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Bytedance

TikTok leitet angeblich Daten nach China weiter

TikTok sammelt zahlreiche Daten von Nutzerinnen und Nutzern - Foto: IMAGO / imagebroker

TikTok steht wieder für seine Datenverarbeitung in der Kritik. Ein IT-Sicherheitsunternehmen untersuchte den Quellcode der App und stieß auf eine Verbindung zu Servern in China. Das TikTok-Mutterunternehmen bestreitet dies.

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Die beliebte Video-App TikTok des chinesischen Unternehmens Bytedance wird abermals für ihre Datenverarbeitung kritisiert. Das amerikanisch-australische IT-Sicherheitsunternehmen Internet2.0 hat den Quellcode der TikTok-App untersucht. Das Ergebnis: TikTok baue mitunter eine Verbindung zu einem Server in China auf. Dieser Zusammenhang konnte zumindest bei der App für das iPhone-Betriebssystem iOS gefunden werden.

Über die Auflösung einer bestimmten Subdomain sei das IT-Sicherheitsunternehmen auf verschiedene Standorte weltweit gestoßen, darunter China. Dabei sei im Laufe der Zeit über verschiedene IP-Adressen eine Verbindung nach Baishan in China auffällig gewesen. In der Stadt Baishan ist das Cyber-Security-Unternehmen Guizhou Baishan Cloud Technology ansässig, das ein gemeinsames Datenlabor mit der ortsansässigen Universität betreiben soll.

TikTok bestreitet Ergebnisse

Das Unternehmen Bytedance bestreitet wiederkehrende Vorwürfe zu möglichen Datenweiterleitungen seit Jahren. Auch den Ergebnissen der Untersuchung von Internet2.0 widerspricht TikTok: „Die IP-Adresse befindet sich in Singapur, der Netzwerkverkehr verlässt die Region nicht, und es ist eindeutig unwahr, dass es eine Kommunikation mit China gibt.“ So berichtete der „Spiegel„.

Eine ähnliche Verbindung wie in der iOS-App konnte in der Android-Version durch Internet2.0 nicht nachgewiesen werden. Sicherheitsmaßnahmen innerhalb des Programms würden eine tiefergehende Analyse verhindern. Der „Spiegel“ nannte außerdem frühere Untersuchungen der Forschergruppe Citizen Lab, die ebenfalls keine Beziehung zu Servern in China herstellen konnten.

Welche Daten TikTok wirklich sammelt

Eine mögliche Weiterleitung von Daten nach China ist derzeit also unklar. Dennoch ist die Anhäufung von Daten der App bedenklich. Untersuchungen von Internet2.0 zufolge, räumen Nutzerinnen und Nutzer der Bytedance-App untypisch viele Erlaubnisse zur Datenverarbeitung ein. Beispielsweise werde in der App penetrant nach dem Zugriff auf Telefonkontakte gefragt und ein dauerhafter Zugang zu Kalenderfunktionen verlangt. Auch Daten zu aktuellen und vergangenen WLAN-Verbindungen sowie Telefon- und Voicemail-Nummer werden gesammelt.

In der Android-Version besteht zudem Zugriff auf die komplette Zwischenablage, die zum Beispiel auch von Passwort-Managern genutzt wird. Hinzu kommt das sogenannte Device Maping, bei dem TikTok analysiert, welche Apps von anderen Herstellern auf dem Gerät verwendet werden. Mindestens einmal pro Stunde kontrolliert die Video-App außerdem die GPS-Daten. Die Autoren von Internet2.0 nennen laut „Spiegel“ die Einverständnisse, die die App fordert, „zudringlich und für den Betrieb der App nicht notwendig“.

Ausstehende Antwort von TikTok

Am heutigen Montag, 18. Juli, steht ein Statement von TikTok zur aktuellen Debatte aus. Ende Juni haben neun US-amerikanische Senatorinnen und Senatoren aufgrund jüngster „Buzzfeed“-Recherchen eine Aufklärung des Unternehmens angefragt. Es geht um den Datenschutz der App, die Verbindung zu China und eine potentielle Zusammenarbeit mit der kommunistischen Regierung. Die Antwort von TikTok bleibt abzuwarten.

Erst jüngst stoppte TikTok eine Aktualisierung der Datenschutzrichtlinien, nach der personalisierte Werbung für Nutzerinnen und Nutzer verpflichtend geworden wäre.

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