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Gastbeitrag

NFTs und Mehrwert: Zusammen wird ein Schuh draus

Aufmacher Interlutions

"Der digitale Müll verschmutzt auch real die Umwelt", sagt Christian Schmidt, CCO bei Interlutions – Foto: Interlutions

Christian Schmidt analysiert in seinem Gastbeitrag den Stand der Dinge in Sachen NFTs. Er ist vom potentiellen Mehrwert überzeugt, sieht Einiges aber auch kritisch.

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Von Christian Schmidt

Wo sich neue Geschäftsfelder und damit Möglichkeiten Geld zu verdienen auftun, sind Betrüger häufig nicht weit. Dass dies auch auf dem Gebiet der Non Fungible Tokens (NFTs) passiert, konnte man der Presse bereits mehrfach entnehmen. Doch ist dies Grund genug, diese Entwicklung zu verdammen und als unseriösen Hype abzutun? Wie im realen Leben lohnt sich auch bei digitalen Neuigkeiten ein tieferer Blick hinter die Kulissen.

Denn das Potenzial dieser speziellen digitalen Assets ist enorm. Schon jetzt findet man zahlreiche Anwendungsbeispiele, die dies erahnen lassen – umso deutlicher in Kombination mit der voranschreitenden Entwicklung des Metaverse. So verkaufte sich die erste Adidas NFT-Kollektion „Into the Metaverse“ nicht nur in Rekordzeit, sondern brachte dem Sportartikler umgerechnet rund 21 Millionen Euro ein.

Der Erfolg dieser Aktion ist aber nicht dem Hype geschuldet, sondern vielmehr dem Mehrwert, den Adidas mit seinen NFTs verknüpft. Zusammen mit ihnen erwarben die Käufer nämlich eine Reihe von Privilegien, wie besondere virtuelle Erlebnisse im Metaverse, aber auch exklusive physische Merchandise-Produkte der Marke. So gelingt es Adidas ganz elegant, sich sowohl im virtuellen wie auch im realen Leben ihrer Kunden zu verankern.

Zwischen Fanartikel und Wertanlage

Einen deutlichen Schritt weiter geht der Adidas-Konkurrent Nike. Ende 2021 erwarb die Sportfashion Brand das Unternehmen RTFKT Studios, „Produzent“ virtueller Sneaker und NFTs für das Metaverse. Für Nutzer eröffnet sich dadurch eine ganz neue Dimension: Sie können analog zu realen Sondereditionen künftig exklusive NFTs von Nike Sneakern erwerben, die natürlich ebenfalls streng limitiert, wenn nicht gar einzigartig sind.

Der Vorteil: Diese NFT-Sneaker sind nicht an eine einzelne Spielumgebung gebunden, sondern können gameübergreifend vom eigenen Avatar getragen werden. Fans der Marke bekommen so nicht nur die Chance, auch in der virtuellen Welt ihre Leidenschaft für Nike Sneaker auszuleben. Durch die beschränkte Auflage ergibt sich zudem die Chance auf eine Wertsteigerung, von der der Besitzer im Falle eines Weiterverkaufs profitieren kann.

Kryptokunst für den guten Zweck

Doch NFTs machen nicht nur Spaß, sondern können auch Gutes bewirken. Ein Beispiel dafür ist die WWF-Aktion Non-Fungible Animals (NFA). Zehn renommierte Künstler schufen dafür ein digitales Kunstwerk von je einer bedrohten Tierart. Die NFAs wurden in exakt jener Zahl auf den Markt gebracht, die den noch lebenden Tieren in freier Wildbahn entspricht. Der Erlös des Verkaufs wird für die Rettung und den Schutz der bedrohten Tiere eingesetzt.

Einen ebenso gemeinnützigen Ansatz verfolgt das Projekt GoldenNFT. Sein Ziel: Menschen, die sich auf der Flucht vor Armut und Gewalt befinden, ein Goldenes Visum für die EU zu kaufen. Um die nötigen Einnahmen dafür zu generieren, bietet ein Künstlerkollektiv 5.555 NFTs zum Verkauf an. Es handelt sich dabei um digitale Kunstwerke, die im Rahmen einer Auktion erworben werden können. Bieter wissen vorab nicht, welches Werk sie erhalten.

