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ProSiebenSat.1

Wie Senderchef Daniel Rosemann das Programm radikal verändert

Daniel Rosemann – Foto: P7S1

Zäsur im Programm bei ProSieben: Senderchef Daniel Rosemann verzichtet bei dem Sender am Sonntag in der Primetime auf Blockbuster und setzt hier auf Eigenproduktionen. Im Gegenzug laufen bei Sat.1 in dieser Zeitschiene Top-Spielfilme.

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Bei ProSieben wandelt sich die Programmstruktur radikal – zumindest in der Primetime am Sonntag. Senderchef Daniel Rosemann will hier künftig auf Blockbuster verzichten und spricht hier von einem „historischen Umbau“. An die Stelle sollen hingegen Eigenproduktionen treten. Dabei hat Rosemann Formate im Blick, die bei den Zuschauern den Wunsch nach Abenteuer und Eskapismus bedienen sollen. Als Beispiel nennt er ein neues Fernseherlebnis mit Prominenten, das außerhalb Deutschlands gedreht werden soll. Geplant sind offenbar mehrere kleinere Formate, die hintereinander die Abendschiene füllen sollen. Nähere Einzelheiten hierzu wollte er allerdings nicht nennen. 

Dass Rosemann an einem wichtigen Primetime-Abend Blockbuster aus dem Programm verbannt, begründet er mit veränderten Marktgegebenheiten. So hat die Pandemie dazu geführt, dass Hollywood deutlich weniger Spielfilme produziert. Trotz des Versorgungsengpasses werde die Sendergruppe nicht auf Hollywood-Streifen verzichten. Im Gegenteil: der Sender Sat.1 soll am Sonntag in der Primetime weiter Spielfilme zeigen. Insgesamt setzt Rosemann dort mehr auf Eigenproduktionen beziehungsweise auf neue Shows mit bekannten Moderatoren, um den Sender weiter aus dem Quotental zu führen. Aushängeschilder sind hier unter anderem die Moderatoren Jörg Pilawa und Birgit Schrowange.

Noch im Sommer startet Sat.1 beispielsweise mit Pilawa „Zurück in die Schule“. Bei dem TV-Format werden Grundschüler zu Lehrern und Prominente zu Schülern. Schrowange werde hingegen mit „Birgits starke Frauen“ und „Wir werden mehr“ on air gehen. Vier Wochen lang werde die Moderatorin zudem in der besten Sendezeit ihre Lieblingsinsel Mallorca präsentieren, auf der sie wohnt. Titel des Formats. „Unser Mallorca“. Geplant ist ferner eine neuartige Musik-Show ab 27. Mai. Der Name: „All together now“. Hier sollen 100 Musiker im Studio Gesangstalente bewerten.

Höhere Programmaufwendungen

Dass ProSiebenSat.1 mehr auf Eigenproduktionen setzt, hinterlässt auch Bremsspuren beim operativen Gewinn des TV-Riesen. Das bereinigte Ebitda des Fernsehkonzerns fiel im 1. Quartal 2022 um fast 14 Prozent auf 123 Millionen Euro, weil der Vorstandschef Rainer Beaujean Programmaufwendungen zum Jahresanfang vorzog. Grund hierfür ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar zum Jahresende, die von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten übertragen wird. Um hier im Jahresdurchschnitt keine Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren, steckte Beaujeam mehr Geld ins Programm. „Wir haben Programmaufwendungen ins erste Quartal vorgezogen, um einen besseren Marktanteil zu haben“, sagte er gestern gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Denn ich weiß, dass ich im vierten Quartal gegebenenfalls wegen Fußball einen schlechteren Marktanteil habe.“ Insgesamt sollen die Entertainment-Programm-Aufwendungen auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Im vergangenen Jahr waren das 1,054 Milliarden Euro.

P7S1 steht derzeit vor bewegten Zeiten. Denn der italienische Großaktionär MFE, der rund ein Viertel am TV-Konzern besitzt, will mit der Unterföhringer Fernsehkette eine paneuropäische Allianz bilden. Das lehnt aber Beaujean ab, der in einer Fusion strategisch keinen Sinn sieht. Auf der jüngsten Hauptversammlung von P7S1 fiel der befürchtete Showdown aus. MFE wollte den Aufsichtsrat nicht entlasten, setzte sich aber nicht durch. Die Aktionäre entlasteten das Kontrollgremium mit knapper Mehrheit. Zugleich wurde der Ex-Springer-Vorstand Andreas Wiele zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Ob allerdings MFE auf Dauer im Kampf um die Macht bei P7S1 den kürzeren zieht, bliebt abzuwarten. Denn MFE-Finanzchef Marco Giordani hatte zwar erklärt, dass die Medienholding um den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi aktuell keine Übernahme von P7S1 plane, doch dies nicht mittelfristig ausschloss. Aktuell haben wir keine derartigen Pläne. Was in einem Jahr ist, wird man dann sehen“, sagte Giordani. 


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