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Antisemitische Darstellung?

„SZ“ wegen Selenskyj-Karikatur in der Kritik

Die umstrittene Karikatur in der "SZ" – Foto: Twitter/SZ

Die „Süddeutsche Zeitung“ steht wegen einer Karikatur in der Kritik. Sie zeigt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als übergroße Darstellung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Kritiker werfen der „SZ“ vor, antisemitische Ressentiments zu schüren. Die Zeitung erklärt sich via Twitter.

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Am Donnerstagmorgen verbreitete „Vice“-Chefredakteur die Felix Dachsel die Karikatur auf Twitter und fragte: „Der jüdische Präsident Selenskyj geifernd, übergroß und mächtig im Hintergrund des ‚World Economic Forum‘. Ist das wirklich eine gute Idee, ‚SZ‘?“ Seiner Kritik schlossen sich schnell weitere Nutzerinnen und Nutzer an. Der Autor Friedemann Karig etwa schrieb: „Wenn das nicht der ‚hässliche Jude‘ sein soll, der die Weltfinanz kontrolliert, dann hat es noch nie eine antisemitische Karikatur gegeben.“

Die „SZ“ reagierte mit einer kurzen Erklärung auf die massive Kritik. Darin heißt es: „Diese Karikatur ist die zeichnerische Umsetzung der Fernsehbilder vom Montag.“ Neben der Karikatur postete sie dazu auch ein Foto, das offenbar als Vorlage gedient haben soll. „Der ukrainische Präsident auf der Videowand, und damit im XXL-Format, vor dem Publikum in Davos. Sie illustriert, wie dominierend das Thema Ukraine dort ist.“ Zur Art der Darstellung Selenskyjs äußerte sich die Zeitung allerdings nicht.

„Bild“-Meinungschef Filip Piatov machte mit seiner Kritik darauf aufmerksam, dass es schon in der Vergangenheit eine ähnliche Diskussion bei der „SZ“ gegeben hatte. Er schrieb: „Ist in der SZ eigentlich je eine frauenverachtende, rassistische oder homophobe Karikatur veröffentlicht worden? Oder rutschen immer nur antisemitische Karikaturen auf ganz unerklärliche Weise durch?“ Vor vier Jahren hatte eine „SZ“-Darstellung des damaligen israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu eine ähnliche Debatte ausgelöst. In diesem Fall hatte am Ende der Deutsche Presserat entschieden, dass die Karikatur von der Meinungsfreiheit gedeckt sei (MEEDIA berichtete).

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