Verknüpfung von digital zu real

Vor allem für Menschen mit eher gering ausgeprägter Sammelleidenschaft bleibt es vielfach fragwürdig, was sie mit digitalen Assets – wie zum Beispiel den oben genannten Kunstwerken – anstellen sollen, wenn sie diese letztlich nur auf dem eigenen Smartphone abspeichern und ansehen können. Eine Antwort darauf liefert der Tokenframe, ein Bilderrahmen, der digitale Kunst in den heimischen vier Wänden sichtbar macht.

Seine Besonderheit: Der Rahmen spielt ausschließlich Krypto-Kunstwerke ab, die sich nachweisbar im Besitz des Nutzers befinden. Per WLAN werden die NFTs dann direkt aus dem Wallet heraus auf den Tokenframe übertragen. Auch dies ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein buchstäblich sichtbarer Mehrwert NFTs zu einem nachhaltigen Erlebnis machen kann, das mehr als eine kleine, eingeschworene Kryptofan-Gemeinde anspricht.

Achtung, Fake!

Grundsätzlich gilt: Man kann aus allen digitalen Assets ein NFT machen. Und da es relativ einfach gelingt, sie auf den Markt zu bringen, ist auch die Bandbreite für Betrugsversuche groß. Zur gängigen Praxis so genannter NFT Scams zählen Plagiate. Betrüger kopieren dabei die Werke bekannter Künstler, wandeln sie in NFTs um und verkaufen sie. Die Käufer der NFTs bleiben dabei in dem Glauben, das echte und einzigartige Werk erworben zu haben.

Es ist aber nicht nur bei 1:1-Kopien Vorsicht geboten. Eine weitere Masche setzt auf die Anfertigung von Werken im Stil bekannter Künstler, die jedoch zu deutlich günstigeren Preisen zu haben sind. Auch hier können unwissende Käufer denken, ein „echtes“ Schnäppchen gemacht zu haben. Da jeder aus digitalen Assets NFTs erstellen und dies als offizielles Projekt aufsetzen kann, ist dies übrigens nicht illegal.

Zum Affen gemacht

Ein besonders aufsehenerregendes Beispiel für einen NFT-Betrug lieferte das Projekt „Evolved Apes“, das auf den Erfolg des „Bored Ape Yacht Club“ aufsetzte. Bei Letzterem handelt es sich um eine Sammlung von rund 10.000 Affen-Avataren, die zu den bekanntesten NFT-Kollektionen weltweit gehört. Bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung waren alle 10.000 Objekte für insgesamt 24,3 Millionen US-Dollar verkauft.

„Evolved Apes“ bot seinen Käufern ebenfalls NFTs mit einzigartigen Ape-Designs an. Darüber hinaus sollte man diese Avatare in einem Blockchain-Kampfspiel verwenden können. Die NFTs sollten das Spiel finanzieren, welches sich noch in der Entwicklungsphase befand. Eine Woche nach Start des Projekts verschwand der anonyme Entwickler jedoch von der Bildfläche. Mit ihm 798 Ether (eine Krypo Währung) zum aktuellen Gegenwert von rund 2,7 Millionen US-Dollar.

Nachhaltigkeit dank Mehrwert

Seien es Fotos, Videos, 3D-Animationen oder ein einfacher Screenshot: Man kann aus allen digitalen Vorlagen ein NFT generieren. Und so landet nachvollziehbar viel digitaler Müll auf dem NFT-Markt. Hier stellt sich jedoch nicht nur die Frage des Nutzens: Da die meisten NFTs die Ethereum Blockchain nutzen, ist auch der damit verbundene sehr hohe Stromverbrauch kritisch zu sehen. Der digitale Müll verschmutzt so nämlich auch die reale Umwelt.

Die gute Nachricht: Ethereum hat bereits verkündet, im Juni 2022 auf energiesparende Prozesse umzustellen und den Energieverbrauch so um 99 Prozent zu senken. Dennoch liefert dies ein weiteres Argument dafür, dass NFTs zwingend mit einem Mehrwert verbunden sein sollten. So können nicht nur Marken und Verbraucher von einem nachhaltigen Erlebnis profitieren, sondern auch die physische 3D-Welt. 

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