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Wochenrückblick

Interview-Tipps von Toni Kroos

Vor dem Axel-Springer-Gebäude weht die Regenbogen-Flagge, in einem Gast-Kommentar der „Welt“ aber wird queer-geschossen (sorry). Die Sexualität einer Bundeswehr-Offizierin wurde vor Gericht verhandelt. Christian Lindners Äußeres wurde auf Twitter verhandelt. Und Fußball-Superstar Toni Kroos weiß, welche Fragen er gerne verhandeln würde. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Würde mich mal interessieren, wie viele Digital-Abos die „Welt“ mit dem „Gastkommentar“ zum Trans-Tick der Öffis gemacht hat. Schätzungsweise dürften es nicht wenige gewesen sein. Das Thema triggert. Wenn man sich das ganze Dossier der Wissenschaftler zum Thema durchliest, findet sich da meiner Meinung nach eher wenig „Transfeindliches“. Wirklich wissenschaftlich kommt das Dossier freilich auch nicht daher. Wertungen wie „woke-ideologische Meinungsmache“ hätten sich die Autoren sparen sollen. Das macht ihre Kritik unnötig angreifbar. Zudem vermischen die Autoren geschmackliche Urteile über einzelne Sendungen mit berechtigter Kritik an einseitigen Darstellungen, gerade in Wissenschafts-Formaten, Fakten-Verzerrungen und einem Begriffs-Durcheinander. Jetzt gibt es natürlich massenweise Kritik an dem Dossier und dem Beitrag in der „Welt“. Ein konkretes Ergebnis ist, dass die „queere Jobmesse“ Sticks & Stones Axel Springer rauswirft. Springer teilt daraufhin gegenüber „Turi2“ mit, dass der Beitrag des Anstoßes „als solcher nicht die Meinung der ‚Welt‘-Redaktion und auch nicht die Linie des Hauses Axel Springer“ repräsentiert. Klar, schließlich hat man bei Springer auch die Regenbogen-Fahne vor dem Haus gehisst. Und das hauseigene Queer-Netzwerk distanziert sich:

Das sind dann wohl gewisse innere Widersprüche, die so ein Medienhaus aushalten muss. Wenn es ums Recruiting und Image-Fragen geht, wird gerne mit der Regenbogen-Fahne gewedelt. Im redaktionellen Teil herrscht bisweilen ein anderer Ton. Ich persönliche fände es angebracht, wenn bei solch sensiblen Themen der traditionell ein wenig zur Überverkaufe neigende Sound der „Welt“ („Wie ARD und ZDF unsere Kinder sexualisieren und umerziehen“) von vornherein ein wenig gedimmt werden könnte. Aufregen würden sich die Leute natürlich trotzdem.

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Bleiben wir kurz beim Thema Trans. Viel Gewese gab es wegen eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, wonach die Bundeswehr-Offizierin Anastasia Biefang, eine Transfrau, zurecht einen Verweis wegen eines freizügigen Tinder-Profils kassierte. Eine hochrangige Bundeswehr-Kommandeurin müsse ihren privaten Auftritt auf einem Dating-Portal im Internet zurückhaltend gestalten und dürfe ihre Worte nicht so wählen, dass ihr Ansehen als Soldatin beschädigt werde, so das Gericht. Das Urteil sorgte für viel Kritik, schließlich seien Dating-Profil und Umgang der Offizierin Privatsache und es herrsche nicht mehr die Sexualmoral der 50er-Jahre usw. Stimmt schon. Aber Personen, die Führungsverantwortung für nicht wenige Menschen haben und mehr oder weniger in der Öffentlichkeit stehen, sollten vielleicht in eben dieser Öffentlichkeit ein wenig zurückhaltend agieren. Da ist dann eben nicht mehr alles privat. Sexuelle Orientierung oder das Trans-Sein dürfen bei der Bewertung natürlich keine Rolle spielen. Eine hetero-normative Cis-Frau (richtiger Begriff?) müsste wegen eines solchen Dating-Profils genauso einen Verweis kassieren werden, wie die Soldatin B.

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Eine Twitter-Nutzerin fand es witzig, auf der Plattform mit vielen Fotos darüber zu räsonieren, ob sich FDP-Finanzminister Christian Lindner, diversen Schönheits-Eingriffen unterzogen hat. Sie fragte: „Was hat Christian Lindner machen lassen?“ Danach wurde wild über Lindners Äußeres herumspekuliert. Lindner schickte der Dame eine DM, offenbar mit dem Hinweis, dass er nix habe „machen lassen“ und der Bitte, diese Behauptungen zu unterlassen. Ein Spitzenpolitiker muss so etwas möglicherweise aushalten. Es gibt auch weiß Gott Schlimmeres. Ich finde die Frage aber angebracht, was passiert wäre, wenn das Aussehen von jemand anderem öffentlich so durchdekliniert würde.

Hier scheint so ein bisschen die Haltung zu herrschen: Ist ja egal, ist bloß der Lindner und die FDP. Not nice.

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Nicht nett auch, wie Fußball-Superstar Toni Kroos nach dem Champions League-Sieg den ZDF-Reporter Nils Kaben für dessen vermeintliche „Scheißfragen“ rund gemacht hat. Kaben hatte gewagt, sinngemäß zu fragen, ob der große Kroos überrascht war, wie schwer es Real Madrid zeitweise gegen Liverpool hatte. Die Fragen waren sicher nicht genial, aber hey: Es war eine Befragung auf dem Spielfeld direkt nach dem Spiel. Da wird halt was mehr oder weniger Sinnloses gefragt und der Spieler antwortet mehr oder weniger sinnlos. Zum Glück hat Toni Kroos gemeinsam mit seinem Bruder Felix einen Podcast, in dem er sich nochmals erklären konnte. Kroos hatte da Tipps für Reporter auf Lager. Kaben hätte im Interview auch fragen können, „wie hast du das Spiel an sich gesehen? Da hätte ich nicht gesagt, wir haben sie an die Wand gespielt. Ich bin der Erste, der sagt, es ist ausgeglichen, vielleicht sogar ein paar mehr Chancen Liverpool. Aber wir haben es halt gewonnen, wie die letzten K.o.-Runden auch. Da hätte er seine Antwort schon bekommen“. Also selber schuld, der ZDF-Heini. Vielleicht kann man es künftig so machen, dass die Spieler oder Vereine den Medien künftig vorab mitteilen, welche Fragen genehm sind. Dann spart man sich solchen Ärger künftig. Noch besser: Die Spieler beantworten einfach Fragen, die sie sich selbst stellen!

Schönes Pfingst-Wochenende!

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