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VR und AR im Marketing

So kann das Metaverse das Google-Ranking verbessern

Saurierpfad Rooom AG

Der Saurierpfad in Jena ist ein Beispiel für die Verschmelzung von realem Park und digitaler Ergänzung – Foto: Screenshot

Hans Elstner und seine Metaverse-Company Rooom können sich vor Anfragen derzeit kaum retten. Das liegt daran, dass die Company aus Jena einen extrem aufgeklärten, programmatischen Blick auf die Themen Virtual und Augmented Reality haben. Und sie machen es Marketern einfach, erste Experimente zu wagen.

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Egal, ob man an die Idee eines allumfassenden Metaverse glaubt oder nicht. An 3D und Augmented Reality kommen Marketer langfristig auf keinen Fall vorbei. Virtual Reality wird seinen Platz in der Produktion von Flaggschiff-Projekten weiter ausbauen und zumindest als Differentiator zwischen Anbietern eine Rolle spielen. Es gibt aber auch hier klar umrissene Anwendungsszenarien mit Mehrwert.

Das Problem viele Marken ist: Wo fange ich an? Mit 3D-Technik werden gemeinhin hohe Kosten assoziiert. Marketer hätten damit eigentlich kein Problem, wenn der Ausgang des Experiments nicht so ungewiss wäre. Und genau hier setzt Rooom an. Es braucht zwei Dinge, um die Technologien zum Fliegen zu bringen: ein klares Mehrwertversprechen und ein Herabsetzen der Eintrittsbarriere.

Herr Elstner, es scheint als wäre das Thema Virtual Reality gerade hoffnungslos overhyped. Warum ist jetzt der Zeitpunkt für Marken erste Experimente in AR oder VR zu wagen?

Sie haben völlig recht, da ist im Moment viel Hype rund um das Thema, vor allem unter dem Begriff Metaverse. Ich persönlich halte ja gar nicht so viel von der Idee, dass es ein überspannendes Netzwerk in 3D geben soll, eine Welt in der wir unseren ganzen Tag verbringen, so wie das im Roman „Ready Player One“ gezeichnet wird. Was wir davon aber deutlich unterscheiden müssen, sind einzelne Anwendungen. Und hier haben sich eine Reihe von Dingen weiterentwickelt die Marketer dazu bringen sollten, ihre früheren Überlegungen zu dem Thema zu revidieren.

Hans Elstner Rooom
Hans Elstner findet, dass es schon heute handfeste Vorteile für den Einsatz von VR und AR gibt

Was für Dinge sind das?

Im mit im Mittelpunkt steht der Begriff der Accessibility. Und das gilt für beide Seiten. Betrachten wir den Endkunden, dann muss er möglichst einfach, mit praktisch jedem Endgerät mit dem er möchte, auf entsprechende Inhalte zugreifen können. Da hat sich enorm viel entwickelt, denken sie allein an die Akzeptanz von QR-Codes durch Corona. Für viele Nutzer ist es heute eine einfache Gewohnheit, einen Marker zu scannen und von darüber zu Inhalten zu gelangen. Ein wichtiger Hinderungsgrund für Marken, sich des Themas anzunehmen waren aber in der Vergangenheit eben auch die Kosten der Produktion und die sind tatsächlich drastisch gefallen. Wir sind heute in der Lage, aus wenigen 2D-Bildern, dreidimensionale Objekte zu erzeugen, die zudem auch was die Dateigröße angeht sehr klein sind. Ich muss auch als Marke keine eigene Plattform bauen, es gibt fertige Plattformen, die man einfach nutzen kann. Und noch ein drittes Argument: Wir haben für die tägliche Pflege ein Content Management System entwickelt. 3D-Anwendungen lassen sich fast so leicht pflegen, wie eine statische HTML-Seite.

Zu Person und Unternehmen

2016 gründete Hans Elstner das Unternehmen Rooom als AG in Jena. Im Jahr darauf startete Rooom als eines der ersten Unternehmen eine rein web-basierte 3D-Plattform, die durch den Browser ohne jegliche Zusatzsoftware zugänglich ist. Die Plattform ist auf Self-Service ausgelegt und bietet ein kostenloses Einsteigerpaket. Inzwischen gibt es dazu ein vollwertiges Content Management-System mit Templates, die den Weg zur ersten Veröffentlichung verkürzen. 

Zu den Kunden der Rooom AG gehören Puky Fahrräder, die Deutsche Telekom, Hyundai, Siemens, Ottobock oder Bosch. 

