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Die GAFAM-Kolumne

Wer vor 25 Jahren 1.000 Euro in Amazon investiert hätte, besäße heute…

BigTech Weekly

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Hätte, hätte, Big-Tech-Kette: Mit jeder der GAFAM-Aktien hätten Anleger vermögend werden können, mit einer jedoch besonders reich. Zum 25. Jahrestag des Börsengangs von Amazon lohnt – gerade in schwierigen Börsenzeiten – der Blick zurück, was möglich gewesen wäre.

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Hängen Sie auch manchmal melancholisch den alten Zeiten nach? Ich bin der romanischen Verklärung der Vergangenheit in jeder Hinsicht schuldig, vor allem je älter ich werde und je mehr ich die Lebenszeit wie Sand durch meine Hände gleiten spüre. Man kann es nicht ändern: weder das Alter noch die Grübeleien über die Frage aller Fragen: Was gewesen wäre, wenn…

Das gilt natürlich an der Börse – und erst recht in diesen tristen Zeiten, in denen der Himmel einzustürzen droht wie aktuell. Die Lage an den Kapitalmärkten ist in diesen Tagen gefühlt so schlecht wie nur zwei-, dreimal in diesem Jahrhundert: Kurz nach dem Ausbruch der Coronakrise im März 2020, während der Finanzkrise 2008/09, und als nach der Millenniumswende die Internetblase spektakulär platzte und die Technologiebörse in einen jahrelangen Abwärtsstrudel zog.  

Ob sich die Geschichte in diesen Tagen wiederholt, ist noch nicht entschieden, aber die Komplexität des Abverkaufs macht die Gemengelage auf den ersten Blick so schwer es zu erfassen. Die relative Stärke der drei großen GAFAMs Apple, Microsoft und Alphabet, die mit Abstand größten Index-Schwergewichte an der Technologiebörse, verschleiern die Schwäche des Gesamtmarktes, an dem viele einstige Techstars wie Meta, PayPal oder Netflix in nicht einmal einem halben Jahr die Hälfte bis drei Viertel ihres Börsenwertes eingebüßt haben. 

Auch den E-Commerce-Riesen Amazon hat es zuletzt mit Kursverlusten von inzwischen fast 40 Prozent seit Jahresbeginn und 45 Prozent vom Allzeithoch schwer erwischt. Allein: Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen lohnt ein Blick, wo die Amazon-Aktie eigentlich herkommt – und was auf lange Zeit möglich gewesen wäre. Anlass dazu bietet ein besonderer Tag, der sich am Sonntag tatsächlich bereits zum 25. Mal jährt. Ganz recht: Am 15. Mai 1997 debütierte das E-Commerce-Start-up Amazon an der Technologiebörse Nasdaq und sammelte dabei ganze 54 Millionen Dollar an Mittelzuflüssen von zeichnungswilligen Aktionären ein.

„Bei einer Wachstumsrate von 2.000 Prozent im Jahr möchte man einfach dabei sein“, nannte Gründer und Konzernchef Jeff Bezos 1997 im Sales Pitch Investoren die Vorzüge des Börsenkandidaten wenige Wochen vor dem IPO. „Die Sache ist die: Im Internet kann man seine Kunden sehr schnell gewinnen oder verlieren“, lockte der umtriebige Informatiker. Im Mission Statement an Aktionäre schrieb Bezos: „Dies ist Tag eins für das Internet und, wenn wir es gut machen, für Amazon.com.“  

25 Jahre später ist klar, dass Bezos, der im vergangenen Sommer seinen CEO-Sessel für Andy Jassy geräumt hat, es mit Amazon sehr gut gemacht hat: Zu 18 Dollar wurde die Aktie seinerzeit an zeichnungswillige Anleger ausgegeben – nach drei Aktiensplits entspräche das einem Ausgabekurs von lediglich 1,50 Dollar.   

Zwei Dekaden später ist die Amazon-Aktie unterdessen bei 2.107 Dollar angekommen. Wer also zum Börsengang am 15. Mai 1997 lediglich für 1.000 Dollar Anteilsscheine des heute weltgrößten Online-Einzelhändlers gezeichnet und zugeteilt bekommen hätte, wäre heute trotz des jüngsten schweren Kursverluste immer noch Millionär! (Heute vor einem Jahr wäre man gar zweifacher Millionär gewesen.) Exakt berechnet säße ein Amazon-Aktionär der allerersten Stunde, der für 1.000 Dollar 666 Aktien bekommen hätte, heute auf dem enormen Vermögen von 1,40 Millionen Dollar oder umgerechnet 1,32 Millionen Euro.

Auch wer nicht direkt bei der Aktienzuteilung zum Zuge gekommen war und am Ende des ersten Handelstages auf dem freien Markt Amazon-Aktien erworben hätte, wäre ebenfalls Millionär: Bei einem Schlusskurs von 23 Dollar, der splitbereinigt 1,96 Dollar je Anteilsschein entspricht, wären aus damals 1.000 Dollar heute 1,07 Millionen Dollar bzw. 1,02 Millionen Euro geworden.

So einfach – oder in Zeiten fallender Kurse: schwierig – kann die Börse sein, wenn man frühzeitig in das richtige Unternehmen investiert und an seiner Anlage festhält. Dass Amazons Jahrhunderterfolg Ende der 90er indes noch eine wilde Theorie war, beweisen unterdessen Zeitdokumente wie dieses TV-Interview von 1999. 

