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Wochenrückblick

Robert Habeck bei „Markus Lanz“ – eine Sternstunde der politischen Kommunikation

Robert Habecks Auftritt bei „Markus Lanz“ war ein seltener Moment der Wahrhaftigkeit im TV. Gregor Peter Schmitz („GPS“) fängt heute bei RTL Deutschland an und keiner weiß so richtig, als was. Christian Drosten nutzt auch seinen letzten (?) Podcast-Auftritt für Medienschelte. Und Deniz Yücel verteidigt seinen Kollegen und seinen Chef. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Gestern ist mir etwas passiert, das schon lange nicht mehr vorkam: Ich blieb bei einer TV-Sendung hängen und konnte mich nicht mehr davon lösen, obwohl es schon sehr spät war. Die Rede ist von „Markus Lanz„. Der ZDF-Talker hatte neben „The Pioneer“-Chefredakteur Michael Bröcker, der Ökonomin Karen Pittel und der Politikwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse vor allem Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler Robert Habeck zu Gast. Der Auftritt Habecks war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal einen so hochrangigen Politiker in einer solchen Offenheit und Präzision in einer Talkshow sprechen gehört zu haben. Habeck wich nie aus. Er betonte sogar immer wieder, dass es keine „sauberen“ Lösungen gebe und es zum Beispiel mit Blick auf seine kritisierte Reise nach Qatar nur „weniger schlimme“ Lösungen geben könne. Dabei kam stellenweise ein echtes Gespräch zwischen dem sehr gut vorbereiteten und hellwachen Markus Lanz und Habeck zustande. Die übrigen Gäste der Runde wurden zu Nebendarstellern, was sie aber auch nicht weiter zu stören schien. Immerhin wohnten sie hier einem außergewöhnlichen TV-Moment bei. Dass der promovierte Literaturwissenschaftler Habeck ganz nebenbei Lanz und Bröcker die wörtliche Bedeutung eines Dilemmas erläuterte, war da nur das Tüpfelchen auf dem i. Bitte an das ZDF: früherer Sendeplatz für „Markus Lanz“. Der Nachtruhe wegen.

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Dass Gregor Peter Schmitz heute, am 1. April, seinen ersten Arbeitstag bei der Mediengruppe RTL hat, ist kein Scherz. Schon bei der Bekanntgabe der Personalie Schmitz konnte man sich wundern, dass in der eilig – nach einer Anfrage von MEEDIA – verschickten Pressemitteilung nicht drin stand, was der ehemalige Chefredakteur der „Augsburger Allgemeinen“ bei RTL so machen würde. Die weitere Struktur des Unternehmens werde erst im Laufe des 2. Quartals bekanntgeben, heißt es auf Nachfrage zur Personalie Schmitz stets. Nun fängt der gute Mann heute also an und was macht er denn da nun, beim RTL? Konkrete Anfragen laufen ins Leere. Wir bei MEEDIA hören ja immer wieder, dass er eine Führungsrolle beim „Stern“ spielen soll, was offiziell zumindest nicht dementiert wird. Ein Problem bei der Kommunikation könnte sein, dass der „Stern“ mit Anna-Beeke Gretemeier und Florian Gless schon (noch?) zwei „Stern“-Chefredakteure hat. Es gab schon Personalien, die glatter über die Bühne gegangen sind.

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Jetzt ist es also vorbei mit dem „Drosten-Podcast“, der ja eigentlich „Coronavirus-Update“ heißt und seit geraumer Zeit schon mit Virologin Sandra Ciesek im Wechsel mit Christian Drosten produziert wurde. In der letzten Folge waren beide noch einmal am Mikrofon und man merkte den beiden Wissenschafts-Redakteurinnen von NDR Info an, dass sie ein bisschen traurig waren, das reichweitenstarke Format nun gehen zu lassen. Zwar sind noch einige Sonderfolgen geplant, aber die große Aufmerksamkeit dürfte mit dem Abtritt der beiden Top-Virologen erst einmal perdu sein. Zum Schluss übte Drosten nochmal ein bisschen Medienkritik und offenbarte eine eher seltsame Vorstellung von Wissenschaftskommunikation:

„Es muss nicht jeder Wissenschaftler kommunizieren, das würde gar nicht gehen. Das gäbe ein Geschnatter. Wer hat eigentlich das Mandat zu kommunizieren? Das ist eine ganz wichtige Frage. Gibt es eigentlich einen Prozess dazu? Soll die Wissenschaft das vielleicht auswählen, wer für diesen Bereich sprechen soll zu dem Thema? Wie geht das genau? Das kommuniziert ja auch mit dem Journalismus. Im Moment wählt alleine der Journalismus aus, welche Wissenschaftler gehört werden und die Auswahlkriterien sind zum Teil relativ subjektiv.“

Ja, zum Glück wählt „der Journalismus“ sich seine Gesprächspartner „alleine“ aus. Das ist Bestandteil seiner Unabhängigkeit. Wie sollte das sonst funktionieren? Medien dürfen Fragen nur noch an vorher ausgesuchte „Wissenschaftssprecher“ stellen? Eine gruselige Vorstellung.

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Deniz Yücel war bei „Chez Krömer“ zu Gast gewesen und hat dort seinen Springer-Kollegen Paul Ronzheimer gegen dünne Witzeleien von Kurt Krömer („Hamster“) verteidigt und auch etwas zur mittlerweile berühmten „Propaganda-Assistenten“-Nachricht von Springer-CEO Mathias Döpfner gesagt. Yücel hob hervor, dass die „Propaganda-Assistenten“ Teil einer privaten Textnachricht waren und dass dies ein Unterschied zu einer offiziellen Äußerung sei.

Ähnlich hatte Döpfner auch schon argumentiert und beide haben da sicherlich einen Punkt. Wer hätte in einer privaten Unterhaltung nicht schon mal etwas sehr Dämliches von sich gegeben? Einerseits. Andererseits muss man als Person des öffentlichen Lebens aushalten, dass private Äußerungen, die von öffentlichem Interesse sind, bekannt werden und darüber debattiert und geurteilt wird. Yücels Verteidigungsrede – vor allem für Ronzheimer – kam bei Twitter bei vielen gut an. Yücel war aber auch bemüht, die Stimmung nicht zu sehr aufzuheizen und betonte, dass er, Krömer und Produzent Friedrich Küppersbusch nach der Sendung noch in bestem Einvernehmen Pizza verzehrten. Gute Kommunikation geht auch durch den Magen.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ spreche ich mit Kollege Christian Meier von der „Welt“ über den Stand der Ukraine-Berichterstattung. Außerdem geht es um die neuen Entwicklungen im Fall Gil Ofarim und den Abschied von Christian Drosten vom Podcast-Business. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

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