Hans Elstner selbst ist studierter Wirtschaftsingenieur. Bevor er Rooom startete, beschäftigte er sich mit professionellen Networking-Anwendungen wie AppWorkers und E-Networkers. In der Beed-Akademie trainiert er nicht nur den Nachwuchs in Sachen VR und AR sondern bietet Kunden und Interessenten auch Schulungen und Weiterbildungen an. 

Welche Marken springen heute schon auf den Zug auf? Klassischerweise würde man das bei Produktherstellern und im E-Commerce sehen.

Das stimmt, davon gibt es sehr viele Beispiele, aber das geht noch viel weiter. Wir haben Telekommunikationsunternehmen, Dienstleister und sogar Finanzinstitute unter unseren Kunden.

Können Sie Beispiele nennen?

Es gibt z.B. einen Hersteller von IoT-Geräten (Internet of Things), der unter anderem die Produkte herstellt, die RWE vermarktet. Der benutzt die Technologie in seinem Online-Shop, um Produkte besser zu erklären und das Publikum dazu zu bringen, sich intensiver damit zu beschäftigen. Ein ganz anderes Beispiel ist eine komplette virtuelle Umgebung der Deutschen Telekom, die in Räumen die man begehen kann, darstellt, wie das moderne Smart Home vernetzt ist und funktioniert. In deren virtueller Welt kann man mit einem Avatar frei herumspazieren.

Das Beispiel der Telekom hört sich nach einem klassischen Flagship-Case einer Großmarke an. Können Sie Jenseits des Brand-Effekts auch handfeste Vorteile nennen, warum man solche Formate nutzen sollte?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass man keine technischen Klimmzüge machen muss, um solche Anwendungen in seine eigene Website einzubauen. Wir haben eine iFrame-Lösung, das funktioniert eigentlich mit jedem Content Management System. Für bestimmte Softwarelösungen, wie das E-Commerce System Shopware, haben wir auch eine API entwickelt, über die man Produkte direkt in den eigenen Shop integrieren kann. Davon ausgehend, gibt es eine Handvoll handfester Gründe, warum man solche Tools nutzen sollte. Der erste ist Suchmaschinenoptimierung. Zwar sind die Inhalte im iFrame für Google selbst nicht ohne Weiteres sichtbar, aber was Google messen kann, ist die Verweildauer in der Seite. Und je höher die Verweildauer, umso relevanter wird eine Seite als Suchergebnis eingeordnet. Das ist der sogenannte Pagerank.

Und aus Sicht eines Herstellers?

Hier ergibt sich immer dann ein Vorteil, wenn ich über VR oder AR das Produkt auf eine Art und Weise zeigen kann, wie es vorher nicht möglich war. Das führt nämlich dazu, dass z.B im E-Commerce die Retourenrate sinkt. Das führt aber aus Marketing-Gesichtspunkten eben auch dazu, dass bestimmte Produkte überhaupt erst ins Relevance Set rücken. Beispielsweise hat der Fahrradhersteller Puky eine AR-Anwendung entwickelt, die Fahrräder in ihrer realen Größe in einem Raum positioniert. Mit dieser Anwendung kann ich auch die Größe meines Kindes messen und so feststellen, ob das entsprechende Fahrrad passen würde. Ein weiterer Faktor ist die User Experience. Man hat schlicht und einfach ein besseres Kundenerlebnis als der Wettbewerber. Und wenn wir solche Systeme sehr groß denken, dann haben wir die Simulation von komplexen Produkten. Ich kann mir eine komplette virtuelle Küche in den Raum stellen, schauen ob sie in die geplante Ecke passt und auswählen, welches Material der Fronten am besten aussieht.

„Man kann komplizierte Dinge auf spielerische Weise erklären.“

Bisher handelt es sich bei ihren Beispielen fast nur um Hardware-Produkte.

Das stimmt, der Anwendungsbereich ist auch sehr offensichtlich. Aber es geht natürlich noch viel mehr. Wir sind nicht nur auf Bilder limitiert, sondern wir können Text Overlays machen, die Einzelheiten zum 3D-Bild erklären. Und ob sie damit die Bauteile eines Autos, die Ausstattungsmerkmale eines Möbelstücks oder die verschiedenen Einrichtungselemente in ihrem Flagshipstore beschreiben, bleibt absolut Ihnen überlassen. Die Text-Overlays lassen sich mit dem jeweiligen Kamerawinkel verbinden, so das klar ist, dass dem Nutzer exakt die Beschreibung angezeigt wird, die zu dem passt, was er sieht. Dadurch wird 3D also Teil des klassischen Content Marketings. Man kann komplizierte Dinge auf spielerische Weise erklären.

Sie zählen ein Feature nach dem anderen auf, ein klassischer Sales Pitch. Aber nutzen Marken das auch wirklich?

