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Fleischhauer vs. Tichy

Vorwurf der Manipulation gegen „Tichys Einblick“

Georg Gafron (mitte) trennt sich von "Tichys Einblick". Jan Fleischhauer (re.) macht die Gründe öffentlich

Georg Gafron (mitte) trennt sich von "Tichys Einblick". Jan Fleischhauer (re.) macht die Gründe öffentlich Foto: Imago

Georg Gafron ist nicht mehr Autor bei „Tichys Einblick“. Der Grund: Die Redaktion des rechtskonservativen Mediums soll einen seiner Texte eigenmächtig geändert haben. Positive Passagen über Annalena Baerbock wurden wohl ins Negative verkehrt. Jan Fleischhauer hat das Ganze öffentlich gemacht.

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Autoren und Medien trennen sich selten im Guten. Das dürfte auch auf diesen Fall zutreffen, auf den Kolumnist Jan Fleischhauer in seiner aktuellen „Focus“-Kolumne hingewiesen hat. Demnach hat sich Georg Gafron von „Tichys Einblick“ verabschiedet, wie Fleischhauer in seinem Text erklärte.  Laut Fleischhauer, er und der ehemalige Leo-Kirch-Berater und „B.Z.“-Chefredakteur sind nach eigener Aussage seit längerer Zeit befreundet, geht es dabei um eine „Anne Will“-Sendung, die Georg Gafron mit einer Rezension am 2. Mai 2022 bei dem rechtskonservativen Medium kommentiert hatte. Dort ging er vor allem kritisch mit der Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ins Gericht, die per Video der Talkshow zugeschaltet war, so war es zumindest in dem Text zu lesen. Ein Problem dabei: Im ursprünglichen Text des ehemaligen B.Z.-Chefs äußerte sich dieser wohl gar nicht kritisch gegenüber Baerbock, sondern im Gegenteil eher wohlwollend. „Ich habe gerade gesehen, dass es gar nicht mein Text ist, der unter meinem Namen auf die Seite gestellt wurde. Da stehen lauter Sachen drin, die ich nie geschrieben habe“, soll Gafron gegenüber Fleischhauer erklärt haben. 

Links: wie der Text am 2. Mai 2022 unter der Autorenschaft von Georg Gafron erschien, rechts: wie der Text heute auf der Seite „Tichys Einblick“ zu sehen ist.

Ein Drittel des Texts wurden verändert

Fleischhauer liegt offenbar die Originalversion zum Vergleich vor. Demnach wurde „etwa ein Drittel des Textes“ verändert. An den Stellen, an denen „Baerbock im Original für ihre klaren Antworten gelobt wurde, stand nun, dass sie sich gewunden habe und es nur dem zähen, unbeeindruckten Nachfassen der Moderatorin zu verdanken sei, dass die Zuschauer überhaupt eine Antwort erhielten“, so Fleischhauer in seiner Kolumne. Es bliebt offenbar auch nicht bei Änderungen des Geschriebenen, sondern auch neue Passagen sollten hinzugefügt worden sein. In einem Absatz wurde der Ministerin so etwa vorgehalten, dass sie Deutschland als das „größte Land in Europa“ bezeichnet habe. Solche Patzer sollten sie „für das Amt so gefährlich machen“, war bei „Tichys Einblick“ zu lesen. Sätze, die Gafron nicht geschrieben haben soll. In der Auseinandersetzung mit „TE“ habe man sich geeinigt, dass Gafron nicht mehr als Autor genannt werde. Inzwischen ist der Text auch nur noch unter „Redaktion“ zu finden. 

Hinweis in eigener Sache, kein Hinweis auf den Autor 

Wie geht man bei „Tichys Einblick“ mit der Debatte um? Dort löst man die Angelegenheit mit einem Hinweis in eigener Sache am Anfang der „Will“-Rezension vom 2. Mai. Demnach wurde der Text wegen „Ungenauigkeiten in der Sachdarstellung, fehlendem Kontext und holpriger Sprache […] von der Redaktion aktualisiert und korrigiert.“ Einen Hinweis auf den Originalautor sucht man vergeblich. Es ist nur noch zu lesen, dass der Autor darum bat, „nicht mehr genannt zu werden“. Dass es sich um Georg Gafron handelte, erfahren Leserinnen und Leser höchsten durch den öffentlichen Disput mit Fleischhauer. Aber nicht in dem besagten Artikel. Wer etwas weiter sucht, findet auf der Seite einen Artikel von Alexander Wendt, seit 2020 als Redakteur bei „Tichys Einblick“.

Deutlicher Unterschied zu Gafrons Text

Der Text ist eine Replik auf Fleischhauers Kolumne. Dort erhält der Leser Details zum Blickwinkel von „Tichys Einblick“. Dem Redakteur, der den Text von Gafron redigierte, „schien Gafron den Verlauf der Sendung an manchen Stellen nicht angemessen wiederzugeben“. Andere Teile soll die Redaktion kritisch gesehen haben, „weshalb sie Passagen ergänzte“. Wendt gibt zu, dass dann ein Artikel erschien, „der sich tatsächlich von Gafrons ursprünglichem Text deutlich unterschied.“ Man habe sich dann geeinigt, den Namen des Autors zu entfernen. Als weitere Begründung für die Änderungen nennt Wendt, dass es sich „nicht um einen Kommentar, sondern die Rezension einer Sendung“ gehandelt habe. Eine etwas eigenwillige Erklärung, wenn man die doch sehr persönliche Kommentierung der Sendung durch Gafron liest. Für Wendt ist abschließend klar: „Weit und breit lässt sich auch kein Verrat an Gafron entdecken.“ Es handele sich vielmehr um „eine interne Meinungsverschiedenheit mit Finale, wie sie in Medien und auch anderswo ab und zu vorkommt.“ Gemeint ist der Abschied von Gafron von dem rechtskonservativen Medium. Diese konkreten Erläuterung der Sicht von „Tichys Einblick“ zu dem Vorfall finden sich weder in dem Originalartikel, noch sind sie intern verlinkt. 

Weitere Links:

Hier geht es zum aktuellen Text, der Georg Gafron nicht mehr als Autor führt.

Dieser Link führt über das Webarchiv zum Artikel vom 2. Mai 2022 mit Georg Gafron als Autor.

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