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Nach Cum-Ex-Debatte

Bleibt Josef Joffe Autor beim „Tagesspiegel“?

Zeit Herausgeber Josef Joffe ist in Bedrängnis durch den Leak von Oliver Schröm

Josef Joffe lässt nach einem Leak im Cum-Ex-Skandal sein Mandat als "Zeit"-Herausgeber ruhen. Beim "Tagesspiegel" darf er weiterhin schreiben – Foto: Imago/ Logo Zeit Verlagsgruppe

Nach einem Leak steht der „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe wegen eines Schreibens an den befreundeten Banker Max Warburg in der Kritik. Sein Mandat beim Hamburger Verlag ruht aktuell. Beim Berliner „Tagesspiegel“ ist Joffe weiterhin Kolumnist. Soll das so bleiben? MEEDIA hat nachgefragt.

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In der vergangenen Woche hat Cum-Ex-Investigativrechercheur Oliver Schröm ein Schreiben veröffentlicht, das den „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe in Bedrängnis brachte. „Der Spiegel“ hatte zuvor über den Fall berichtet, wonach Josef Joffe 2017 im Cum-Ex-Skandal den Miteigentümer der Warburg Bank, Max Warburg, im Vorfeld einer kritischen „Zeit“-Veröffentlichung in einem persönlichen Brief vorgewarnt haben soll. Für Schröm selbst waren die Zitate aus dem Schreiben im „Spiegel“-Beitrag unvollständig, woraufhin er die Korrespondenz selbst öffentlich machte.

Nach dem Bekanntwerden entschied man sich bei der Zeit-Verlagsgruppe und der dahinterstehenden Holtzbrinck Publishing Group, das Mandat von Joffe als Herausgeber ruhen zu lassen und zwar bis zum Auslaufen im März 2023, wie die „Welt“ zuerst berichtete. Zu einer Aufkündigung des Verhältnisses zwischen Joffe und dem Verlag hat der Vorgang nicht geführt. Joffe selbst will laut „NZZ“ juristische Schritte einleiten und prüfen lassen, ob der Leak selbst nicht von staatlichen Stellen käme, die ihn diskreditieren wollten.

„Was macht die Welt“-Kolumne von Joffe seit über 20 Jahren im „Tagesspiegel“

Der inzwischen 78-Jährige Josef Joffe, der von 2001 bis 2004 Chefredakteur der „Zeit“ und seit 2000 Herausgeber war, ist auch für einen anderen Holtzbrinck-Titel tätig. Beim Berliner „Tagesspiegel“ publiziert er als freier Autor. Seine Kolumne „Was macht die Welt“ erscheint seit über 20 Jahren in der Hauptststadtzeitung, online datiert die letzte zwar auf das Jahr 2021, in der Printausgabe ist Joffe aber regelmäßig prominent mit der Kolumne vertreten. Wie steht man bei den Berlinern zu der Warnung von Joffe gegenüber dem befreundeten Banker Warburg vor der drohenden Investigativrecherche? Laut MEEDIA-Nachfrage sieht man bei der Chefredaktion „nach gegenwärtigem Stand“ von einer Trennung ab. Es bleibt also wie es ist, zumindest vorerst. Hier gibt es die Antwort von der Chefredaktion im Wortlaut:

„Josef Joffe ist beim Tagesspiegel freier Autor, das Thema seiner Kolumne ist die internationale Politik. In keinem seiner Texte gab es einen Bezug zu der konkreten Angelegenheit, die seine Funktion bei der ‚Zeit‘ betrifft. Nach dem gegenwärtigen Stand sehen wir deshalb keinen Anlass, seine Kolumne auszusetzen.“

In der neuesten Joffe-Kolumne im „Tagesspiegel“ nach dem Bekanntwerden der Debatte um die Cum-Ex-Recherche gibt es keinen Hinweis in der Berliner Tageszeitung. Im Abbinder ist nur zu lesen, dass Josef Joffe  „Mitglied des Herausgeberrats der „Zeit““. Faktisch ist das richtig. Dass das Mandat ruht, wird nicht erwähnt.

Zoom auf die Kolumne "Was macht die Welt" von Josef Joffe im "Tagesspiegel" – hier ist von der Cum-Ex-Debatte um Banker Max Warburg und den Austausch mit Joffe nichts zu lesen.
Foto: Tagesspiegel

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