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"Nicht witzig, nur überheblich"

Arroganz-Anfall von Kanzler Scholz erntet Kritik und geht viral

Keine Antwort für Rosalia Romaniec von der Deutschen Welle: Olaf Scholz bei der Abschlusspressekonferenz zum G7-Gipfel

Eine flapsige Antwort für Rosalia Romaniec von der Deutschen Welle: Olaf Scholz bei der Abschlusspressekonferenz zum G7-Gipfel in Schloss Elmau – Foto: Imago

Während der Abschluss-PK zum G7-Gipfel in Schloss Elmau weicht der Bundeskanzler der Frage einer Journalistin zur Ukraine mit einer saloppen Antwort aus. Kritik an diesem Verhalten kommt nicht nur aus den Medien.

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Es war eine kurze Antwort und dann eine lange Pause. „Ja“ sagte der Bundeskanzler zuerst und dann „Könnte ich“, um daraufhin zu schmunzeln, aber keine weitere Antwort zu geben. Als den versammelten Journalist*innen auf der G7-Abschlusspressekonferenz noch immer nicht klar war, dass der Bundeskanzler keine weitere Antwort geben wollte, folgte ein knappes „Das war’s“, begleitet von hörbarem Lachen von den Anwesenden. Auf diese Art quittierte Olaf Scholz die Frage von Rosalia Romaniec. Die Leiterin des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle hatte gefragt, ob der Bundeskanzler konkretisieren könne, auf welche Sicherheitsgarantien für die Ukraine sich die G7-Staaten nach dem Krieg geeinigt hätten. Auf Twitter reagierte Romaniec auf die Situation mit einem Post. An Olaf Scholz adressiert twitterte sie: „Echt schade, Herr Bundeskanzler. Als ich Deutsch gelernt habe, wurde mir für Pressekonferenzen dringend die Höflichkeitsform empfohlen…“ Und sie konkretisierte nach einem Zwinker-Emoji: „Und die Frage war schon sehr ernst gemeint.“ Der Post löste auf dem sozialen Netzwerk zahlreiche Reaktionen aus. In knapp 24 Stunden von Romaniec sammelte der Beitrag über 5.000 Likes ein und mehr als 300 Antworten und über 700 Retweets.

Über eine Million Views für die Reaktion von Olaf Scholz

Auch das Video mit dem kurzen Austausch wurde zu einem viralen Post auf Twitter. Der Clip von der Pressekonferenz hat innerhalb eines Tages bereits über eine Million Views erreicht.

RND-Journalist Markus Decker spricht von Arroganz auf Twitter:

Für Markus Grill, Chefreporter beim NDR, ist es „unverständlich, was Kanzler Scholz bei dieser Antwort geritten hat. Aber das ist nicht witzig, sondern nur überheblich gegenüber einer ausländischen Journalistin.“ Dass Romaniec immer wieder als ausländische Journalistin eingeordnet wird, passierte der DW-Leiterin übrigens öfter auf Twitter.

Für Till Räther ist die Reaktion von Scholz nur konsequent.

Claudia von Salzen vom „Tagesspiegel“ sieht in der Reaktion von Scholz eine Arroganz der Macht, sie ist aber auch überzeugt, dass der Bundeskanzler keine Antwort auf die Frage zur Ukraine habe.

Auch aus der Politik gibt es Stimmen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion meint: „#Scholzen mit neuer Facette. Arrogant. Eines Kanzlers unwürdig“, schreibt Patrick Schnieder auf Twitter.

In etwas rustikalerer Manier äußerte sich YouTuber Aurel zu der Angelegenheit:

Welche alternative Antwortmöglichkeit Olaf Scholz gehabt hätte, legt ihm Serap Güler, CDU-Abgeordnete im Bundestag, nahe: „Ja, könnte ich. Allerdings haben wir darüber Vertraulichkeit vereinbart [wenn es denn so war]. Deshalb sehen Sie es mir nach, dass ich hier darüber nicht berichten kann“ – wäre eine würdige Antwort für einen Bundeskanzler gewesen und nicht das“, schreibt sie auf Twitter.

Tradition? Das Ja-Nein-Interview mit Willy Brandt

Ein anderer User weist darauf hin, dass Olaf Scholz sich damit in guter Tradition befinde. Schließlich musste Friedrich Nowottny 1972 ein ganzes Interview in diesem Stil durchstehen:

Dass Olaf Scholz ein Freund knapper Antwort ist, zeigte er gestern auch an anderer Stelle. Auf die Frage nach Spartipps für die Bürger*innen à la Robert Habeck in diesen Zeiten antwortet er im ARD-Interview mit einem kurzen „Nö“.

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