturen Maßnahmen gegen Sexismus eingeleitet, aber nur 35 Prozent der anderen Agenturen. In Manifest-Agenturen kennen 73 Prozent eine vertrauensvolle Ansprechperson, bei anderen Agenturen nur 37 Prozent. Auf die Frage, ob Teilnehmer:innen das Gefühl haben, in ihrer Agentur Sexismus oder andere Formen der Diskriminierung offen ansprechen zu können, bestätigen dies 75 Prozent aus Manifest-Agenturen, aber nur 55 Prozent aus anderen Agenturen. Und die Weiterempfehlungsrate der eigenen Agentur an andere weiblich gelesene Personen ist in Manifest-Agenturen um 20 Prozent höher (88 Prozent zu 68 Prozent).

1.481 Mitarbeitende haben bei Umfrage mitgemacht

Der Ad Girls Club startete im Juni 2022 seine aktuelle Umfrage (nach der ersten in 2020). Die Umfrage inkludierte dieses Mal alle Geschlechter und die gesamte DACH-Region. Zudem wurde der Fragebogen von zwölf auf 24 Fragen erweitert.1.481 Mitarbeitende haben laut Club mitgemacht. Die Geschlechterverteilung lag bei 78 Prozent Frauen, 21 Prozent Männern und ein Prozent Divers, die Altersspanne zwischen 18 bis 64 Jahren. 28 Prozent aller Teilnehmenden arbeiten in Agenturen, die das Ad Girls Club Manifest unterschrieben haben.


30 Agenturen haben das Manifest unterzeichnet

Weitere Studienergebnisse gibt es auf der Club-Website.

rk

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