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Regenbogenflagge vor Kanzleramt: Philip Plickert bittet um Entschuldigung nach Vorwürfen gegen ZDF und DPA

Regenbogenflagge vor dem Kanzleramt – Philip Plickert wirft dem ZDF offen Manipulation vor.

Die Regenbogenflagge weht vor dem Kanzleramt – "FAZ"-Redakteur Philip Plickert wirft dem ZDF offen Manipulation vor. Die DPA, Quelle für das Bild, zeigt sich auf MEEDIA-Nachfrage verwundert und hat einen Ratschlag für Plickert parat – Foto: Imago/ Collage MEEDIA

„FAZ“-Korrespondent Philip Plickert hat dem ZDF Bildmanipulation vorgeworfen. Das konnte schnell entkräftet werden. Seinen viralen Tweet hatte Plickert nach Kritik gelöscht. Jetzt folgt eine Entschuldigung.

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Update: Nachdem von verschiedenen Seiten geklärt werden konnte, dass es sich bei dem fraglichen Bild mit der Regenboggenflagge vor dem Kanzleramt nicht um eine bewusste Manipulation handelte, sondern um eine Tatsache (weitere Erklärungen finden sich unten im Text) hatte Philip Plickert seinen Tweet gelöscht. Eine Entschuldigung für seine Behauptungen gab es allerdings nicht. Die „Empörung“ um seinen Tweet sah er aber weiterhin als „etwas künstlich“ an, wie in einem neueren Post kundtat.

Nun hat der „FAZ-Korrespondent doch auf Twitter entschuldigt. „Man muss Fehler eingestehen“, schreibt Plickert auf dem sozialen Netzwerk. Sein Post vom Sonntag mit der Andeutung einer Bildmanipulation (die sich aber sicher nicht an die dpa richtete) sei Mist gewesen. „Es tut mir leid und ich möchte dafür um Entschuldigung bitten“, so Plickert. Danach vertaggte er den DPA-Nachrichtenchef Froben Homburger und das ZDF in dem Tweet.

Auf die Frage, was jetzt die Erklärung für die Fahnenbewegung sei, antwortete Plickert: „Der Wind weht eben so, wie er weht.“

Der Streit um die Vorwürfe von Philip Plickert gegen das ZDF im Überblick

Über 4.000 Likes und mehr als 700 Retweets hat Philip Plickert für seinen Post vom Sonntagnachmittag erhalten. In seinem Tweet stellt der „FAZ“-Korrespondent den Vorwurf gegen das ZDF in den Raum, dass Bildmaterial manipuliert worden sein könnte. Dabei geht es um eine Aktion der Bundesregierung, die erstmals zum Christopher Street Day die Regenbogenflagge an und vor den Gebäuden gehisst hat. Ein Bild im ZDF-Artikel zeigt die Flagge der LGBTQ+-Bewegung im Wind während Deutschland- und Europaflagge herunterhängen. Plickert fragt in seinem Tweet „Physikalisches Wunder oder Photoshop?“

https://twitter.com/PhilipPlickert/status/1551206816830349314?s=20&t=nM2ZFHRs457Db4B68UAvpg

In einem zweiten Tweet darunter richtet Plickert sich wenig subtil in Richtung öffentlich rechtlicher Rundfunk: „Unser geliebter ÖRR würde doch niemals Bilder manipulieren, oder doch?“

Ein User vermutet einen „Wind of change“, ein anderer geht davon aus, dass das ZDF schon bei „den einfachsten Fotos“ betrügen würde.

Gegenwind für Plickert auf Twitter

Auch wenn es viele Likes für den Beitrag gibt, so erhält der „FAZ“-Korrespondent in den Kommentaren schnell Gegenwind für seine Behauptungen. Oliver Klein, ZDF-Faktenchecker antwortet auf Twitter etwa mit einer Original-Bildauswahl von der Deutschen Presse-Agentur, der Quelle für das Bild, die genau das fragliche Motiv zeigt. Das Foto wurde demnach so von einem DPA-Fotografen aufgenommen. SPD-Mann Christian Soeder legt Nahe, dass Plickert als Journalist den einfachen Weg einer Presseanfrage hätte gehen können.

Ein anderer User postet ein Video mit der betreffenden Szene, die genau das zeigt, was auf dem Bild zu sehen ist: eine Regenbogenfahne vor dem Kanzleramt, die im Wind weht und zwei weitere Fahnen, die daneben herunterhängen – zu sehen ist also eine normale Begebenheit, kein physikalisches Wunder und keine Photoshopkünste.

Das sagt DPA-Nachrichtenchef Homburger zu den Vorwürfen von Plickert

Auf MEEDIA-Anfrage äußert sich die DPA zu den Anschuldigungen. Man habe „die Zweifel an der Authentizität des Bildes mit Verwunderung zur Kenntnis genommen“, sagt Froben Homburger, Nachrichtenchef der Deutschen Presse-Agentur gegenüber MEEDIA. Bei dem diskutierten Bild „handelt es sich um eines von mehreren Original-Fotomotiven aus dem DPA-Bildfunk zur Regenbogenflagge vor dem Kanzleramt und dem Reichstag.“ Ähnliche Motive gebe es auch von anderen Anbietern und auch als Bewegtbild. Weiter hießt es: „Selbstverständlich manipuliert DPA keine Bilder.“ Außerdem würde man sich grundsätzlich wünschen, dass ein so schwerwiegender Verdacht gerade in den sozialen Medien nicht derart leichtfertig impliziert werden würde ohne jede vorherige Rückfrage beim ZDF oder der DPA. „Bereits jetzt steht fest, dass der durch die Tweets vermittelte falsche Eindruck selbst mit einer transparenten Klarstellung sich nicht mehr wird einfangen lassen und in einschlägigen Bubbles auch anderer sozialer Medien längst seine Kreise zieht. Das ist sehr bedauerlich“, so Homburger.

Tweet von Philip Plickert gelöscht

Nach einem Post von DPA-Nachrichtenchef Homburger erklärt Plickert schließlich selbst mit Verweis auf die Videoaufnahme, dass das Bild nicht gefälscht wurde. Der ursprüngliche Tweet wurde inzwischen gelöscht. Die Kritik von Seiten des ÖRR stuft er als künstlich ein, weil es zuvor ähnliche Fälle gegeben haben soll. Konkreter wird Plickert nicht, eine Entschuldigung für sein Vorgehen findet sich in seiner Erklärung ebenso wenig.

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