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Status quo der Gehälter 2022

Verdiene ich genug? Die Redakteursgehälter im Überblick

Wie viel wollen Sie verdienen? Diese Frage löst nicht selten nervöses Kribbeln aus, denn den Wert der eigenen Arbeitskraft zu ermessen liegt nicht jedem. Der Blick auf branchenübliche Gehaltszahlen kann helfen. MEEDIA hat dies getan und den Status quo der Redakteursgehälter ermittelt.

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Die Preise steigen, das Geld wird knapp und der ein oder andere fragt sich vielleicht, verdiene ich genug zum Leben? Zeit also, die eigenen Einnahmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Neben dem Blick auf die persönlichen Lebenshaltungskosten und den berufsrelevanten Fähigkeiten und Kenntnissen hilft auch der Vergleich mit anderen. Nicht ganz einfach, denn in Deutschland gilt noch recht häufig das Prinzip: „Über Gehalt spricht man nicht“.

Gehaltsportale und Tarifverträge schaffen hier Abhilfe, so veröffentlicht der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) seine Gehaltsvorstellungen online und gibt klare Regeln vor, nach welchen Kriterien die Gehaltsgruppierungen vorgenommen werden. Entscheidende Faktoren sind vor allem der Ausbildungsgrad, die Zahl der Berufsjahre, der Verantwortungsbereich und der Zeitpunkt der Einstellung. So gilt für Redakteurinnen und Redakteure, die nach dem 1. Mai 2014 erstmals ein Arbeitsverhältnis mit einem Verlag begründet haben, seit Anfang 2022 folgende Gehaltsstruktur:

Redaktionsmitglieder mit einem Studienabschluss und oder einem Volontariat erhalten in den ersten vier Berufsjahren in der Regel ein Gehalt in Höhe von 3.469 Euro, mit Einstellung zum 1. September 2022 sogar 52 Euro mehr, sprich 3.521 Euro. Mit steigender Berufserfahrung wechselt die Gehaltsklasse insgesamt dreimal: Ab Berufsjahr fünf bis Berufsjahr neun gibt es 470 Euro Brutto mehr, der Sprung vom neunten bis zum 14. Berufsjahr wird mit 607 Euro Brutto mehr honoriert. Ab dem 15. Berufsjahr wäre zunächst das tariflich festgelegte Maximum in Höhe von 5.011 Euro erreicht – eine Erhöhung zum Vorjahr von 455 Euro. Bei Redakteurinnen und Redakteure mit disziplinarischer Führungsverantwortung, denen regelmäßig mindestens zwei angestellte Redakteurinnen und Redakteure unterstellt sind, ist es etwas übersichtlicher. Sie erhalten aktuell bis zum 16. Berufsjahr 5.856 Euro, danach steigt das Gehalt auf 6.310 Euro an.

Tarifschutz für Onliner, alte Gehaltsstrukturen und außertarifliche Vereinbarungen

Für Redaktionsmitglieder, die schon vor Mai 2014 in einem Arbeitsverhältnis mit einem Verlag standen, bleiben zunächst die alten Gehaltsstrukturen von 2007 gültig, so dass noch eine Höherstufung nach der vorherigen Struktur erfolgt. Erst nach der neuen Eingruppierung ist der Wechsel in die neue Gehaltsstruktur möglich – sobald die entsprechende Zahl an Berufsjahren oder eine Ausweitung des Verantwortungsbereichs erreicht ist. Alle drei Jahre erreicht ein Redaktionsmitglied der alten Struktur eine neue Gehaltsklasse, angefangen von 3.395 Euro in den ersten drei Jahren, über 3.939 Euro bis Berufsjahr sechs, 4.546 Euro vom siebten bis zum zehnten Jahr. Ab Berufsjahr elf gibt es 5.001 Euro. Verglichen mit der neuen Struktur bleiben die Geldsprünge, abgesehen vom etwas niedrigeren Anfangsgehalt vor 2014, gleich; sie werden mit der alten Struktur nur schneller erreicht. Seit 2014 gilt auch der „Tarifschutz für Online-Redaktionen“, so dass Online-Redakteurinnen und -Redakteure, die für tarifgebundene Tageszeitungen arbeiten, Anspruch auf dieselben Tarifgehälter wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den Printredaktionen haben.

Der Gehaltstarifvertrag des ehemals Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (heute Medienverband der freien Presse) gilt hingegen nur noch bis Ende August und sieht für Redaktionsmitglieder ohne Leitungsfunktion oder einer gesonderten fachlichen Qualifikation insgesamt vier Gehaltssprünge vor. Anders als bei der aktuellen Gehaltsstruktur der Zeitungsbranche gibt es die erste Erhöhung schon nach drei statt nach vier Berufsjahren. Das Gehalt steigt von 3.466 Euro auf 3.877 Euro. Nach drei weiteren Jahren folgt die Erhöhung auf 4.407 Euro. Ab dem zehnten Berufsjahr können Zeitschriftenredakteurinnen und -redakteure 4.762 Euro verdienen. Das tarifliche Maximum ist ebenfalls bei 15 Berufsjahren erreicht und beträgt 4.940 Euro, 61 Euro weniger als bei Zeitungsredakteuren. Die Gehälter der Chefredakteurinnen und Chefredakteure sowie der Redaktionsmitgliedern mit vergleichbaren Funktionen werden frei vereinbart. Sie sollten entsprechend ihrer Berufsjahre über denen der ihnen unterstellten Redakteure liegen.

