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Otto-Brenner-Stiftung

Studie zeichnet düsteres Bild der Selbstwahrnehmung von Journalisten

Die Studie der Otto-Brenner-Stiftung zeichnet ein düsteres Stimmungsbild des Journalismus – Foto: Imago

Die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) hat eine Studie zur journalistischen Wahrnehmung der medialen Transformation vorgelegt. Die Ergebnisse haben es in sich: Arbeitsdruck, Anpassung, Ausstieg – so betitelt die OBS das Papier.

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Tatsächlich scheint der Medienwandel sich direkt auf die psychische Situation von Journalistinnen und Journalisten auszuwirken. Neue fachliche und technische Fähigkeiten sind gefordert, das öffentliche Bild und damit das Rollenverständnis des Journalismus leiden seit Jahren, der ökonomische Druck auf Medienunternehmen wächst. Die Folgen: Einsparungen auf ökonomischer Seite, Boulevardisierungstendenzen auf journalistischer Seite. So fasst es die Otto-Brenner-Stiftung in ihrem „Arbeitspapier 55“ zusammen. Dazu haben die Autoren zunächst 20 Leitfaden-Interviews durchgeführt und die Erkenntnisse in einem zweiten Schritt durch Online-Befragungen mit Medienschaffenden vertieft.

Druck auf Journalistinnen und Journalisten wächst

In ihrer Selbstreflexion stellt ein großer Teil der online Befragten fest, dass der Journalismus im Kontext des digitalen und gesellschaftlichen Wandels an Qualität (48 Prozent), Bedeutung (50 Prozent), Renommee (84 Prozent) und Attraktivität (66 Prozent) verloren habe. Mehr als die Hälfte der intensiv Befragten hält die öffentliche Medienskepsis für bedingt berechtigt, in der Online-Befragung weist die Mehrheit dies zurück. Der Herausforderung des wahrgenommenen Imageverlustes wollen die meisten Befragten mit „noch sorgfältigerer Recherche“ begegnen (59 Prozent).

Gerade der ökonomische Druck wirkt sich auf die psychische Situation aus: Mehr als 60 Prozent der online Befragten sind der Meinung, dass Einsparungen im Unternehmen ihre persönliche Arbeitssituation verschlechtert hätten.

Mentale Erschöpfung und Jobwechsel-Gedanken

Immer wieder spielen so auch Gedanken an einen Jobwechsel eine Rolle. Mehr als zwei Drittel der Online-Befragten denkt darüber mehrmals im Jahr nach. Die Ergebnisse der Studie deuten auf eine dramatische mentale Erschöpfung vieler Medienschaffender hin: Jeweils zwei Drittel der Online-Befragten geben an, sich „schon vor der Arbeit müde“ zu fühlen und dass die Belastungen durch die Arbeit „nicht zu ertragen“ seien.

Und gerade bei dieser psychologischen Belastung beklagen die Befragten zu geringe Unterstützung. Die Autoren der Studie fordern daher: "Aufgrund der ermittelten psychosozialen Belastungsfaktoren im Arbeitskontext von Journalist:innen muss das Thema psychische Gesundheit der eigentlichen Medienmacher:innen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit und von Arbeitgeber:innen rücken." Dies sei auch eine künftige Aufgabe für Interessenvertretungen von Journalistinnen und Journalisten.

th

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