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Geleakter Brief

„Zeit“-Herausgeber Josef Joffe lässt sein Mandat ruhen

Josef Joffe – Foto: Imago

Wie die „Welt“ berichtet, lässt „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe sein Mandat bei der Wochenzeitung bis zum vertraglichen Ende seiner Herausgeberschaft ruhen. Grund ist ein geleakter Brief Joffes an den Banker Max Warburg im Zusammenhang mit der Cum-Ex-Affäre. Joffe erklärte im Brief, Warburg vor einer „Zeit“-Berichterstattung gewarnt zu haben.

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Den Stein ins Rollen brachte der „Spiegel“, der in Ausgabe 19/2022 recht knapp berichtete, dass „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe im Zusammenhang mit einem „Zeit“-Artikel zum Cum-Ex-Skandal einen befreundeten Banker vor der Berichterstattung gewarnt und dafür gesorgt haben soll, dass die Veröffentlichung verschoben wird. Laut „Spiegel“ hat Joffe damals einen Brief an einen Freund, den Bankchef Max Warburg von der gleichnamigen Hamburger Privatbank, geschrieben. Im Brief geht Joffe darauf ein, dass er den Banker gewarnt habe, dass „was in der Pipeline steckte“. Gemeint war die Berichterstattung in der „Zeit“. Er, Joffe, habe interveniert und dafür gesorgt, dass der Artikel „geschoben wurde und die Bank Gelegenheit erhielt, Widerrede zu leisten“. Dem „Spiegel“ ließ Joffe ausrichten, er habe der Redaktion nur geraten, „der Warburg Bank eine Gelegenheit zu geben, sich zu äußern“. Oliver Schröm, der damals an der Berichterstattung für das NDR-Magazin „Panorama“ und der „Zeit“ beteiligt war, sorgte auf Twitter für Transparenz, indem er den Brief Joffes öffentlich machte.

Joffe fand es zudem offenkundig skandalöser, dass da jemand Informationen über das Verhalten der Bank an Ermittler gesteckt hat, als den Steuer-Raubzug selbst:

„Was mich schockiert hat, waren die Verräter im eigenen Hause Warburg, die Ermittler zuvorkommend auf Spuren geschickt haben, die diese nicht kannten, Ihnen (sic) Unterlagen zeigten, die sie nicht gesucht haben.“

Schröm veröffentlicht im Thread auch Belege dafür, dass die Reporter natürlich die Warburg-Bank vorab befragt haben und der Bank damit Gelegenheit gaben, „Widerrede zu leisten“.

Nun berichtet die „Welt“, dass Joffe In Absprache mit den „Zeit“-Verlegern sein Mandat ruhen lässt. Sein Herausgeber-Vertrag läuft noch bis März 2023. Die Verleger der „Zeit“ sind Dieter und Stefan von Holtzbrinck. Im Herausgeberrat der Wochenzeitung sind jetzt noch die Soziologie-Professorin Jutta Allmendinger, die Managerin Nicola Leibinger-Kammüller, die „Economist“- Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes und der Publizist Florian Illies.

Laut „Welt“ hat der veröffentlichte Brief für „Entsetzen“ in der Redaktion der „Zeit“ gesorgt. Zwar sei der Artikel damals wie geplant erschienen, aber der Duktus des Briefes beschädige die Integrität der Redaktion.

swi

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