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Cannes Lions

Cannes 2021: das Festival der alten Bekannten

– Foto: Cannes Lions

Das Cannes Festival ist in vollem Gange. Und die deutschen Agenturen spielen auch wieder fleißig mit. Die ersten Löwen wurden bereits gewonnen. Das macht neugierig auf mehr. Vor allem darauf, welche Trends sich durchsetzen.

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Cannes 2022. Nach zwei Jahren zum ersten Mal wieder live an der Croisette. Und, als wäre Corona nie gewesen, feiern sich die Werber am Beach und auf den Booten. Die Hotels freuen sich über rekordverdächtige Zimmerpreise und die Restaurants und Cafés über eine spendierfreudige Klientel. Und während die Besucher nach Kurzweil zwischen den Award-Zeremonien suchen, haben die Juroren eine Menge zu tun. Insgesamt wurden aus 87 Nationen 25.464 Arbeiten in 29 Wettbewerbskategorien eingereicht. Das sind zwar rund 4.500 Arbeiten weniger als vergangenes Jahr, was aber in Anbetracht dessen, dass Russland aus dem Wettbewerb ausgeschlossen wurde und sich Agenturen mit Investitionen eher zurückgehalten haben, nicht weiter erwähnenswert ist.

Punkten mit alten Bekannten

Die ersten Löwen haben ihre Besitzer gewechselt und der erste große Trend ist auch schon wieder auszumachen. Denn er ist ein alter Bekannter. Die Kampagnen, die bereits bei anderen Wettbewerben gewonnen haben, füllen die Shortlisten und haben auch schon die ersten Preise gewonnen. Deutschland mischt dabei ordentlich mit.

Zu allererst seien der goldene und der silberne Löwe in der Kategorie Health & Wellness genannt, die Havas Germany für die Parkinson-App „Staybl“ im Auftrag der Deutschen Parkinson Vereinigung für sich reklamierte.

Die App erkennt„Staybl“ erkennt über den Bewegungssensor im iPad das Handzittern des Nutzers und gleicht es durch virtuelle Gegenbewegungen aus. Dadurch wird die Browseransicht stabilisiert.

Die bei anderen Awards hoch gehandelten Arbeiten „Freedom Grams“ von Serviceplan für Aroya, „Alle #GemeinsamGegenCorona“ von Antoni oder „Kettlebells“ von Jung von Matt für DocMorris haben es nur zu einer Shortlistplatzierung geschafft.

Die DocMorris-Kampagne erzählt die Geschichte eines vereinsamten alten Manns, der durch tägliches Training seine Mobilität zurückgewinnt und dadurch wieder am Leben teilnehmen kann – und Weihnachten nicht allein zu verbringen braucht.

Die Kategorie Pharma machten die USA und Chile unter sich aus. Der Grand Prix ging hier an die Kampagne „I will always be me“, die VMLY&R New York in Kooperation mit Dell und Intel umgesetzt hat.

Alle Kampagnen haben übrigens bereits in anderen Wettbewerben Awards gewonnen.

Dell und Intel haben eine technische Möglichkeit entwickelt, um die Sprache von Motoneuron-Patienten zu konservieren.

Alte Bekannte auch in Outdoor, Print und Publishing

Ebenfalls nicht unbekannt auf den Siegerlisten vorangegangener Awards sind die deutschen Löwen-Gewinner in den Kategorien Outdoor Print und Publishing. In der Kategorie Outdoor gingen Löwen beispielsweise an die Hyundai-Kampagne „The Bigger Crash“ respektive an die daraus stammenden Motive „Irma“ und „Hayian“, die von Jung von Matt umgesetzt wurden. Die haben bereits beim ADC in New York gewonnen. Drei bronzene Löwen gewann Thjnk für die Motive „Minirock“, „All she needs“ und „Period“ aus der Petition C190 für Ursula Karven / Frauen 200 / Hell & Karrer Communications.

Jung von Matt räumte mit den Motiven aus der Hyundai-Kampagne dann auch gleich noch in der Print-Kategorie ab. Hier war die Jury anscheinend überzeugter und spendierte auch den Motiven „Katrina“, „Jebi“ und „Blanka“ silberne Löwen. Womit Jung von Matt hier insgesamt fünf Löwen in Empfang nehmen konnte.

Für Ogilvy lief es nicht ganz so gut. Die Frankfurter gewannen mit der Kampagne „The Ketchup Bun“ für die Curtice Brothers einen bronzenen Löwen.

Drei Mal Bronze ging in der Kategorie Radio & Audio nach Deutschland. Die Agentur +Knauss konnte die Juroren mit den Spots „Pension Gap“, „Care Gap“ und Power Gap“ für den Verein „Frauen aufs Podium“ überzeugen. Kolle Rebbe musste sich in dieser Kategorie mit den Lufthansa-Spots „Smarthome“, „Fashion“ und „The Million“ dagegen mit Shortlistplätzen begnügen.

Wie es für die deutschen Agenturen in Cannes weitergeht, werden die kommenden Tage zeigen. Bislang lässt es sich schon mal gut an. Und sicherlich werden sich auch noch ein paar der 74 Shortlist-Arbeiten über die bislang noch nicht entschieden wurden, geadelt werden. Schließlich sind auch hiervon die meisten Arbeiten schon bei anderen Wettbewerben erfolgreich gewesen. So wie in der Kategorie Film Craft „Der Wunsch“ von Serviceplan für Penny, der allein fünf Mal nominiert ist. Sieben Nominierungen hat BBDO für die WhatsApp-Kampagnen „One“, „Just Send It“ und „New Year’s Eve“.

Und immer wieder das Tampon-Buch

Eine Kampagne ist ein regelrechter Evergreen: das Tampon-Buch von Scholz & Friends für The Female Company. Die Kampagne ist schon im dritten Jahr im Rennen um die Löwen. Bereits im vergangenen Jahr stellte sich BBDO-Kreativchef Till Diestel im Interview mit MEEDIA die Frage, welchen Einreichungskniff die Agentur hier angewendet hat.

Wirklich spannend ist, wie die beim ADC jüngst mit einem Grand Prix ausgezeichnete Kampagne „Flutwein“ von SevenOne Ad Factory für „A Wineregion Needs Help For Rebuilding“ abschneiden wird. Bislang wurde die Kampagne noch nicht global herumgereicht, viele Juroren werden sie also zum ersten Mal sehen. Außerdem ist die SevenOne Ad Factory bislang noch nicht wirklich im Awards-Zirkus aufgetreten. Und last but not least ist die Kampagne, wenn auch international zugänglich, sehr regional besetzt. Insofern könnte es schwer werden, die Jury in Cannes zu überzeugen.

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