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Unüberhörbar

Geteilte Momente – Radio als soziales Medium

Grit Leithäuser – Illustration: Bertil Brahm

Warum freuen sich Menschen, wenn sie ein Lieblingslied im Radio hören? Warum rufen Hörerinnen und Hörer bei ihrem Radiosender an, um mitzureden? Weil Radio ein zutiefst soziales Medium ist.

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Teilen liegt in der Natur des Menschen. Gut, für Geschwisterkinder hat dies wahrscheinlich im anfänglichen Zusammenleben nicht immer die höchste Priorität, aber es ist ein Baustein für ein soziales Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Wir alle teilen gute und schlechte Erlebnisse mit unseren Freundinnen und Freunden, wir teilen unsere Gedanken und Erfahrungen, auch um andere Sichtweisen kennenzulernen. Aber auch in materieller Hinsicht teilen wir Dinge. Wir leihen den Rasenmäher des Nachbarn aus oder – auf anderer Ebene – nutzen wir mittlerweile ganz natürlich Car-Sharing-Angebote.

Und dann gibt es beim Teilen mit anderen Menschen noch den anderen Aspekt. Das gemeinschaftliche Erleben, und zwar in einem ganz konkreten Moment. Die geteilten Emotionen bei einem Live-Spiel im Stadion, welcher Sportart auch immer, oder der Lagerfeuer-Moment im Urlaub. Unvergleichlich und unvergesslich, weil dem Moment eine Einzigartigkeit innewohnt, die man nicht reproduzieren kann. 

Radio hält genau diese Momente im Alltag parat und das macht das Medium unter anderem auch zu einem sozialen Medium. Wir alle kennen den Wunschsong, der mit Anmoderation respektive Begründung des Wünschenden live gespielt wird. Natürlich könnte diese Person auch einfach den Streaming-Anbieter ihrer oder seiner Wahl öffnen und den Song für sich hören. Aber da ist genau dieser Moment, wo das Lied und der Grund, warum es genau dieses Lied sein soll, mit Millionen Hörerinnen und Hörern geteilt wird. Die Geschichte dahinter, weil man mit diesem einen Song eine ganz besondere Situation in Verbindung bringt, oder ihn sich für einen besonderen Menschen wünscht, weil man weiß, dass er gerade zuhört. 

„Das ist auch so ein besonderer Moment, den man dann auch nochmal zuhause mit der Familie und den Freunden teilt, weil es etwas Besonderes ist, über ein Medium die Gedanken zu teilen.“

Oder das berühmte Zuschalten von Hörerinnen und Hörern, die sich an einer Diskussion beteiligen, die ihre Meinung sagen möchten, die etwas beizutragen haben, das gehört werden soll. Diese Vielfalt an Meinungen ist gelebte Diversität, mit der keine Talkrunde – bestückt mit ausgewählten Expertinnen und Experten – aufwarten kann. Meist hört man schon an der Stimme der Anrufer, dass sie nervös, aufgebracht oder freudig erregt sind. Weil sie nicht nur ihre Meinung sagen, sondern vor allem, weil sie von den Menschen gehört werden. Sie steigen in den öffentlichen Diskurs ein, sie antworten, stimmen zu oder widersprechen den Vorrednerinnen und -rednern. Das ist auch so ein besonderer Moment, den man dann auch nochmal zuhause mit der Familie und den Freunden teilt, weil es etwas Besonderes ist, über ein Medium die Gedanken zu teilen.

Die Ökonomie des Gebens und Nehmens, miteinander zu kommunizieren und Dinge zu teilen, ist für die Menschen schon seit jeher ein Vorteil gewesen, der unser gesellschaftliches Zusammenleben prägt. In der heutigen Demokratie mehr denn je. Und nicht zu vergessen – es macht auch noch Spaß, dies zu tun. Hören wir also nicht auf damit, sondern kultivieren wir weiter die Kunst des Teilens.


Grit Leithäuser ist seit 2019 Geschäftsführerin bei der Radiozentrale in Berlin. Sie war u.a. maßgeblich beteiligt an der Imagekampagne „Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf“ und engagiert sich für gemeinsame Marketing- und Programmaktionen der deutschen Radiosender. Ihre MEEDIA-Kolumnen finden Sie hier.

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