Und dann ist da die eigentliche Prüfung des Anlegerlebens: Die Geduldsprobe, an einer Aktie festzuhalten, die umso schwieriger ausfällt, je länger ein Abwärtstrend andauert. Techaktionäre können davon aktuell ein Lied singen. Die gern verleugnete Wahrheit ist schließlich: Im Rückspiegel sind wir alle Millionäre, in der Gegenwart fahren wir mit offenen Augen an den offensichtlichsten Gelegenheiten vorbei… 

+++ Short Tech Reads +++

CNBC: Big Tech hat ein Billion Dollar Börsenwert in drei Handelstagen verloren

Schlecht, schlechter, Techaktien. Das Ausmaß des Börsencrashs von Technologieunternehmen wird immer geschichtsträchtiger und ist längst mit den Verwerfungen der großen Finanzkrise von 2008 und dem Platzen der Internetblase 2000 vergleichbar. 

Neuste Negativrekorde: Allein zwischen vergangenem Donnerstag und diesem Montag haben die GAFAMs und Tesla und Nvidia mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert eingebüßt. Seit vergangenem November haben die an der Technologiebörse Nasdaq gelisteten Unternehmen gar historische sieben Billionen Dollar an Wert ausradiert. Nichts geht mehr, Anleger fliehen in Scharen. An der Wall Street ist die einst gefeierte Branche zum Sündenfall geworden.

AppleInsider: Apple beerdigt den iPod touch 

Es ist das Ende einer Ära: Apple wird den iPod touch, der vor 15 Jahren das Licht der Techwelt erblickte, nicht weiter produzieren. Die Produktkategorie iPod ist damit komplett Geschichte. Der iPod touch war die konsequenteste Weiterentwicklung des 2001 gelaunchten MP3-Players, der Apples großes Comeback in den Nullerjahren einläutete und vor allem zum Start des iPhones vielen interessierten Kunden eine Alternative bot, weil der iPod touch aussah wie ein iPhone, ohne eine Vertragsbindung mit einem Mobilfunkprovider eingehen zu müssen.

Bis 2013 setzte Apple über 100 Millionen Geräte ab, danach brachen die Verkäufe kontinuierlich ein. Aktuell kann der iPod touch über die deutsche Apple-Homepage noch erworben werden; das Einstiegsmodell kostet 230 Euro, die teuerste Version mit 256 GB-Speicher 450 Euro. Das letzte Update stammt aus dem Jahr 2019.      

CNBC: Bitcoin fällt unter 30.000 Dollar, Coinbase verliert 85 Prozent seit IPO

Synchron zur Malaise von Techaktien ergeht es in diesen Tagen Kryptowährungen. Der Vergleich zwischen beiden spekulativen Anlageklassen fällt aus wie zwischen Pest und Cholera. Bitcoin, die wertvollste Kryptowährung, hat in dieser Woche nicht nur ein neues Jahrestief bei unter 28.000 Dollar markiert, sondern ist auch auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 zurückgefallen. Mehr als 40 Prozent aller Bitcoin-Besitzer befinden sich aktuell mit ihrem Investment unter Wasser.  

Das dürfte unterdessen auf so ziemlich jeden Coinbase-Aktionär zutreffen. Die größte amerikanische Kryptoplattform dümpelt aktuell von Tag zu Tag auf neue Allzeittiefs. Wurden zum Börsengang vor gut einem Jahr noch Kurse von 340 Dollar gezahlt, sind aktuell nur noch gut 50 Dollar übrig, ein atemberaubender Kursverlust von über 85 Prozent in einem Jahr. Den Grund lieferte CEO Brian Armstrong diese Woche mit der neusten Quartalsbilanz nach: Die Umsätze fielen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 27 Prozent, während Verluste von 430 Millionen Dollar hängen blieben. Brutal. Nichts geht mehr in Kryptoland.   

+++ One more Thing: Elon Musk kokettiert mit seinem Ableben +++

Elon Musk und das Wochenende: Sie wissen, was jetzt kommt… Der mutmaßlich zukünftige Besitzer des 280-Zeichendienstes leistete sich seine ungewöhnlichsten Tweets stets am Ende einer langen Arbeitswoche. Diesmal ganz oben im Trending-Bereich: Ein Tweet wie aus einem Hip Hop-Hit. „Wenn ich unter mysteriösen Umständen sterbe, war es schön, Euch gekannt zu haben“, twitterte Musk im Stile von 2Pac oder Notorious B.I.G.

Der Hintergrund scheint indes ernster zu sein als eine Rapper-Pose. Der reichste Mann der Welt twitterte zuvor ein Statement des russischen Weltraumchefs, das durchaus als Drohung verstanden werden kann. Darin heißt es, dass der Tesla-CEO wegen des Einsatzes vom Satellitennetzwerk Starlink für die ukrainischen Truppen „wie ein Erwachsener zur Rechenschaft gezogen“ werden könne.

Auf Twitter wurde Musks Tweet zum ultimativen Triggerevent, in dem Unterstützer aus der Tech- und Kryptoszene dem Seriengründer zur Seite sprangen oder sich US-Politiker wie Ted Cruz blamierten.  

Wahr bleibt jedoch: Auch der 50-jährige Musk wird nicht immer hier sein. Gemessen an der Lebenserwartung des durchschnittlichen amerikanischen Mannes bleiben Musk rechnerisch noch knapp drei Jahrzehnte auf der Erde – womit sich der Kreis zum Start der Kolumne schließt. Genug der Tristesse royale – genießen Sie den Frühling, besser wird er schließlich nicht… 

Cheers + bis nächste Woche!

   

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