Einer unserer Partner ist die Firma Ottobock, Hersteller von Rollstühlen, Prothesen und ähnlichen Devices für Menschen mit Behinderung. Die haben nicht nur einen virtuellen Showroom in 3D gebaut, sondern die Explosionszeichnungen und die Beschreibung der einzelnen Produkte helfen dem Kunden bei der Auswahl, welches Produkt für seinen Bedarf geeignet ist.

Für viele Marken könnte das Thema virtuelle Räume spannender sein als 3D-Produkte. Sie haben vorhin gesagt, dass sie nicht wirklich an die Idee einer anwendungsüberspannenden 3D-Navigationsoberfläche glauben. Glauben sie gar nicht anders Konzept des Metaverse?

Doch absolut, wir bezeichnen uns selbst als Metaverse Company. Aber wie ich ebenfalls Eingang sagte, muss der Zugang zu Anwendungen so einfach wie möglich sein. Wir sehen, dass der Browser diese Funktion übernehmen kann. Mit ihm kann ich zwischen den unterschiedlichsten Anwendungen hin und her wechseln. Das kann eine Text-Bild-Anwendung sein, z. B. eine redaktionelle Website, das kann eine zweidimensionale Videoanwendung sein, manche nennen das Netflix, und es kann eben auch eine dreidimensionale Umgebung sein, die man sowohl mit dem Smartphone, als auch mit dem Desktop-Browser, als auch mit einer VR Brille betreten kann.

Rooom AG CMS
Point and Click: Im CMS von Rooom wählt man ein 3D-Produkt im Template aus und tauscht es durch eigene Assets aus – Foto: Rooom AG

Was muss eine Marke mitbringen, die sich einen solchen virtuellen Showroom aufbauen möchte?

Nicht viel. Letztlich geht es um die Objekte und die Dekoration. Das alles können ganz normale JPEG-Bilder sein. Natürlich ergibt es Sinn, sich ein Farbschema auszudenken, das zur Marke passt. Die meisten Marken haben das aber schon. Was man für den ersten Versuch definitiv nicht braucht, ist ein Programmierer. Wir haben ein CMS geschrieben, indem Sie eines unserer Templates einfach aufrufen, Sie klicken auf die Objekte und Einrichtungsgegenstände, die dort zu sehen sind und ersetzen sie mit eigenen Bildern. Das löst wiederum unsere Rendering Pipeline aus.

Die Idee vom Metaverse sieht aber nicht nur vor, dass wir durch leere Räume laufen, sondern in der 3D-Welt mit anderen Menschen interagieren.

Das ist ein zusätzliches Modul, das sie für einen solchen Raum freischalten können. Es beinhaltet natürlich eine sogenannte Member Area, in der die Menschen sich registrieren, ihren eigenen Avatar anlegen und diesen konfigurieren. Auch diesen Prozess haben wir so einfach wie möglich gehalten, um dem Nutzer aber auch dem Anbieter so wenig Steine wie möglich in den Weg zu legen. Wenn Sie das Avatar-System freischalten, können Sie als Anbieter z. B. entscheiden ob es sich eher um eine Spielfigur wie in „Roblox“ handelt, oder ob sie eher eine fotorealistische Variante von Avataren haben wollen.

Heute fragen viele Marken nach Leistungsindikatoren, mit denen Sie Ihre Anwendungen messen, den Werbeerfolg überprüfen können und eventuell Verbesserungen vornehmen können.

Es tut mir leid, dass ich so stereotyp antworten muss, aber auch daran haben wir gedacht. Es gibt ein komplettes Analytics-Dashboard, in dem Sie sehen können, was in der Anwendung gemacht wurde, wie lange sich Nutzer darin aufgehalten haben, mit welchen Objekten besonders viel interagiert wurde und ähnliches mehr.

Wie viel vom realen Erleben können VR und AR Anwendungen ersetzen?

Eigentlich nicht besonders viel, und das ist auch gut so. Das physische und haptische Erleben hat sowohl bei Produkten als auch unter Menschen viele Vorteile und ich fände es traurig, wenn man krampfhaft versucht, dass alles zu digitalisieren. Wenn man sich aber von der anderen Seite nähert, nämlich wie wir heute digital miteinander interagieren und mit Websites und mit Online-Shops umgehen, dann muss man feststellen, dass 3D-Anwendungen in vielen Bereichen deutlich mehr leisten können. Es ist also ein vergleichsweise logischer nächster Schritt.

Für den Saurierpfad in Jena erhielt Rooom den Thüringer Tourismuspreis 2019 in der Disziplin Digitale Kommunikation

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