Quelle: Zahlen BDZV/ VDZ – Darstellung: Eigene

Für den privaten Rundfunk gibt der Tarifverband Privater Rundfunk (TPR) seit 2021 Gehälter in den Klassen TG1 bis TG7 vor, die auf alle Beschäftigte der Branche Anwendung finden. Für Redakteurinnen und Redakteure gilt die Spanne TG5 bis TG7 – je nach Komplexität der Aufgaben, der benötigten Vorbildung und dem Verantwortungsbereich. Einfluss auf die Höhe des Gehalts hat bei Hörfunk-Unternehmen auch die Zahl der Hörer pro Stunde an Werktagen. Bei bis zu 100.000 Hörern pro Stunde werktags liegen die Gehälter seit April 2022 in einer Spanne von 3.886 Euro bis 4.767 Euro. Die Vergütungsgruppe 2 gilt für Hörfunk-Unternehmen mit mehr als 100.000 Hörern pro Stunde und beginnt für Redakteure bei 4.255 Euro bis 5.408 Euro.

So sehen die Gehälter bei den Öffis aus

Die Höhe der Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des öffentlichen Rundfunks orientieren sich an den Tarifvertragsabschlüssen des Öffentlichen Dienstes der Länder. So decken beispielsweise die zuletzt veröffentlichten Monatsgehälter der ARD 2020 für Redakteure eine enorme Gehaltsspanne von 3.837 Euro bis 10.856 Euro ab. Auch der NDR zahlte seinen Redakteuren Ende 2021 Gehälter in Höhe von 4.384 bis 11.122 Euro. Die Deutsche Welle, als einzige Rundfunkanstalt des Bundesrechts, die nicht aus den Rundfunkbeiträgen, sondern maßgeblich aus dem Bundeshaushalt finanziert wird, zahlt ihren Redaktionsmitgliedern ein Gehalt von 3.862 Euro bis 9.806 Euro. Als Chefredakteur kann man beim Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland auch schon 12.018 Euro bis 12.871 Euro verdienen. Etwas darüber liegt das Deutschlandradio: Hier bekommen Redakteurinnen und Redakteuren ein Gehalt von etwa 3.949 bis 10.028 Euro. Das Gehalt der Chefredakteure liegt in einer Spanne von 12.288 bis 13.161 Euro.

Neben den tariflichen Bestimmungen geben Gehaltsseiten Auskunft über die Einkommensverhältnisse von Redakteurinnen und Redakteuren, die auch außerhalb eines Tarifvertrages tätig sind. So präsentiert die Internetseite Gehalt.de, ein Tochterunternehmen der Online-Stellenbörse StepStone, die Gehaltsverhältnisse von Redaktionsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern gerankt nach Bundesländern. An der Spitze liegt Baden-Württemberg mit einem Minimumgehalt von 3.697 bis 4.862 Euro, knapp gefolgt von Hessen mit 3.696 bis 4.860 Euro. Hamburg schafft es auf Platz 3 mit 3.625 bis 4.767 Euro. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 2.633 bis 3.462 Euro.

Ranking der Redaktionsgehälter (brutto) nach Bundesländern auf der Seite Gehalt.de

Bundesland Minimum (Euro) Maximum (Euro)
Baden-Württemberg 3.697 4.862
Hessen 3.696 4.860
Hamburg 3.625 4.767
Bayern 3.589 4.719
Nordrhein-Westfalen 3.465 4.557
Rheinland-Pfalz 3.362 4.421
Bremen 3.351 4.406
Saarland 3.269 4.298
Berlin 3.237 4.257
Schleswig-Holstein 3.201 4.210
Niedersachsen 3.151 4.144
Sachsen 2.880 3.787
Sachsen-Anhalt 2.834 3.727
Thüringen 2.793 3.673
Brandenburg 2.734 3.595
Mecklenburg-Vorpommern 2.633 3.462
Quelle: Gehalt.de/ Abruf 14. Mai 2022

Abgesehen von den östlichen Bundesländern und den teilweise höheren Gehältern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ähneln sich die Redaktionsgehälter verschiedener Medien laut der Tarifverträge sowohl in ihrer Ausgangshöhe als auch in der Entwicklung. Von den drei Stadtstaaten werden laut Gehalt.de in Hamburg die höchsten Gehälter gezahlt.

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