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Energie-Debatte

Peter-Matthias Gaede antwortet Helmut Markwort: „Es ist dumpf, es ist dumm“

Der frühere "Geo"-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede – Foto: Imago

In seiner Kolumne hat „Focus“-Gründer Helmut Markwort geschrieben, warum er bei Energiespar-Appellen der Regierung nicht mitmachen will. Ihm entgegnet der frühere „Geo“-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede bei MEEDIA nun, warum er diese Haltung für grundfalsch hält.

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Ich empfinde keine Spur von Duschscham und denke nicht daran, das erfrischende Wasser in Litern zu messen und zu rationieren. Anschließend keinerlei Flugscham, als ich in eine voll besetzte Lufthansa-Maschine steige, um innerhalb Deutschlands rasch zum Ziel zu kommen.“

So schreibt es Helmut Markwort in seiner „Focus“-Kolumne „Tagebuch“ unter der Überschrift „Habeck will jetzt, dass die Deutschen Energie sparen: Warum ich da nicht mitmache“. Peter-Matthias Gaede, langjähriger Chef der Gruner-Zeitschrift „Geo“ antwortet ihm bei MEEDIA und erklärt, warum er diese Haltung für falsch hält:

Werter Herr Markwort,

klar doch, Deutschland muss sich zwar gerade auf die Folgen eines von Diktator Putin entfachten Krieges einrichten, der nicht nur die Ukraine, sondern auch uns meint, aber deshalb lassen Sie sich noch lange nicht von dem Appell erreichen, ein wenig Energie zu sparen und das Duschwasser eine Minute kürzer über Ihren Astralleib perlen zu lassen. 

Das könnte zwar ein Beitrag zu einer gesamtgesellschaftliche Geste der Vernunft und Solidarität sein (und überhaupt nicht schmerzen), doch die Bitte kommt ja schließlich von diesem schrecklichen Grünen, diesem Habeck, der jetzt bedauerlicherweise unser Wirtschaftsminister ist.

Und klar doch, natürlich fliegen Sie auch weiterhin genüsslich Kurzstrecke und nutzen in einem heroischen Widerstandsakt das deutsche Straßensystem.

Der „freie Bürger“ spricht da aus Ihnen. Frei wohl, heißt das, von jedem Mitverantwortungsgefühl. Frei wohl, heißt das, von jeglicher Verpflichtung, einen kleinen persönlichen Beitrag zu unserer Krisenbewältigung zu leisten.

Soll aussehen wie ein Widerstandsakt gegen den vermeintlichen Obrigkeitsstaat. Ist aber nichts anderes als der „ist-mir-doch-egal“-Egoist, der da aus Ihnen spricht. 

Im Vorspann behaupten Sie, der „mündige Bürger“ solle gefälligst in „eigener Verantwortung entscheiden“ dürfen, wie er mit seinem Verhalten „zum Gemeinwohl beitragen“ wolle. Ist schön. Nur: Wie Sie dies zu tun gedenken, verheimlichen Sie uns allerdings. Es sei denn, Sie erklären ausgiebiges Duschen und fröhliches Fliegen von A nach B zu Ihrem Beitrag zum Gemeinwohl.

Sie hassen Verbote, staatliche Verbote, schon klar. Was mich denken lässt, wie wohl die Welt aussähe, gäbe es nur „Freiheitskämpfer“ Ihrer Art. Hätten wir noch Tempo 50 neben Kindergärten? Hätten wir noch FCKW-Kühlschränke? Hätten wir noch Kinderarbeit? Hätten wir womöglich noch die Sklaverei? Das alles waren ja Verbote, egal, was die „mündigen Bürger“ (oder ganz oft: die Profiteure solcher Verhältnisse) dazu sagten. 

Kurz: Ausgerechnet jetzt, wo wir die größte Krise Europas nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu bewältigen haben, wo es um massenhaftes Sterben und die größten Herausforderungen für auch unsere Gesellschaft geht, das ausgiebige Duschen zum Thema des Widerstands (gegen was denn?) zu machen, ist arm. Sehr arm. 

Es ist dumpf, es ist dumm.

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