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CO2-Ausstoß von Kampagnen

CO2-Reduction is the new black

Foto: Imago / phototek

Immer mehr Anbieter analysieren die Ökofolgen von Kampagnen. Es wird Zeit, dass auf geringen CO2-Ausstoß hin optimiert wird. Aber der Mediaplan ist nicht alles. Es geht darum, dass sich eine ganze Branche aus ihrer Komfortzone herausbewegt.

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Neulich während eines digitalen Meetings eines deutschen Konzerns.

Er: „Warum ist Deine Kamera nicht an?“

Sie: „Ich habe sie ausgeschaltet, um Energie zu sparen. Es wird ja kein visueller Content präsentiert“.

Er: „Wenn Du die Welt retten willst, solltest Du lieber zu Greenpeace gehen“.

Man kann nun über die Beziehung der beiden spekulieren (Er ist ihr Chef). Man kann den Kopf schütteln, über seine Ignoranz. Aber man kann auch das eigene Verhalten hinterfragen, die Abläufe in der eigenen Abteilung überprüfen, die Kollegen herausfordern.



Tatsächlich läuft es in der Praxis aber viel zu oft ganz anders. Da wird eher ihre Naivität belächelt, wie man mit so einer Petitesse, wie einem ausgeschalteten Zoom-Video, einen Unterschied machen will. BTW: Jedes Zoom-Meeting verbraucht im Durchschnitt das Vierfache an Energie wie gleichlanger Netflix-Konsum.

Und da hören wir dem Wirtschaftsminister zu. Er meint, dass es genau die kleinen Veränderungen im Verhalten sind, die in der Summe der Beteiligten große Wirkung entfalten. Darum wirbt er in Form von digitaler Außenwerbung dafür, dass sich die Deutschen einen Energiespar-Duschkopf kaufen. Der reduziert den Energieverbrauch zum Aufheizen des Wassers um ein Drittel.

Und da hören wir die Betonköpfe aus der Opposition, die dem Wirtschaftsminister vorwerfen, die Menschen zum Frieren zwingen zu wollen. Sie machen sich lustig. Über was eigentlich?

Und da hören wir Helmut Markwort, der einfach keine Lust hat, kein Fleisch zu essen, auf Flüge oder Autofahrten zu verzichten. Ist es eine Form der Demenz, wenn man vergisst, was Werte sind, was Generationengerechtigkeit bedeutet, was Verantwortung heißt? Aber hey, Medien sollen sich ja keine Sache zu eigen machen, denn das gefährdet deren Objektivität. Aber mal ganz objektiv betrachtet: Den Klimawandel gibt es wirklich.

Frank Puscher

„Ich wünsche mir, dass DOOH-Stelen ausschließlich mit selbstgesammelter Sonnenenergie betrieben werden“, meint MEEDIA-Redakteur Frank Puscher – Illustration Bertil Brahm

Das Marketing soll besondere Erlebnisse erschaffen. Und das geht – so meinen viel zu viele – nicht auf Recyclingpapier, nicht ohne tägliche Flugreisen, nicht ohne jedes Jahr einen neuen Messestand aus dem Boden zu stampfen. Ganz zu schweigen von der „Atmo“ im Büro. Die leidet wirklich wahnsinnig, wenn keine Kaffeekapseln mehr verwendet werden und man nicht mal eben schnell die Präsi in 4C ausdruckt, die nachher digital gehalten werden soll.

Jede einzelne Initiative, die der Marketingbranche klar macht, wie sehr sie an der Zerstörung des Planeten beteiligt ist, ist begrüßenswert. So wie die Kooperation zwischen DoubleVerify und Scope3 zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Kampagnen.

Ströer veröffentlicht nächste Woche den eigenen Nachhaltigkeitsbericht in dem steht, dass man 15.000 Megawatt Strom verbraucht hat, der aber vollständig aus regenerativen Energiequellen stammt. Eine der Maßnahmen, die man ergriffen hat, um den Energieverbrauch zu senken, lautet: Umstellung „schwarze Schrift auf weißem Grund“ zu „weiße Schrift auf schwarzem Grund“.

Es ist eine Kleinigkeit, aber wenn man über 6.000 Flächen bespielt, summiert sich das. Es ist kein Wunder, dass der Job des Marketers in den letzten Jahren so viel an Ansehen verloren hat, wenn wir über so etwas heute noch diskutieren müssen. Über das Wie vielleicht, über das Ob definitiv nicht.

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