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Nach Kritik an Namensgeber

Aus Henri Nannen Preis wird einmalig der Stern Preis

Henri Nannen im Jahr 1983 – Foto: Imago

Wenige Tage vor Verleihung des Henri Nannen Preises ändert das von RTL übernommene Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr vorerst den Namen des Journalistenpreises in Stern Preis ab. Damit reagiert der Verlag auf die anhaltende Kritik am Namensgeber wegen dessen NS-Vergangenheit.

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Seit Jahren verleiht das Hamburger Magazinhaus Gruner + Jahr den begehrten Henri Nannen Preis für herausragende journalistische Beiträge unter dem Namen des „Stern“-Gründungsherausgebers Henri Nannen. Doch diesmal ist alles anders. Wenige Tage vor der diesjährigen Preisverleihung am kommenden Mittwoch benennt das zu RTL zählende Verlagsunternehmen die  journalistische Auszeichnung einmalig in Stern Preis um. Damit wolle G+ J die Debatte um Nannens NS-Vergangenheit entschärfen, heißt es. 

Auslöser hierfür sind jüngste Recherchen des NDR um Nannen. Der Sender hatte im Funk-Format „STRG_F“ enthüllt, dass der Journalist in der NS-Zeit für antisemitische und rassistische Flugblätter verantwortlich zeichnete, um die Kampfmoral amerikanischer Truppen während des 2. Weltkriegs zu schädigen. „Stern“-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz kündigte daraufhin an, dass die „Stern“-Redaktion prüfen will, ob der Nannen Preis weiterhin den Namen behalten soll.

Offenbar will sich die „Stern“-Redaktion hierfür nun mehr Zeit nehmen. So wollen der Verlag und der „Stern“ ein Gremium berufen, „das über die künftige Verwendung des Namens für den Preis und auch für die Henri-Nannen-Schule beratend tätig wird“, teilt G+J mit. Bis zum Jahres wollen der „Stern“ und Gruner + Jahr entscheiden, wie sie in Zukunft verfahren. Dem Gremium sollen sowohl namhafte Journalistinnen und Journalisten als auch Schülerinnen und Schüler der Henri-Nannen-Schule und der RTL Journalistenschule angehören. 

Gregor Peter Schmitz, Vorsitzender der Chefredaktion des „Stern“ hierzu: „In der kommenden Woche sollen die herausragenden publizistischen Leistungen des vergangenen Jahres im Mittelpunkt stehen, nicht die aktuelle Debatte um Henri Nannen, weshalb wir einmalig den Stern Preis vergeben. Danach nehmen wir uns die Zeit für eine ruhige und gewissenhafte Beratung über den richtigen Umgang mit unserem Gründer. Außerdem werden wir uns im kommenden Jahr auch noch einmal intensiver mit den Anfangsjahren des ‚Stern‘ auseinandersetzen. Das ist keine Demontage und erst recht keine Kampagne – es ist eine der Grundtugenden des Journalismus: den Dingen auf den Grund gehen und abgewogen urteilen.” 

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