Anzeige

Wochenrückblick

Olaf Scholz will Journalisten nicht einschenken!

Achtung, viele Anführungszeichen: „Zeit“-Herausgeber „Joe“ lässt sein „Mandat“ „ruhen“. Quentin Tarantino will beim OMR keine „Marke“ sein. Die deutsche Nationalmannschaft stellt sich „queer“ und holt sich dafür eine blutige Nase bei Twitter. Und Olaf Scholz schenkt Journos keinen Kaffee ein. Mon Dieu! Die MEEDIA-Wochenrückblick Kolumne.

Anzeige

Kaum stellte ich in diesem Wochenrückblick die Frage, ob in der Causa Josef Joffe das letzte Wort gesprochen ist, wurde bekannt, dass er sein „Mandat“ bis zum Vertragsende ruhen lässt. Dass Joffe seinen Herausgeber-Job, Pardon: sein „Mandat“, jetzt de facto los ist, ist das Mindeste nach Bekanntwerden des Briefs, in dem er seinen Banker-Kumpel Max Warburg vor der Berichterstattung der eigenen Zeitung warnte und sich „schockiert“ über Whistleblower aus den Reihen der Bank zeigte. Es ist das Mindeste, aber es war auch nicht unbedingt zu erwarten. Dass die Pressestelle der „Zeit“ jetzt noch ein wenig herumeiert und so tut, als habe man den Artikel damals nur verschoben, weil es noch „Recherchebedarf“ gegeben habe – geschenkt. Man will sich in Sachen Fehlerkultur ja auch nicht überfordern.

Joffes Kolumnen-Mandat beim „Tagesspiegel“ ruht übrigens nicht. Und der „Süddeutschen“ gab der „Joe“ zu Protokoll, dass es zu klären gelte, ob sein Freundesbrief an den Max von der Staatsanwaltschaft durchgestochen worden sei. Erneut scheint er sich eher über gewisse Undichtigkeiten aufzuregen, ohne die der investigative Journalismus doch eigentlich einpacken könnte.

+++

Ich hab ja so meine Probleme mit dem Purpose-, bzw. mit dem Haltungs-Marketing. Allzu oft klaffen groß ausgesprochene Selbst-Ansprüche und die Realität Grand-Canyon-artig auseinander. Aktuelles Beispiel: „Die Mannschaft“. Allein der Name, aber das ist ein anderes Thema. Die deutsche Nationalmannschaft also, bzw. deren Marketing-Abteilung, hielt es für eine gute Idee, am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie mal wieder bunte Flagge zu zeigen. Flugs wurde der Photoshop-Praktikant aus dem Keller geholt und der hat Fotos von Nationalspielern auf Regenbogenhintergrund quer- bzw. „queer“ gelegt. Höhö. Quer – queer. Sie verstehen? Der Spruch dazu: „Wir stellen uns queer – gegen Diskriminierung“. Tja. Nun ist ja bekannt, dass das mit den Rechten für Homosexuelle und LGBTQ+Irgendwas-Leute im WM-Austragungsland Katar eine eher spezielle Sache ist. Homosexualität ist dort sogar gesetzlich verboten. Da schau her. Wie will sich die „Mannschaft“ da „queer stellen“? Dementsprechend gab es bei Twitter unter dem Post der „Mannschaft“ rauen Gegenwind.

Dafür mag ich Twitter dann doch immer wieder.

+++

Bei dem Mega-Event OMR (70.000 Besucher) waren alle froh, dass man sich endlich wieder in echt sehen und zusammen feiern, essen, trinken, reden konnte. Trotzdem lustig, wenn dann ein branchenbekannter Knarzkopf wie Quentin Tarantino als Stargast auf die Bühne kommt und Steven Gätjen erstmal eröffnet, dass er mit diesem Marken-Gedöns eher wenig am Hut hat.

In Tarantinos Welt sind McDonald’s oder Coca-Cola Marken, er sieht sich selbst als Künstler, Regisseur, Autor. Nix Marke. Basta! Vielleicht ist er ja eine Marke wider Willen. Top übrigens, wie souverän Steven Gätjen den Talk mit dem nicht direkt einfachen Gast Tarantino durchgezogen hat. Kann in D. nicht jeder.

+++

Olaf Scholz triggerte diese Woche die Medien-Blase. Zuerst kommunizierte der Kanzler für den Geschmack der Journalisten deutlich zu wenig. Jetzt hat er die Kommunikationsschlagzahl erhöht, das ist aber auch wieder nicht recht. Bei „RTL Direkt“ sagt Scholz, dass es bei einem Besuch in der Ukraine „darauf ankommt, dass konkret was vorangebracht wird“. Es dürfe nicht nur ein Fototermin sein. Ok, das war natürlich eine Steilvorlage:

Schon witzig, was die „Titanic“, äh, die „Taz“ da gemacht hat. Aber ein bisschen unfair ist es auch. Natürlich lassen sich von jedem Politiker unendlich viele Tralala-Foto-Termine aus dem Archiv ziehen. Selbst die Scholz-O-Mat-Weigerung, Journalisten wie weiland Mutti Merkel Kaffee einzuschenken, wurde analysiert:

Er hat selbst nichts getrunken!!! Was sagt das über den Kanzler aus??? Dabei war die weidlich über-reportierte Kaffee-Einschenkerei der Merkel’schen doch auch mutmaßlich bloß Masche. So ein Kanzler kann es „den Medien“ halt einfach nicht recht machen. Scholz weiß das ganz genau, darum versucht er es erst gar nicht. Und das nehmen ihm manche im Medienbetrieb halt ein bisschen übel.

Schönes Wochenende!

Anzeige