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"Handelsblatt"-Bericht

Ex-Springer-Logistikchef: Vorstand profitierte von „schwarzen Kassen“

Das Axel-Springer-Gebäude in Berlin – Foto: Imago

Ein ehemaliger Logistikmanager der Axel Springer SE belastet den Ex-Vorstand des Medienkonzerns, Rudolf Knepper, schwer. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sagte Markus Günther vor Gericht aus, in seiner Abteilung „schwarze Kassen“ geführt zu haben. Der Vorstand und spätere Aufsichtsrat habe davon gewusst und sogar profitiert, ebenso wie Springer-Chef Mathias Döpfner. Springer bestreitet die Anschuldigungen.

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Markus Günther habe ein „Scheinrechnungssystem orchestriert“, wie es in dem „Handelsblatt“-Bericht (€) heißt. Darüber finanziert worden seien etwa „tägliche Liefertouren mit frischen Zeitungen aus Deutschland zu einem Ferienhaus Döpfners bei Marseille“. Auch Eintrittskarten für die Fußball-WM 2006 für Springer-Vorstände oder der Transport exklusiver Oldtimer seien Teil des Systems gewesen.

Günther, der diese Erklärungen vor dem Berliner Landgericht machte, legte keine Beweise für seine Anschuldigungen vor. Er muss sich wegen des Vorwurfs gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs sowie Untreue in insgesamt 293 Fällen verantworten und räumte seine eigene Schuld bereits grundlegend ein. Ein Springer-Sprecher bestreitet auf „Handelsblatt“-Nachfrage die Vorwürfe Günthers. Die Aussagen seien „in weiten Teilen“ Schutzbehauptungen und unzutreffend.

Aus der Anklage gegen Günther geht hervor, dass das Betrugssystem, das er laut Eigenaussage bereits bei Amtsantritt vorgefunden und lediglich weiterentwickelt habe, einen Schaden in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro angerichtet haben soll – weitere fünf Millionen Euro Schaden sind laut „Handelsblatt“ bereits verjährt. Die Ermittlungen gegen Günther laufen seit 2014, als der Medienkonzern Anzeige erstattete.

th

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