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"Von Profitgier getriebene Strategie"

Verdi kritisiert Kahlschlag im Druckbereich der „Stuttgarter Zeitung“

Der Stellenabbau betrifft die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten.

Der zu SWMH gehörende Verlag der „Stuttgarter Zeitung“ bündelt seine Druck-Aktivitäten am Standort in Esslingen. Dadurch schafft das Medienhaus zwar neue Arbeitsplätze, baut im Gegenzug aber in Esslingen und Stuttgart insgesamt deutlich mehr Stellen ab. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Maßnahme scharf.

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Der Verlag der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ drückt auf die Kostenbremse und baut seine Druckaktivitäten um. So werden die Druckereien der Bechtle Verlag & Druck GmbH & Co. KG in Esslingen zum 1. August 2022 sowie der Pressehaus Stuttgart Druck GmbH und der PHV Service GmbH in Stuttgart zum 1. April 2023 geschlossen, teilt der Verlag mit. Dadurch kommt es zu einem massiven Stellenabbau. So verlieren in der Druckerei in Stuttgart 52 Festangestellten ihre Jobs, ebenso weitere 60 festangestellte Mitarbeiter, die von der Schließung des Versandes in Stuttgart betroffen sind.


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Zudem müssen auch 112 überwiegend befristeten Aushilfskräfte gehen. In Esslingen führe die Schließung zu einem Abbau von 24 Festangestellten und zehn befristeten Aushilfskräften, teilt der Verlag mit. Als Grund für die Maßnahme nennt das Zeitungshaus unter anderem steigende Kosten für Energie, Papier und die Zustellung. Doch das ist nicht alles: „Die derzeit in den Druckereien eingesetzten Maschinen sind nicht mehr effizient zu betreiben. Zusätzlich ist ein Großauftrag entfallen“, heißt es.

Doch durch den Umbau des Druckbereichs entstehen am Standort in Esslingen insgesamt 155 neue Arbeitsplätze, davon 55 für Festangestellte. Gebündelt werden die Druckaktivitäten in der neu gegründeten MHS Print GmbH in Esslingen. Hier will der Verlag rund 20 Millionen Euro vor allem in eine neue Druckmaschine investieren. Die neue Gesellschaft solle ihren Betrieb in Esslingen im April 2023 aufnehmen, heißt es. 

Mit den von der Entlassung stehenden Mitarbeitern werde mit den Betriebsräten über sozialverträgliche Lösungen verhandelt. „Wir werden unsere Druck-Aktivitäten modernisieren und strukturell neu aufstellen“, sagt Herbert Dachs, Geschäftsführer der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH. „Nur so kann es uns gelingen, diesen Geschäftsbereich langfristig wirtschaftlich zu unterhalten und zukunftssichere Arbeitsplätze in der Region zu sichern.“ Und Dachs fügt hinzu: „Die Investition in die neue Druckerei in Esslingen ist unsere Zusage, dass auch die gedruckte Zeitung dauerhaft Teil unseres modernen, regionalen Medienhauses bleibt.“

Verdi kritisiert Tarifflucht

„Über 200 Kündigungen zu verbinden mit Tarifflucht ist eine von reiner Profitgier getriebene Strategie des Stuttgarter Medienkonzerns“, sagt der Verdi-Landes-Branchenkoordinator Medien, Siegfried Heim, zu den jetzt öffentlich gewordenen Plänen der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) für die Druckereien in Stuttgart und Esslingen. Er kritisiert insbesondere, dass die neuen Arbeitsplätze nicht im Wege von Betriebsübergängen besetzt werden, sondern sich die Gekündigten bei einer neuen, tariflosen Konzern-Tochterfirma bewerben müssen, die von vornherein schlechtere Arbeitsbedingungen biete.

Kritisiert wird von Verdi auch, dass die neu gegründete Druckgesellschaft nicht dem Druck-Arbeitgeberverband angehören soll. Zugleich soll die Wochenarbeitszeit von bisher tariflich gesicherten 35 Stunden auf 38,5 Stunden ohne Lohnausgleich angehoben werden. Lohnerhöhungen sollen sich nicht am Drucktarif orientieren, sondern an den Abschlüssen des Verbandes für Dienstleistung, Groß- und Außenhandel (VDGA), heißt es. Damit setze das Stuttgarter Medienhaus das seit mehreren Jahren laufenden „Druckstrategieprojekt“ der SWMH fort. „Dieses Projekt richtet sich klar gegen die Interessen der Beschäftigten, die teilweise seit Jahrzehnten ihre Arbeitskraft im Zeitungsdruck in Nacht- und Wochenendschichten verausgaben. Dass die Kündigungen und die Tarifflucht gegenüber den Leserinnen und Lesern heute mit dem Kauf einer neuen Druckmaschine begründet werden, ist zynisch“, sagt Heim von Verdi.

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