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Bilanzpressekonferenz

Bertelsmann will Geschäfte in Russland zurückführen

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe – Foto: Imago / Ipon

Nach dem Angriff auf die Ukraine beenden weltweit immer mehr Konzerne ihre geschäftlichen Aktivitäten in Russland. Bertelsmann-CEO Thomas Rabe bleibt dort weiter mit mehr als 2.200 Beschäftigten in der Logistik aktiv, will die Geschäfte aber im Einklang mit den internationalen Auftraggebern abbauen.

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Die Liste der Firmen wird immer länger, die sich nach dem Angriff der Ukraine aus Russland zurückziehen. So haben inzwischen auch Ölkonzerne wie BP und Shell das Land verlassen. Auch Autohersteller wie Mercedes und Volkswagen stellen dort ihre Geschäft komplett ein, ebenso wie Apple oder Samsung, Mastercard und Netflix. Mit dem rigorosen Schnitt gehen viele Konzerne über den Rahmen der vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen hinaus. Dafür sind Unternehmen sogar bereit, Investitionen in Milliardenhöhe abzuschreiben.

Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann, der mit Firmenmarken wie Penguin Random House oder BMG weltweit tätig ist, bleibt hingegen in Russland mit mehr als 2.200 Mitarbeitern in der Logistik weiter aktiv. Man habe aber die Geschäfte mit internationalen Auftraggebern inzwischen deutlich zurückgeschraubt, und „zwar in dem gleichen Maße, wie unsere Kunden die Geschäfte zurückgeführt haben“, so Bertelsmann-Chef Thomas Rabe auf der heutigen Bilanzpressekonferenz. In Russland betreibt die Bertelsmann Dienstleistungs-Tochter Arvato mehrere Lager. Hier seien Waren eingelagert, die „man sich nicht selbst überlassen kann“, so der Vorstandschef. Zur Druckerei, die Arvato hier mit 200 Mitarbeitern betreibt, wurden keine Aussagen gemacht. Arvato ist hier für russische Auftraggeber tätig.

Im Mediengeschäft kehrte Bertelsmann dem Land bereits vor Jahren den Rücken. So hat sich das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr 2008 aus Russland verabschiedet. Auch der Fernsehriese RTL zieht sich seit 2013 schrittweise aus Russland zurück. Rabe: „Gerade bei RTL haben wir frühzeitig gesehen, dass der Betrieb des Fernsehgeschäfts nach für uns wichtigen Maßstäben schlicht nicht möglich ist“, so der Bertelsmann-Chef. So habe man erkannt, dass russische Unternehmen – vor allem staatliche Betriebe – sich mehr und mehr in der Medienindustrie engagieren. „Sprich: hier die Dinge nicht in eine gute Richtung laufen“, so Rabe wörtlich. 

Prognose für 2021 schwierig

Zu Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2022 hält sich der Medienriese bedeckt (hier gibt es Details zur Bilanz 2021). „Bertelsmann verfügt über eine starke finanzielle Position. Für 2022 rechnen wir mit einem moderaten Umsatzanstieg sowie einem operativen Ergebnis, das vor Investitionen in das Streaming-Geschäft der RTL Group auf Rekordniveau stabil ist. Diese Erwartungen reflektieren noch nicht die aktuell nicht absehbaren Auswirkungen der russischen Invasion in die Ukraine und die hieraus resultierenden geopolitischen Spannungen auf die Weltwirtschaft“, sagt Finanzvorstand Rolf Hellermann.

Das Verlagshaus Gruner + Jahr,  das seit Anfang 2022 zum Luxemburger Fernsehkonzern RTL gehört, musste im Geschäftsjahr 2021 einen Wachstumsdämpfer verkraften. Der Konzernumsatz ging um 7,4 Prozent auf 1,05 (1,135) Milliarden Euro zurück. Grund hierfür war der Verkauf des französischen Tochter Prisma Media. Dagegen stieg das Operating EBITDA in 2021 auf 134 (127) Millionen. Organisch habe das Geschäft bei Umsatz und Ergebnis dagegen stark zugelegt, heißt es. Vor allem das Anzeigengeschäft von Gruner + Jahr habe sich erholt. Zum Umsatz- und Ergebniswachstum hätten zudem die AppLike Group und ein hohes Beteiligungsergebnis der Spiegel-Gruppe beigetragen. Zudem hat Bertelsmann die Investitionen 2021 in das Zeitschriftenhaus zurückgefahren. Ab diesem Jahr wird Bertelsmann den Hamburger Zeitschriftenkonzern nicht mehr als eigenständiges Unternehmen ausweisen. RTL hatte das Zeitschriftenhaus erworben, um einen neuen nationalen Medienchampion zu schaffen. Damit wappnet sich die RTL-Spitze gegen die wachsende Konkurrenz der US-Tech-Firmen. 

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