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Wochenrückblick

Thelen rennt – das passiert, wenn dem Ex-„Höhle der Löwen“-Juror eine kritische Frage gestellt wird

Die „SZ“ hat – mal wieder – Ärger wegen einer Karikatur, die viele für antisemitisch halten. Das Social-Media-Team von Manuela Schwesig schmort in der Erdbeerkuchen-Hölle. Rezo zerstört „GNTM“. Und Frank Thelen ist sportlicher als man denkt – wenn man ihm eine kritische Frage stellt. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Die „SZ“ will ihre „redaktionsinternen Abläufe bei der Veröffentlichung von Karikaturen überprüfen und gegebenenfalls verändern“. So hieß es im Mai 2018, als die „Süddeutsche“ den Karikaturisten Dieter Hanitzsch feuerte. Hanitzsch hatte den damaligen israelischen Staatschef Benjamin Netanyahu mit Fummel, großer Nase und großen Ohren gezeichnet. In der einen Hand ein Mikro, in der anderen eine Rakete mit Davidstern. Anlass war damals, dass Israel den Eurovision Song Contest gewonnen hatte. Davor gab es schon mal Ärger wegen einer „SZ“-Karikatur, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, ebenfalls großnasig, als Krake zeigte, die andere Firmen erdrückt. Und aktuell gibt es Ärger wegen einer „SZ“-Karikatur aus der Feder von Josef „Pepsch“ Gottscheber.

Die zeigt den ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj übermächtig auf einem Bildschirm vor dem Weltwirtschaftsforum Davos. Bildunterschrift: „Präsent in Davos“. Tja, nun. Die Zuckerberg-Krake damals war lupenrein antisemitisch und bediente das Narrativ vom weltumspannenden Finanzjudentum als Krake. Die Netanyahu-Zeichnung von Hanitzsch war mindestens sehr grenzwertig. Nun hat der „Bibi“ nun mal recht große Ohren und eine große Nase, aber man kann als Zeichner da schon ein bisschen Sensibilität walten lassen. Die Rakete mit Davidstern dazu machte den Antisemitismus-Cocktail dann perfekt.

Die Pepsch-Gottscheber-Zeichnung von Selenskyj nun ist in erster Linie mal sehr schlecht. Man erkennt den ukrainischen Präsidenten kaum, ihm wurden aber auch keine klischeehaft-jüdischen Gesichtszüge hingepinselt. Trotzdem wirkt er übermächtig und sinister. Und dass er Jude ist, ist nun auch wohlbekannt, spätestens seit Putin seinen Krieg mit dem hanebüchenen Argument rechtfertigte, die Ukraine „entnazifizieren“ zu wollen. Jetzt hat also ein Karikaturist eine schlechte Zeichnung ohne wirkliche Pointe geliefert. Dadurch wird der Raum für Interpretationen weit geöffnet und da erfolgt automatisch der Rückgriff auf die unselige Historie der „SZ“ mit antisemitischen Karikaturen. Wären damals tatsächlich „redaktionsinterne Abläufe bei der Veröffentlichung von Karikaturen“ überprüft und verändert worden, hätte so eine Zeichnung nicht den Weg ins Blatt finden dürfen.

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Mehr noch als über Karikaturen in der „SZ“ hat Twitter sich in den vergangenen Tagen über den Geburtstagskuchen von MeckPomm-MP Manuela Schwesig aufgeregt. Folgendes twitterte die SPD-Frau:

Da fiel vielen auf, dass der Landwirtschaftsminister doch wohl kaum einen Industrie-Backofen daheim haben dürfte. Also von wegen: „selbst gemacht“. Die Betreuer des Twitter-Accounts von Frau Schwesig sahen sich schließlich genötigt, sich zur Causa Kuchen einzulassen. Die Sache wurde nicht besser:

„Der Eindruck entstanden“ – ja, weil sie es halt so getwittert hat! Der vielleicht unnötigste Polit-Aufreger aller Zeiten. Man hätte nur die Worte „selbst gemacht“ weglassen müssen und der Kuchen wäre in Butter gewesen.

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Nannen-Preisträger Rezo hat wieder zugeschlagen und in einem neuen Video das ProSieben-Format „Germany’s Next Topmodel“ zerstört. Er hat dabei festgestellt, dass die Lieblingssendung des früheren P7S1-CEOs Max Conze a) toxisch ist, b) teils minderjährige Mädchen dort gegen ihren Willen sexualisiert werden, c) die Produktion die Teilnehmerinnen gegeneinander aufhetzt und d) generell sehr viel rumgefaked wird.

Soweit nix Neues, könnte man meinen. Rezo veröffentlichte das Video schlau im zeitlichen Umfeld zum „GNTM“-Finale am Donnerstag und im Netz geisterte daraufhin programmgemäß auch das alte Roger-Willemsen-Zitat wieder rum, nach dem der aus Heid Klum gerne soundsoviel Sorten „Scheiße rausprügeln“ würde. Das Rezo-Video ist trotzdem sehenswert. Die Frage ist ja tatsächlich, wieso ein Sender, der sich sonst gerne aufklärerisch zeigt (Pflege-Doku) ein Format wie „GNTM“ noch pflegt. Zumal das Finale am Donnerstag quotenmäßig einen neuen Minus-Rekord aufgestellt hat. Gerade mal 1,9 Mio. Menschen schalteten ein. Rezos „GNTM“-Video hatte innerhalb von zwei Tagen auch schon über eine Mio. Aufrufe.

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Der frühere „Höhle der Löwen“-Juror Frank Thelen ist in ein Startup namens Air Up investiert. Die stellen Trinkflaschen mit einer Art Duft-Diffusor her. Während man stinknormales Wasser trinkt werden dabei Duftstoffe freigesetzt, die dem Hirn vorgaukeln sollen, man trinke eine leckere Cola oder was anderes. Nun sind Technik und Herstellungsprozess der Dinger wohl doch nicht ganz so superduper umweltfreundlich und megagesund, wie die Firma gerne tut, jedenfalls laut einem Bericht des Journalismus-Startups „Flip“. Als ein Reporter des Portals Thelen beim OMR eine kritische Frage dazu stellen wollte, reagierte der … nun sehen Sie selbst:

Keine weiteren Fragen

Sportliches Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ gibt es Gossip von der Verleihung „Journalisten des Jahres“. Christian Meier von der „Welt“ und ich reden nochmal über den Nannen Preis. Weitere Themen sind die Selenskyj-Karikatur und, jawoll, das Aus von Bibi und Julian! Wer, wenn nicht wir, könnten darüber fachlich fundiert plaudern.

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